relatio knüpft neue Bande nach Fernost

Bernd Bodmer: „Gerade Japan arbeitet hart an seiner Energiewende“
relatio-Geschäftsführer Bernd Bodmer und Jörn Menke: „Ostasien gibt bei der Energiewende Gas – in Deutschland fährt man mit angezogener Handbremse.“ (PresseBox) (Balingen, ) Die relatio Geschäftsführung hat Fernost für sich entdeckt – und die Gründe dafür liegen auf der Hand. „In Deutschland wird alles dafür getan, die Solarbranche kaputt zu machen“, sagt Geschäftsführer Bernd Bodmer, „deshalb sind wir gezwungen, neue Märkte für uns zu erschließen.“ Die Gründe dafür liegen klar auf der Hand: Die jüngste EEG-Novelle zwingt zum kollektiven Umdenken – oder in die Knie.

Balingen/Wiefelstede. relatio hat sich für Ersteres entschieden. Nach der neuen Kooperation mit der dänischen Firma Solar Import gilt das Interesse der Balinger Systemintegratoren Fernost, Ländern wie China, Japan und Malaysia. Mit ein Grund, warum die Geschäftsführer Bernd Bodmer und Jörn Menke derzeit so manche Stunde im Flugzeug verbringen. relatio plant derzeit mehrere Projekte unterschiedlicher Größen in Fernost.

Denn in Asien boomt die Solarbranche: China und Malaysia haben vor kurzem die Einspeisevergütung für Solarstrom eingeführt – nach Südkorea, Japan, Taiwan und Thailand. China zum Beispiel, viel gescholtenes Zentrum der globalen Photovoltaik-Produktion, setzt nicht nur auf den Export, sondern auch auf seinen eigenen PV-Zubau. Und Japan, betont Bernd Bodmer, habe aus 3/11 seine traurigen Lehren gezogen: „Atomkraft macht den Menschen dort Angst.“ Allein deshalb stand die Regierung unter dem Druck, Erneuerbaren Energien den Boden zu bereiten. Noch in diesem Sommer gehen vier Solarkraftwerke in Zentral- und Süd-Japan in Betrieb. Ihre Nennleistung: insgesamt vier Megawatt. Die Einspeisevergütung ist in Japan zum 1. April 2012 für große gewerbliche Anlagen von umgerechnet 21 Cent/kWh auf 34 Cent/kWh gestiegen. Zur gleichen Zeit wurde sie in Deutschland auf 16 Cent (bzw. auf 13 Cent bei einer Nennleistung von einem Megawatt) gesenkt worden. „Damit beträgt die gewerbliche Vergütung bei uns nur gut ein Drittel der japanischen“, rechnet Bernd Bodmer vor. „Die Japaner haben aus Fukushima gelernt und arbeiten hart an ihrer Energiewende – und wir?“ Ähnlich negativ für Deutschland fällt die Bilanz bei privaten Anlagen aus. In Japan fiel der Vergütungssatz zwar auch – von 41 Cent/kWh auf 36 Cent/kWh. Doch gemessen mit den gut 19 Cent/KwH, die in Deutschland politisch durchgesetzt worden sind, „ist das üppig“, befindet Bodmer: „Muss bei uns erst ein AKW hochgehen, bevor die Verantwortlichen aus Fukushima lernen?“

Ein weiterer Grund für den japanischen Schwenk in der Energiepolitik ist ein Bewusstseinswandel in der Gesellschaft, berichtet Bernd Bodmer von seinen jüngsten Asienreisen. Derzeit seien nur noch zwei von ehemals 54 Meilern in Betrieb, und die gingen im Mai vom Netz: „Und der allenthalben befürchtete Engpass in der Energieversorgung ist ausgeblieben.“ Einen Aspekt in dieser Diskussion findet der relatio-Chef besonders tragisch. In den 90er Jahren war gerade Japan schon einmal Vorreiter bei der Förderung der Solarenergie gewesen: „Doch der Druck von Atomindustrie und Politik hat dies zunichte gemacht. Die Parallelen zu Deutschland im Jahr 2012 sind so offensichtlich, dass es einem weh tut.“

Bernd Bodmer räumt in dieser Diskussion mit einem gängigen Vorurteil auf. „Japaner und Chinesen betrachten uns nicht nur als ungeliebte Konkurrenz auf dem Weltmarkt.“ Vielmehr sei es so, dass viele Unternehmen aus Fernost zwischenzeitlich auf die hohe Qualität deutscher Solarprodukte setzen – egal ob bei Wechselrichtern oder Modulen. „Qualität, Zuverlässigkeit und Service werden hierzulande großgeschrieben“, erläutert Bodmer, „das überzeugt auch in Fernost.“ Viele Asiaten seien von der langen Erfahrung mit der Materie hierzulande und dem deutschen Know-how überzeugt. „Viele asiatische PV-Betreiber wählen bewusst deutsche Systeme aus, weil sie verbindliche Erträge garantieren oder arbeiten mit deutschen Systemintegratoren wie relatio zusammen. Sie wissen, dass wir zuverlässig und akribisch arbeiten.“ Deshalb sei relatio nicht das einzige deutsche Solarunternehmen, das in der Krise seine Fühler nach Asien ausstrecke.

Fadenscheinig findet die relatio-Geschäftsführung, dass die Bundesregierung in ihrem „Magazin für Europa und Internationales“ vom März 2012 damit wirbt, dass die „Deutsche Energiewende als Vorbild“ für Fernost gelte und man dort die „politischen, organisatorischen und technologischen Lösungsansätze auf Regierungs- und Unternehmensseite“ mit großem Interesse verfolge. Bernd Bodmer ist fassungslos, wie seine Kollegen Frank Rothacher und Jörn Menke auch: „Wie scheinheilig ist das? Unserer Branche mit einem Dolchstoß das Ende bereiten und sich dann ganz dreist als großen Solarfreund präsentieren?“

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