Gute Noten für TV-Angebote in Deutschland

(PresseBox) (Kassel, ) "Das deutsche Fernsehprogramm ist sicher eines der besten der Welt - und dazu tragen natürlich auch die privaten Fernsehveranstalter bei", zu diesem Urteil kam der TV-Produzent Hans-Hinrich Koch (avindependents) bei der Veranstaltung "Gutes Fernsehen - Schlechtes Fernsehen" am 30. September in Frankfurt am Main. Die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen) hatte zusammen mit dem Adolf-Grimme-Institut bereits zum vierten Mal zu dieser Werkstattveranstaltung eingeladen. Dort stellen Fernsehkritiker gelungene und modellhafte Qualitätssendungen in den Programmen privater Fernsehveranstalter einordnend und bewertend vor. Anschließend werden der Befund und die Perspektiven mit Programmmachern diskutiert.

Prof. Dr. Claudia Gerhards, Tilmann P. Gangloff und Prof. Dr. Gerd Hallenberger stellten bei ihrer Analyse der Programmentwicklung fest, dass sich ein Comeback der Fiction abzeichne. Dabei gewinne die Rolle des "TV-Fieslings" an Bedeutung. Die schon im letzten Jahr stark vertretenen Coaching-Formate würden über den Einsatz von Prominenten neu akzentuiert. Zu kritisieren seien fehlende Geduld bei der Entwicklung neuer Produktionen und Einfallslosigkeit. Imitation gehe vor Innovation. Als gelungene Beispiele wurden "Bully sucht die starken Männer" und "Switch Reloaded" (beide Pro Sieben) vorgestellt, weiter "Damages" (Kabel 1), "Der Bluff" (RTL 2), "Fröhliche Weihnachten" (Sat.1) sowie die RTL-Programme "Das jüngste Gericht", "Doctor's Diary" und "Herzog". Gelobt wurde auch die radikal-respektlose amerikanische "Daily Show with Jon Stewart" auf Comedy Central.

Die Beziehung zwischen Qualität und Quote war wesentlicher Aspekt in der Diskussion. Die Produzenten Hans-Hinrich Koch, Rainer Wemcken (Grundy Ufa) und Friedrich Wildfeuer (Constantin Television GmbH) stimmten überein, dass es in Deutschland gute Autoren gebe, die kreative Ideen hätten und ihr Handwerk beherrschten. Defizite gebe es jedoch bei der Innovationsfreudigkeit und bei der Risikobereitschaft der Sender. Zu wünschen sei auch, dass Formate gepflegt würden, damit sie sich etablieren könnten.

Bei den privaten Programmveranstaltern, so die Erfahrungen, stehe erheblicher finanzieller Druck der Entwicklung und Programmierung innovativer Sendeformen entgegen. Neue Formate böten keine Gewähr für einen kurzfristigen Erfolg und stellten für privat-kommerzielle Veranstalter oft ein zu großes Risiko dar. Auf den öffentlich-rechtlichen Sendern laste dieser finanzielle Druck nicht. Allerdings sei dort die Altersstruktur des Publikums der Entwicklung innovativer Formate nicht gerade förderlich.

Aus übereinstimmender Sicht der Produzenten gibt es bei den Zuschauern durchaus Interesse an deutschen Serien, vorausgesetzt, sie seien handwerklich gut gemacht, arbeiteten mit vielschichtigen, aber in sich klaren Figuren, seien authentisch und vermittelten ein spezifisches Gefühl. Allerdings benötige man von Senderseite hier eine gewisse Ausdauer. Um serielle Konzepte erfolgreich zu etablieren, dürfe man nicht von Anfang an hohe Quoten erwarten. Man müsse dem Zuschauern mehr Zeit geben.

Auf die weitere Entwicklung bezogen äußerten die Produzenten die Hoffnung, dass die Digitalisierung neue Verbreitungsformen und Vertriebsmodelle ermöglichten und damit eventuell auch erweiterte Finanzierungsmöglichkeiten eröffneten. Ob aber eine Selbstvermarktung der Formate beispielsweise via Internet auch die Entwicklung innovativer Programme ermögliche, werde sich noch zeigen müssen.

Die Veranstaltung "Gutes Fernsehen - Schlechtes Fernsehen: Volume 4. Qualitätsprogramme bei den Privaten im Programmjahr 2007/2008" fand statt als 31. Hessisches Gesprächsforum Medien am 30. September 2008 im Rahmen der eDIT - Filmmaker's Festival in Frankfurt am Main.

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