Betriebliche Kennzahlen für Landwirte - Die richtigen Werkzeuge nutzen

Damit ihr landwirtschaftliches Unternehmen auf den richtigen Weg zu Wachstum und Gewinn gelangen kann, müssen Sie als Unternehmen ihre Zahlen kennen und wissen, was diese bedeuten.
(PresseBox) (Berlin, ) Einfacher ist es in der Landwirtschaft nicht. Wie in anderen Wirtschaftszweigen nehmen auch hier die Betriebe ständig an Größe und Komplexität zu. Deshalb werden Instrumente immer wichtiger, mit denen der Landwirt sein Unternehmen auf Kurs halten kann und die ihn dabei unterstützen, neue Ziele für die Zukunft zu definieren. Eine Schwachstellenanalyse anhand der Betriebszweigauswertung (BZA) beispielsweise hilft dabei, den laufenden Betrieb zu optimieren. Steht eine Umorganisation oder ein Wachstumsschritt an, sind andere Fragen zu beantworten: Welche Kosten steigen mit der Produktion an und welche Kosten verändern sich im Planungszeitraum nicht? Dafür liefert die Betriebsplanung auf Basis der Deckungsbeitragsrechnung die nötigen Antworten.

Beschränkt aussagefähig: die Buchführungsauswertung
Die Aussagekraft der herkömmlichen Buchführungsauswertung ist begrenzt. Sie ermöglicht es, Rentabilität, Stabilität und Liquidität zu beurteilen, eine Bereinigung um zweckfremde Erträge und Aufwendungen erlaubt darüber hinaus Aussagen zum Erfolg des Kerngeschäfts und zum Unternehmensgewinn. Die Buchführung gibt mit ihrer Kostenstruktur aber keinen tieferen Blick in die einzelnen Produktschienen. Für die Suche nach Gewinnreserven relevante Fragen werden von ihr also nicht beantwortet. So beispielsweise nach der Vollkostenstruktur je Kilogramm Milch im Vergleich zu anderen Betrieben (Stückkosten) oder danach, welcher Betriebszweig die beste Faktorverwertung des knappsten Produktionsfaktors hat.

Warenfluss- und vollkostenbasiert: die Betriebszweigauswertung
Die BZA zur Leistungs- und Kostenkontrolle soll potenzielle Gewinn- und Rationalisierungsreserven in den einzelnen Betriebszweigen des Unternehmens aufdecken. Dazu wird es in die verschiedenen Betriebszweige aufgeteilt, zwischen denen – als wären es Subunternehmen – die innerbetrieblichen Warenflüsse erfasst und bewertet werden. Das lässt sich am leichtesten mit der Frage verstehen: Wenn die Betriebszweige eigene Unternehmen wären, für welche Geschäftsvorgänge müsste eine Rechnung gestellt werden?

In der BZA werden über die Buchführung hinaus auch die eingebrachten unternehmenseigenen Produktionsfaktoren bewertet und aufgeteilt. Nur auf dieser Ebene ist bei unterschiedlich organisierten Betrieben ein ehrlicher Quervergleich möglich: etwa zwischen reinen Familienbetrieben oder Fremdarbeitskraftbetrieben, zwischen Betrieben mit hundert Prozent Eigentumsfläche und Pachtbetrieben, zwischen Betriebsgemeinschaften mit unterschiedlichsten Entlohnungsmodellen.
Nach Abzug aller Kosten (Vollkosten) bleibt unter dem Strich das kalkulatorische Betriebszweigergebnis. Dieser Überschuss stellt den Lohn für das unternehmerische Risiko dar und wird darum auch Unternehmergewinn genannt. Ist er positiv, bedeutet dieses Plus, dass neben der vollen Entlohnung der eigenen Produktionsfaktoren (Vollkostendeckung) zusätzlich auch eine Entlohnung für das unternehmerische Risiko erzielt wird. Ist er negativ, wurde die kalkulierte Faktorentlohnung nicht erreicht. Eine Verteilung der Vollkosten auf die einzelnen Produkte in einem Betriebszweig bzw. Kostenträger ergibt die jeweiligen Stückkosten.

