Handwerk gegen Streichung von Lehrerstellen an Berufsschulen

Teilerfolg für Betriebe bei Umweltzonen
(PresseBox) (Stuttgart, ) Gegen ein weiteres Einsparen von Lehrerstellen an Berufsschulen protestiert das Handwerk der Region Stuttgart. Bei der Vollversammlung der Stuttgarter Handwerkskammer am Montag Nachmittag erklärte Präsident Rainer Reichhold: "Es steht schlecht um die Unterrichtsversorgung an den Berufsschulen - und das wird sich mittelfristig nachteilig für uns im Handwerk auswirken".

Werde weiter gespart, seien vor allem in ländlichen Gebieten Berufsschulen gefährdet. Reichhold befürchtet, dass diese Entwicklung dazu führt, dass die handwerkliche Ausbildung durch das Abbröckeln der Qualität der Berufsschulen im Vergleich zur schulischen Ausbildung unattraktiver werde. "Der Zulaufzahlen weiterführender Schulen sprechen Bände." Halte dieser Trend an, werden wir im Handwerk noch mehr Nachwuchsprobleme bekommen. Reichhold: "Prognosen, wonach in Zukunft nicht nur Akademiker gesucht werden, sondern gerade auch gut ausgebildete Fachkräfte wie Gesellen, Techniker und Meister, werden von der Politik offensichtlich nicht ernst genommen." Die Landesregierung forderte er auf, die beruflichen und akademischen Bildungswege als gleichwertig anzuerkennen und entsprechend zu behandeln.

Erfreuliches Wirtschaftsjahr

Von den Rekordumsätzen im Handwerk konnten laut Kammerpräsident Rainer Reichhold auch die Betriebe der Region profitieren. 2011 wurden 18,5 Milliarden Euro von annähernd 30.000 Betrieben erwirtschaftet - das Umsatzplus liegt bei rund 7 Prozent. Für das aktuelle Jahr erwartet das Handwerk in der Region ein ruhigeres Wachstum auf anhaltend hohem Niveau. "Die Umsätze im Handwerk dürften 2012 um 2,5 Prozent steigen." Als zunehmende Sorge nannte Reichhold die Einkaufspreise, hier besonders die Energiepreise für Kraftstoffe, Strom oder Heizenergie. "Allerdings können diese Preissteigerungen nicht allein der Energiewende angelastet werden. Wesentliche Faktoren sind die politischen Krisen im Nahen und Mittleren Osten sowie eine starke weltweite Ölnachfrage."

Handwerk gehen die Fachkräfte aus

Aktuell steht einem weiteren Beschäftigungsaufbau in den Handwerksbetrieben in der Region die angespannte Lage auf dem Fachkräftemarkt gegenüber. "Wir stehen in harter Konkurrenz zu den starken Industriebetrieben der Region, die in den vergangenen Monaten zahlreiche Neueinstellungen vorgenommen haben", skizzierte Reichhold die Situation. Speziell die gewerblichen Zulieferer fänden kaum noch geeignetes Personal. Hinzu komme, dass das Durchschnittsalter der Belegschaften im Handwerk im Durchschnitt immer höher wird. Eine Umfrage ergab, dass bis 2016 im Schnitt pro Betrieb zwei Mitarbeiter in Rente gehen. Das sei umso bedenklicher, als dass die Betriebe im Handwerk ohnehin durchschnittlich weniger als 10 Beschäftigte haben. "Auf der einen Seite werden die Beschäftigten immer älter, auf der anderen Seite haben wir ein Nachwuchsproblem und können Ausbildungsstellen nicht besetzen." Die Devise für das Handwerk in Sachen Berufsbildung und Fachkräftesicherung müsse daher heißen: Finden, fördern, festhalten!

Rettungsanker "Härtefallregelung"

Als teilweise unzumutbar wertete Präsident Reichhold die ursprünglich sehr eng gefasste Ausnahmeregelungen für Spezialfahrzeuge in Umweltzonen. Dies könne für manchen Handwerker das Aus bedeuten. Die neue Lesart dagegen stimme versöhnlich. "Bei Ausnahmegenehmigungen für LKW gibt es künftig eine individuelle Betrachtung der betrieblichen Situation." Existenzbedrohungen für Handwerksbetriebe können so gegebenenfalls über die bestehende Härtefallregelung aufgefangen werden. Ob ein Härtefall gegeben ist, liegt im Ermessen der Vollzugsbehörde. Das Ministerium habe die zuständigen Behörden in der Stadt Stuttgart und in den Landratsämtern über diese Auslegung informiert. Betriebe müssten sich bei ihren Ausnahmeanträgen auf diese Informationen berufen können.

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