Unsicherheit nimmt zu

Wirtschaftslagebericht der IHK Heilbronn-Franken für das 3. Quartal 2008
(PresseBox) (Heilbronn, ) Die Konjunktur im IHK-Bezirk Heilbronn-Franken hat sich im Herbst 2008 weiter abgekühlt. Hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie der Abschwung der Weltwirtschaft führen zu Belastungen, die sich zunehmend auch in der regionalen Industrie bemerkbar machen. Im Baugewerbe befindet sich die Lageeinschätzung nach wie vor auf hohem Niveau. Auch im Großhandel sind die Lageurteile gegenüber dem Vorquartal stabil geblieben. Die heimischen Einzelhändler leiden dagegen unter dem Andauern der Konsumflaute. Sie äußern sich noch unzufriedener als in den vergangenen Monaten. Die Dienstleister beurteilen die aktuelle Geschäftslage ebenfalls zurückhaltender als im Vorquartal. In allen Wirtschaftsbereichen nimmt die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung zu. Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken, an der sich rund 400 Unternehmen mit rund 67 000 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk beteiligt haben.

Konjunktur verliert weiter an Kraft

Die aktuelle Geschäftslage wird von den heimischen Unternehmen per saldo ungünstiger als im 2. Quartal 2008 eingeschätzt. Im längerfristigen Vergleich betrachtet, fällt die Einschätzung jedoch noch recht positiv aus. Im Einzelnen sprechen 35 Prozent (Vorquartal 38 Prozent) der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen von einem guten Geschäftsverlauf, während 12 Prozent (Vorquartal 10 Prozent) der Betriebe mit der Geschäftslage unzufrieden sind.

Die regionale Wirtschaft gerät zunehmend in konjunkturell schwierigeres Fahrwasser. Der bisherige Wachstumstreiber Export, der in den letzten Jahren vom Aufschwung der Weltwirtschaft profitiert hat, schwächt sich ab. Im Zuge der Finanz- und Immobilienkrise spüren exportorientierte Unternehmen immer stärker die nachlassende Dynamik auf wichtigen Exportmärkten. Zudem steht die angesichts der Erholung am Arbeitsmarkt erhoffte Belebung der Konsumnachfrage aus. Vor dem Hintergrund des unsicheren Umfelds haben sich die Unternehmen zuletzt auch mit weiteren Investitionen zurückgehalten. Die sich zuspitzende US-Finanzkrise erhöht zusätzlich die Risiken für die regionale Konjunktur. Hinsichtlich der derzeitigen wirtschaftlichen Situation ist es daher erforderlich, dass die Politik ihre Reformbestrebungen konsequent fortführt, um Wachstum und Beschäftigung zu sichern. Kontraproduktiv sind hingegen Debatten, wie jene um die Mindestlöhne.

Der Personalaufbau setzt sich fort, auch wenn die Unternehmen bei Neueinstellungen zurückhaltender geworden sind. In den nächsten zwölf Monaten sieht ein Fünftel der Betriebe (Vorquartal 25 Prozent) einen Anstieg des Personalbestandes vor Ort vor. 16 Prozent (Vorquartal 12 Prozent) der Unternehmen planen hingegen einen Rückgang der Beschäftigtenzahl.

Die Aussichten für die kommenden zwölf Monate schätzen die heimischen Betriebe nun überwiegend skeptisch ein. Erstmals seit rund fünf Jahren liegen die Erwartungen im 3. Quartal 2008 wieder im negativen Wertebereich. 16 Prozent (Vorquartal 23 Prozent) der Unternehmen gehen von einer günstigeren Entwicklung aus, ein Viertel (Vorquartal 18 Prozent) der Betriebe erwartet einen schlechteren Geschäftsverlauf.

Lageurteile in Industrie erneut zurückhaltender

Die heimische Industrie, der Wirtschaftszweig, der maßgeblich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bestimmt, beurteilt ihre aktuelle Geschäftslage weniger positiv als im Vorquartal. 41 Prozent (Vorquartal 45 Prozent) der Betriebe bezeichnen die aktuelle wirtschaftliche Situation als gut, während ein Zehntel (Vorquartal 8 Prozent) der Unternehmen einen ungünstigen Geschäftsverlauf meldet.

Gegenüber dem Vorquartal hat sich die Zahl der ausländischen Auftragseingänge spürbar verringert. Es überwiegen nun die negativen Stimmen. Rund 22 Prozent (Vorquartal 29 Prozent) der Betriebe verbuchten steigende, 31 Prozent (Vorquartal 18 Prozent) der Betriebe rückläufige Auslandsorders. Bei den inländischen Auftragseingängen ist ebenso eine Verschlechterung festzustellen. 17 Prozent (Vorquartal 24 Prozent) der Industrieunternehmen melden einen Zuwachs, 29 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) der Betriebe verzeichneten hingegen rückläufige Auftragseingänge aus dem Inland. Die Einschätzung der durchschnittlichen Kapazitätsauslastung fällt mit 85 Prozent noch ähnlich hoch wie im Vorquartal aus (86 Prozent). Insgesamt kalkuliert ein Drittel der Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten mit einem Umsatzwachstum, 24 Prozent der Betriebe gehen von zurückgehenden Umsätzen aus.

Hinsichtlich des Geschäftsverlaufs in den kommenden zwölf Monaten überwiegt bei den regionalen Industrieunternehmen nun der Pessimismus. Im Einzelnen erwarten 15 Prozent (Vorquartal 28 Prozent) der Betriebe eine günstigere Geschäftsentwicklung insgesamt, während 23 Prozent (Vorquartal 16 Prozent) der Unternehmen mit Skepsis in die Zukunft blicken. Jeweils etwa 17 Prozent der Betriebe sehen eine Personalaufstockung beziehungsweise eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl vor.

