Komplexe Geometrie

Der neue Glasvorbau am Bahnhof Straßburg lässt gut durchblicken mit Gläsern von SCHOLLGLAS
Bahnhof Straßburg (PresseBox) (Barsinghausen/Tübingen, ) In weniger als zweieinhalb Stunden von Straßburg nach Paris zu gelangen - die neue TGV-Verbindung macht's möglich. Um den Straßburger Hauptbahnhof an diese Höchstleistung anzupassen, wurde der gesamte Bahnhofsvorplatz neu gestaltet. Seit November 2007 wird das historische Eingangsgebäude von einem gläsernen Vorbau geschützt, der unter den Prämissen Transparenz und Filigranität errichtet wurde.

Der Straßburger Bahnhof entstand zwischen 1878 und 1883 nach den Entwürfen des Architekten Johann Eduard Jacobsthal. Dieses historische Gebäude sollte auf Wunsch des Bauherrn, der französischen Bahn SNCF, trotz Erweiterung seine Präsenz beibehalten. Aus dieser Aufgabenstellung resultierte ein Glasbau von komplexer Geometrie, der sich in einer sanften Krümmung vor bzw. über den Altbau schiebt und eine überdachte Verbindung zwischen Bahnhof und Tiefgarage sowie den Verkehrsmitteln Tram, Bus und Taxi schafft. Dabei garantiert die transparente Gestaltung des filigranen Stahltragwerks weiterhin freie Sicht auf das ehemalige Eingangsgebäude bei zugleich hoher Aufenthaltsqualität im Innenraum. Der Glasvorbau mit 120 Metern Länge und 25 Metern Höhe setzt sich ausschließlich aus gebogenen Einzelelementen zusammen. Die primäre Tragstruktur besteht aus insgesamt 16 mit Edelstahlseilen unterspannten Hauptbögen, die in einem Abstand von 9 Metern auf Pendelstützen ruhen. Für die horizontale Aussteifung sorgt eine Sekundärstruktur - mit Zugstäben unterspannte Stabilisierungselemente in Abständen von 4,50 Metern - sowie eine ebenfalls gebogene Tertiärstruktur. Die Seele GmbH aus Gersthofen, Spezialist für komplexe Stahl-Glaskonstruktionen, hat exakte Berechnungen erstellt, um die erforderlichen Kräfte in die unterschiedlichen Zugelemente einzubringen und damit das Gleichgewicht der Konstruktion zu gewährleisten.

Die Glashülle des Vorbaus wird aus gebogenen Einzel-scheiben in vier verschiedenen Radien gebildet. Für die transparente Hülle hat SCHOLLGAS rund 13.000 m² Gläser in Größen von 808 mm x 1332 mm bis 4478 mm x 1699 mm geliefert. Es kamen zwei unterschiedliche VSG-Typen zum Einsatz: Der erste Verbund besteht aus Einscheiben-Sicherheitsglas GEWE-dur®-H aus K-Glass(TM) . Das heißgelagerte, thermisch vorgespannte Sicherheitsglas GEWE-dur®-H zeichnet sich durch eine dauerhafte Spannungsverteilung im Glas auf und gewährleistet so eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen mechanische und thermische Spannungen. Der zweite VSG-Typ wurde aus GEWE-tvg®-Scheiben zusammengesetzt und hat ebenfalls eine K-Glass(TM) -Scheibe im Verbund. GEWE-tvg® eignet sich aufgrund seines guten Resttragverhaltens besonders für den Einsatz im Überkopfbereich. Das K-Glass(TM) ist durch seine einseitige pyrolytische Beschichtung mit Metalloxid chemisch und mechanisch sehr widerstandsfähig sowie in Ansicht und Durchsicht neutral.

Um den Sonnenschutz zu gewährleisten, wurde im oberen Gebäudeteil die äußere Scheibe der VSG-Glaseinheiten mit einem 2-Farben-Siebdruck versehen: Dieser wurde auf Ebene 2 - und damit auf der später laminierten Seite - aufgebracht. Durch die Anordnung der Bedruckung erhalten die Gläser eine weiße Außen- und eine schwarze Innenwirkung. Es war eine besondere Herausforderung für SCHOLLGLAS, den Punkteverlauf von 5 mm bis 19 mm Durchmesser so exakt zu positionieren, dass die Punkte deckungsgleich sind. Außerdem sorgen eine Sonnen-schutzfolie im PVB-Laminat sowie das K-Glass(TM) auf der Innenseite dafür, dass sich der Glasbau bei Sonneneinstrahlung nicht zu stark aufheizt.

Die komplexe Stahl-Glaskonstruktion musste noch weitere Anforderungen erfüllen: Es durfte keine Verbindung zwischen Alt- und Neubau bestehen, da das historische Gebäude nicht nur sichtbar, sondern aus Gründen des Denkmalschutzes auch unberührt bleiben musste. Eine weitere Vorgabe lautete: Erdbebensicherheit. Damit ist der neue Glasvorbau eine ingenieurtechnische Meisterleistung und zugleich architektonisches Schmuckstück und macht der neuen TGV-Verbindung mit Spitzengeschwindigkeiten von 320 Kilometern pro Stunde alle Ehre.

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