MAN Ferrostaal übergibt Raffinerieanlage in Chile

Investitionsvolumen von rund 430 Mio. US-Dollar, Raffinerieanlage verarbeitet 20.000 Barrel pro Tag
(PresseBox) (Concon, Chile, ) MAN Ferrostaal hat gemeinsam mit zwei spanischen Ingenieurgesellschaften, Foster Wheeler Iberia und Tecnicas Reunidas, eine Raffinerieanlage für die staatliche chilenische Ölgesellschaft Empresa Nacional del Petróleo (ENAP) fertiggestellt. Die Raffinerieanlage, ein sogenannter "Delayed Coker", verarbeitet pro Tag 20.000 Barrel schwere Erdöle und Raffinierierückstände zu Treibstoffen von hoher Qualität wie schwefelarmen Diesel, Benzin und Flüssiggas (LPG). Das Investitionsvolumen bträgt rund 430 US-Dollar. Die Raffinerieanlage ist Teil eines Umweltkonzeptes der chilenischen Regierung zur Verringerung der verkehrsbedingten Emmissionsbelastung. Das Finanzierungskonzept für die Raffinerieanlage über die Projektgesellschaft ENERCON, wurde von der internationalen Fachzeitschrift "Project Finance International" (PFI) mit dem Preis "Latin America Deal of the Year 2005" ausgezeichnet. "

MAN Ferrostaal hat mit Partnern die Konstruktion, Beschaffung und Ausführung (EPC: Engineering, Procurement, Construction) der Anlage verantwortet und die Finanzierung mit ENAP durch ein maßgeschneidertes Konzept ermöglicht. Die lokalen Bau- und Montagearbeiten wurden von der Unternehmenstochter DSD Chile, einer Tochtgersegellschaft der MAN Ferrostaal durchgeführt.

ENERCON ist die von ENAP, Foster Wheeler Iberia, Tecnicas Reunidas und MAN Ferrostaal für den Bau und Betrieb der Raffinerieanlage gegründete Projektgesellschaft. Die Unternehmen sind Eigentümer und Betreiber der Anlage. Die Produktionskapazität wird dem Endabnehmer ENAP über 20 Jahre zur Verfügung gestellt. (siehe Grafik)

ENAP ist der größte Anbieter von Erdölprodukten in Chile und Hauptversorger der Region Santiago. Mit der neuen Raffinerieanlage in der ENAP Raffinerie Aconcagua (ERA) steigert das Unternehmen die Produktion von Diesel um 16, von Flüssiggas um 15 und von Benzin um 6 Prozent. Es wird schwefelärmerer Diesel mit sehr geringer Partikeldichte hergestellt und so ein Beitrag geleistet, die Schadstoffemmissionen im Verkehr zu verringern. Strategisch günstig gelegen in der Nähe der Hauptstadt Santiago de Chile und des Seehafens Valparaiso können kostengünstig schwere Erdöle und Raffinerierückstände auch aus den umliegenden Ländern wie Brasilien, Kolumbien und Ecuador importiert werden. Die höhere Raffineriemarge ERAs stabilisiert zusätzlich den Energiemarkt Chiles.

MAN Ferrostaal und ENAP kooperieren bereits seit dem Jahr 2000 erfolgreich bei verschiedenen, ähnlich strukturierten petrochemischen Anlagen, wie z. B. bei einer Di-Isopropylätheranlage, zwei Schwefelrückgewinnungsanlagen und einem Mild Hydro-Cracking-Komplex (MHC).

Umweltschutz in Chile
Seit 1980 ist Umweltschutz in der chilenischen Verfassung festgeschrieben. Wirkungsvolle Maßnahmen wurden mit dem Regimewechsel zu einer Demokratie nach der Präsidentschaftswahl 1989 ergriffen. Zu dieser Zeit hatte das Land gravierende Umweltprobleme: Wasser- Küsten-, und Luftverschmutzung, Abfallbeseitung, Überfischung, Reduzierung des Baumbestands, übermäßige Verkehrsbelastung, vor allem in Santiago de Chile. Im Juni 1990 wurde die staatliche Umweltkomission CONAMA (Comisión Nacional de Medio Ambiente) gegründet, die im März 1994 ein Umweltrahmengesetz verfasste. Das Umweltrahmengesetz enthält u.a. das Prinzip der Prävention, d. h. der Vorbeugung von Umweltschäden ist gegenüber der Behebung Vorzug zu geben. Alle neuen in- und ausländischen Investitionsprojekte müssen eine Umweltvertäglichkeitsprüfung bestehen. Nur wenn das Projekt die geltenden Normen erfüllt, wird die Durchführungsgenehmigung erteilt. Daher war eine Studie zur Umweltvertäglichkeit Bestandteil der Projektentwicklung für die Raffinerieanlage in ENAP Raffinerie Aconcagua, da zusätzlich zur Produktion des schwefelärmeren Diesels auch der Bau die entsprechenden Umweltauflagen der chilenischen Regierung erfüllen musste.

Höhere Qualität durch Delayed Coker
Ein Coker ist eine Raffinerieanlage zur Umwandlung sehr schwerer Kohlenwasserstoffmoleküle in leichtere Produkte. Beim Delayed Coker Prozess werden Ölschlämme und andere bei der Vakuumdestillation (Prozessschritt in der Erdölaufbereitung) entstehende zähflüssige Rückstände durch schnelle Erhitzung auf ca. 540°C und anschließende Einbringung in spezielle Behälter (Coke Drums) in die Wertstoffe LPG, Gas, Naphta, Diesel und Petrolkoks umgewandelt. Petrolkoks ist ein fester Wertstoff, der im Kraftwerk zur Energieerzeugung verbrannt oder bei geeigneter Qualität in der Aluminiumindustrie zur Anodenproduktion verwendet werden kann.
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