Heimische Bauwirtschaft weiter auf hohem Niveau

Die konjunkturelle Aufwärtstendenz hat sich in der regionalen Bauwirtschaft im 3. Quartal 2008 nicht weiter fortgesetzt. Während wie im Vorquartal rund 46 Prozent der Betriebe den aktuellen Geschäftsverlauf als gut bezeichnen, melden 15 Prozent (Vorquartal 11 Prozent) der heimischen Bauunternehmen eine schlechte Geschäftslage. Die Auftragseingänge insgesamt haben sich gegenüber dem Vorquartal leicht verschlechtert. Im Einzelnen überwiegen im Straßen- und Tiefbau sowie im gewerblichen Hochbau nach wie vor die positiven Stimmen. Ein Drittel der Unternehmen des Straßen- und Tiefbaus und 23 Prozent der Betriebe des gewerblichen Hochbaus berichten von steigenden Auftragseingängen. Dagegen fällt die Auftragslage im öffentlichen Hochbau und vor allem im Wohnungsbau weiter sehr ungünstig aus. Im Wohnungsbau tendierten die im Vorquartal sehr negativ ausgefallenen Urteile zur Auftragslage zumindest per saldo etwas nach oben. Die Skepsis hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten hat sich gegenüber dem Vorquartal erhöht. 38 Prozent (Vorquartal 18 Prozent) der Unternehmen erwarten einen ungünstigeren Geschäftsverlauf. Die Beschäftigungsplanungen der heimischen Bauunternehmen haben sich dagegen per saldo noch etwas verbessert.

Großhandel stabil

Die Geschäftslage im Bereich des Großhandels hat sich im Vergleich zum Vorquartal per saldo kaum verändert. Während 32 Prozent (Vorquartal 39 Prozent) der Unternehmen von einem guten Geschäftsverlauf berichten, sind 9 Prozent (Vorquartal 15 Prozent) der Großhändler mit der aktuellen Geschäftslage unzufrieden. Weitgehend unverändert blieb auch die Einschätzung des Kaufverhaltens. Per saldo sprechen 38 Prozent (Vorquartal 43 Prozent) der Großhändler von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. In Bezug auf den Geschäftsverlauf in den nächsten zwölf Monaten herrscht größere Skepsis als im Vorquartal. Nur noch rund 8 Prozent (Vorquartal 24 Prozent) der Unternehmen des Großhandels erwarten eine günstigere Geschäftsentwicklung. Jeweils 17 Prozent der Unternehmen erwägen eine Erhöhung beziehungsweise eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl.

Unzufriedenheit im Einzelhandel gestiegen

Die Lagebeurteilung im heimischen Einzelhandel fällt im Vergleich zum Vorquartal erneut ungünstiger aus. Ein Fünftel (Vorquartal 15 Prozent) der Einzelhändler hält den Geschäftsverlauf für gut. 35 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) der Unternehmen bezeichnen hingegen die Geschäftslage als schlecht. Schlechtere Konjunkturerwartungen und die starke Belastung durch den Ölpreis haben zu einer anhaltend schwachen Kauflust der Verbraucher geführt. Die Einschätzung des Kaufverhaltens der Kunden durch die Einzelhändler hat sich weiter verschlechtert. Rund 23 Prozent (Vorquartal 29 Prozent) der Unternehmen stufen das Kaufverhalten der Kunden als saisonüblich angemessen ein. Drei Viertel der Einzelhandelsbetriebe (Vorquartal 67 Prozent) sprechen von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. 41 Prozent (Vorquartal 37 Prozent) der Betriebe erwarten Umsatzeinbußen. Dementsprechend gehen nur 5 Prozent (Vorquartal 10 Prozent) der Einzelhändler von einer günstigeren Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten aus, 36 Prozent (Vorquartal 31 Prozent) der Unternehmen blicken dagegen pessimistisch in die Zukunft. Die Beschäftigungsplanungen der heimischen Einzelhändler bleiben von Zurückhaltung geprägt.

Situation bei Dienstleister etwas verschlechtert

Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage durch die heimischen Dienstleister fällt im 3. Quartal 2008 per saldo geringfügig schlechter als im Vorquartal aus. Wie im vergangenen Quartal sprechen 28 Prozent der Betriebe von einem guten Geschäftsverlauf, während 9 Prozent (Vorquartal 4 Prozent) der Unternehmen mit der Geschäftslage nicht zufrieden sind. 23 Prozent der Dienstleister berichten von steigenden Auftragsvolumina, während 19 Prozent der Betriebe Einbußen hinnehmen mussten. Die Beurteilung des zukünftigen Geschäftsverlaufs insgesamt fällt ungünstiger als im 2. Quartal 2008 aus. Im Gegensatz zu den anderen Wirtschaftsbereichen überwiegen bei den Dienstleistern jedoch noch immer die zuversichtlichen Stimmen. 26 Prozent der Unternehmen kalkulieren mit einer besseren Geschäftsentwicklung. Jeder fünfte Betrieb blickt skeptisch in die Zukunft. 32 Prozent der Dienstleister wollen nach wie vor neue Stellen schaffen, während weniger als 12 Prozent der Unternehmen einen Personalabbau vorsehen. Damit wird der Dienstleistungssektor auch weiterhin zu einer Belebung des Arbeitsmarktes beitragen.

Weitere Informationen zur aktuellen konjunkturellen Lage können im Internet unter dem Stichwort "Konjunktur" unter http://www.heilbronn.ihk.de/... abgerufen werden.

Diese Medien-Info kann auch per Internet unter www.heilbronn.ihk.de/... abgerufen werden.

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Achim Ühlin
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