Wozu eine Betriebszweigauswertung?
Über einen Vergleich der eigenen Daten mit denen von besseren Betrieben aus der Region (horizontaler Betriebsvergleich) oder mit Benchmarks (möglichst regional festgelegte Zielgrößen) können Schwachstellen aufgedeckt werden, die sonst nicht erkennbar gewesen wären. Durch die Betrachtung der Kostenstruktur mehrerer Jahre wird deutlich, wo bei einzelnen Produkten die Kosten ansteigen und die Ursachen dafür gesucht werden müssen. Nicht zuletzt liefert die BZA die Daten für die Ist-Situation in der Betriebsplanung.

Fundiert planen: mit der Deckungsbeitragsrechnung
Ein wichtiges Planungsinstrument für die Teilkostenrechnung bis zum Unternehmensgewinn ist die Deckungsbeitragsrechnung. Dazu werden die mit jeder erzeugten Einheit zusätzlich erzielten Leistungen mit den dafür anfallenden Kosten verrechnet und damit der Deckungsbeitrag ermittelt. Er wird für jedes Tier, jeden Stallplatz oder jeden Hektar ausgerechnet und gibt im Ergebnis seinen Beitrag zur Deckung der Festkosten und darüber hinaus zum Gewinn wieder.

Dabei zeigen die Deckungsbeiträge des Ist-Betriebs das abgelaufene Wirtschaftsjahr bzw. den Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Beim sogenannten optimierten Ist-Betrieb wird die Frage beantwortet: Was wäre in der gegebenen Ausgangssituation möglich gewesen – allerdings mit Preisen der Gegenwart? Am Ergebnis dieser Berechnung muss sich die Ziellösung messen lassen.

Bei der Ziellösung werden für das anvisierte Zieljahr in den einzelnen Verfahren die erwarteten Leistungen und Kosten angepasst. Über die Summe der Einzel-Deckungsbeiträge entsteht wieder der Gesamtdeckungsbeitrag. Davon werden nun die Festkosten abgezogen. Nicht mehr benötigte Anlagegüter werden verkauft oder bleiben brach liegen. Neu für das Ziel zu schaffende Produktionskapazitäten (etwa eine Laufstallerweiterung) werden kostenmäßig erfasst. Im Ergebnis steht der erwartete Unternehmensgewinn im Zieljahr.

In diesem Planungsmodell kann nun entsprechend den Unternehmenszielen (zum Beispiel: Gewinn plus 30.000 Euro) die optimale Kombination der Produktionsumfänge gesucht werden, die nach Abzug des – gegebenenfalls angepassten – Festkostenblocks den höchsten Unternehmensgewinn ergibt. Auch auf dieser Planungsebene ist die BZA sinnvoll. So lässt sich beispielsweise mit ihrer Hilfe ermitteln, mit welcher Betriebsorganisation die Gewinnsteigerung um 30.000 Euro mit dem geringsten Einsatz an eigener Arbeit, Fläche und Kapital erzielt werden kann.

Von der Kostenkontrolle zur Betriebsplanung - Wie Buchführung und Betriebszweigauswertung in den Planungsprozess eingebunden werden

Vergangenheitsbetrachtung:
• Auswertung der Buchführung (BF) auf Gesamtunternehmensebene bis zum Gewinn
• Betriebszweigauswertung (BZA) für die wichtigsten Betriebszweige: Die Leistungen und Kosten aus der Buchführung und die kalkulatorischen Faktorkosten werden auf die Betriebszweige und dann im Betriebszweig auf die erzeugten Einheiten verteilt.

Gegenwartsbetrachtung:
• Betriebsplanung auf Basis der Deckungsbeitragsrechnung über den Ist-Betrieb zum optimierten Ist-Betrieb, aufbauend auf der BF-Auswertung und/oder der BZA

Zukunftsbetrachtung:
• Betriebsplanung (Basis Deckungsbeitragsrechnung) für die im Ziel geplante Betriebsorganisation: Wie verändert sich der Gewinn auf Unternehmensebene?
• BZA für die Ziellösung: Wie verändern sich die Stückkosten und -gewinne sowie die Faktorverwertungen in den Betriebszweigen?


Infos zum Download:
Sie möchten mehr zum Thema Buchführungsauswertung, Betriebszweiganalyse und Deckungsbeitragsrechnung wissen? Einen ausführlichen Beitrag finden Sie unter www.lfl.bayern.de/...

Guido Hofmann,
LfL Agrarökonomie München
www.ecovis.com

Kontakt

ECOVIS AG Steuerberatungsgesellschaft
Ernst-Reuter-Platz 10
D-10587 Berlin
Ulf Hausmann
Ecovis
Social Media