Neue OEKO-TEX® Prüfkriterien endgültig in Kraft getreten

OEKO-TEX® Zertifikat als hilfreicher Baustein zur Erfüllung der REACh-Konformität
Die Produktzertifizierung nach OEKO-TEX® Standard 100 stellt für die Unternehmen der textilen Kette einen hilfreichen Baustein im Hinblick auf die Konformität ihrer Artikel mit den Vorgaben der REACh-Gesetzgebung dar (PresseBox) (Zürich, ) Nach Ablauf der dreimonatigen Übergangsfrist sind die von der OEKO-TEX® Gemeinschaft Anfang Januar veröffentlichten Kriterien und Grenzwerte für die textilen Schadstoffprüfungen nach OEKO-TEX® Standard 100 am 1. April 2012 nun für alle Zertifizierungsvorgänge endgültig in Kraft getreten. Die neuen Prüfanforderungen berücksichtigen wie gewohnt auch alle für die Textilproduktion relevanten Substanzen der ECHA-Kandidatenliste mit besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHC), einschließlich der zuletzt am 19. Dezember 2011 ergänzten 20 Chemikalien. Auf jedem ausgestellten OEKO-TEX® Zertifikat wird darüber hinaus bestätigt, dass die zertifizierte Artikelgruppe die Vorgaben des Anhangs XVII der REACh-Verordnung bezüglich beschränkter Substanzen wie Azo-Farbstoffen oder Nickel erfüllt.

Sofern von der ECHA als Kandidatenstoffe deklarierte Chemikalien noch nicht als eigenständige Prüfparameter im OEKO-TEX® Kriterienkatalog aufgeführt sind, die bei der Textilherstellung entlang der einzelnen Wertschöpfungsstufen aber zum Einsatz kommen können, prüft die OEKO-TEX® Gemeinschaft eine explizite Aufnahme. Deshalb steht die Identifizierung und Veröffentlichung weiterer SVHC-Stoffe im Rahmen der Umsetzung der REACh-Verordnung, so das OEKO-TEX® Sekretariat, auch künftig unter besonderem Augenmerk bei der Weiterentwicklung der OEKO-TEX® Prüfkriterien.

Die wichtigsten Neuregelungen des OEKO-TEX® Kriterienkatalogs 2012

- Synthesefasern, bei denen Lösemittel im Spinnprozess verwendet werden, wie Elastan und Polyacryl sowie Beschichtungen und PUR-Schäume werden ab sofort auch auf n-Methyl-pyrrolidon und Dimethylacetamid überprüft. Die beiden Chemikalien sind in der neuen Kategorie "Lösemittelrückstände" aufgelistet und dürfen jeweils einen Grenzwert von 0,1 Massenprozent nicht überschreiten. Liegt der gefundene Wert über diesen 0,1 Massenprozent, wird dies auf dem Zertifikat vermerkt und damit die von REACh geforderte Informationspflicht unterstützt.

- Relevante Prüfmuster wie beschichtete Artikel, Plastisoldrucke, flexible Schaumstoffe und Zubehörteile aus Kunststoff werden auf vier neue Weichmacher untersucht: Di-C6-8-verzweigte Dialkylphthalate, Di-C7-11-verzweigte Dialkylphthalate, Di-n-hexylphthalat (DHP) und Bis(2-methoxyethyl)phthalat. Diese werden zu den bereits im OEKO-TEX® Standard 100 aufgeführten Phthalaten integriert. Der Summengrenzwert von 0,1 Massenprozent bleibt bestehen und die Prüfung auf die zusätzlichen Phthalate wird immer noch zum gleichen Preis durchgeführt.
- Der Grenzwert für extrahierbares Chrom wird für Lederprodukte in der Produktklasse IV auf 10 mg/kg festgelegt. Diese Ausnahme von den üblichen Chrom-Grenzwerten für textile Artikel entspricht der aktuell besten im Markt verfügbaren Technologie und birgt keine toxikologischen Risiken für den bestimmungsgemäßen Gebrauch solcher Produkte.
- Abgesehen von den neu gefassten Prüfparametern wird der Umfang der weltweit durchgeführten Kontrollprüfungen OEKO-TEX® zertifizierter Produkte von bisher mindestens 15% aller jährlich ausgestellten Zertifikate auf künftig 20% ausgedehnt. In der Praxis wurden in den vergangenen Jahren bereits jeweils durchschnittlich 18% der Zertifikate anhand von Produktproben aus dem Handel auf Kosten der OEKOTEX ® Gemeinschaft überprüft.
- Darüber hinaus gibt es ab sofort ein neues Supplement zum OEKO-TEX® Standard 100 auf dessen Grundlage künftig auch Spezialartikel wie Zelte, Kinderwagen, Bürostühle oder Rucksäcke nach OEKO-TEX® Standard 100 zertifiziert werden können.

Überprüfung auf Alkylphenolethoxylate

Analog zum bestehenden Ausschluss von Alkylphenolethoxylaten (APEO) im Rahmen der Zertifizierung umweltfreundlicher Betriebsstätten nach OEKO-TEX® Standard 1000 wird die erfolgreiche Überprüfung auf Nonylphenol, Nonylphenol-(1-9)-ethoxylate, Octylphenol und Octylphenol-(1-2)-ethoxylate künftig auch Voraussetzung für die Produktzertifizierung nach OEKO-TEX® Standard 100.

Für alle vier Produktklassen gelten folgende Grenzwerte:

Nonylphenol: 100 ppm
Octylphenol: 100 ppm
Summe Nonylphenol-(1-9)-ethoxylate: 1000 ppm
Summe Octylphenol-(1-2)-ethoxylate: 1000 ppm

Die Prüfungen werden bereits seit Veröffentlichung der neuen OEKO-TEX® Kriterien durchgeführt. Um den Unternehmen einen angemessenen Zeitraum für eine gegebenenfalls notwendige Umstellung ihrer Produktion einzuräumen, treten die Anforderungen zu den Alkylphenolethoxylaten aber erst nach einer einjährigen Übergangsfrist am 1. April 2013 endgültig in Kraft. Bei der produktionsbezogenen Zertifizierung nach OEKO-TEX® Standard 1000 wird diese Anforderung, auf APEOs in der Produktion grundsätzlich zu verzichten, bereits seit 2005 durch die Substitution problematischer Hilfsmittel konsequent umgesetzt.

Nähere Informationen zu den neuen OEKO-TEX® Prüfkriterien und zum Thema REACh- Konformität erhalten Sie beim OEKO-TEX® Sekretariat (info@oeko-tex..com) sowie den Mitgliedsinstituten der Internationalen OEKO-TEX® Gemeinschaft (www.oekotex.com/institute).

Kontakt

Hohenstein Institute
Schlosssteige 1
D-74357 Bönnigheim
Rose-Marie Riedl
Leitung Unternehmenskommunikation und Forschungsmarketing

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