Erfolgreiche Herzinfarkt-Therapie der LMU lizenziert

(PresseBox) (München, ) Eine Kombinationstherapie mit dem Protein G-CSF und einem Inhibitor des Enzyms DPP-IV ermöglicht die Regeneration von zerstörtem Herzmuskelgewebe. Die Therapie, die am Klinikum der Universität München entwickelt und dort im Rahmen einer Phase II Studie bereits erfolgreich an Patienten getestet wurde, stellt einen neuartigen Ansatz zur Behandlung von akutem Herzinfarkt dar. Die Bayerische Patentallianz GmbH, die zentrale Patent- und Vermarktungsagentur von 28 bayerischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften, hat nun die Technologie für die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) an die RECARDIO GmbH, ein innovatives Arzneimittelentwicklungs-Unternehmen, lizenziert.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Insbesondere der Herzinfarkt stellt ein großes Risiko dar, da das Herzmuskelgewebe oftmals durch eine akute Blutunterversorgung dauerhaft geschädigt wird. Eine neuartige Therapie, die von einem Forscher-Team um Professor Wolfgang-Michael Franz entwickelt wurde, geht dabei neue Wege: Körpereigene Stammzellen werden durch die Verabreichung von G-CSF und einem DPP-IV Inhibitor mobilisiert und gezielt in das geschädigte Herzmuskelgewebe gelotst, um dieses zu regenerieren. Patienten mit Herzinfarkt, die an der weltweit ersten Studie dieser Art am Campus Großhadern des Klinikums der Universität München teilgenommen haben, wiesen nach der Behandlung eine verbesserte Blutversorgung des Herzmuskels und eine gesteigerte Herzfunktion auf.

Diese nun von RECARDIO einlizenzierte Technologie beruht auf einer zweigleisigen molekularen Strategie. Zum einen wird den Patienten der Granulocyte-Colony Stimulating Factor (G-CSF) verabreicht. Dieses Peptidhormon ist u.a. in der Lage Stammzellen aus dem Knochenmark in die Blutbahn zu schleusen. Mit Hilfe des körpereigenen Botenstoffes stromal cell derived factor-1 (SDF-1), der eine Schlüsselrolle bei der zielgerichteten Wanderung von Stammzellen an ihren Verwendungsort im Körper spielt, werden diese Stammzellen in den geschädigten Herzmuskel gelotst. Jedoch übt ein regulierendes Enzym namens Dipeptidylpeptidase IV (DPP-IV) im Normalfall eine hemmende Wirkung auf SDF-1 aus, um einen gleichmäßigen SDF-1 Pegel im Körper zu gewährleisten. Dadurch erreichen die zusätzlich mobilisierten Stammzellen das beschädigte Gewebe nicht. Den Forschern ist es gelungen, DPP-IV pharmakologisch zu inaktivieren, so dass SDF-1 länger aktiv blieb. Durch den Einsatz eines DPP-IV Inhibitors konnte SDF-1 in seiner aktiven Form stabilisiert werden und mobilisierte Stammzellen konnten somit verstärkt aus dem Knochenmark in das Herzmuskelgewebe einwandern bzw. positiv auf die Regeneration einwirken. Die Ergebnisse der Studie lieferten den experimentellen Beweis dafür, dass die Inhibierung von DPP-IV zusammen mit G-CSF die Regeneration eines geschädigten Herzmuskels deutlich verbessern kann.

„Die Mobilisierung und zielgerichtete Wirkung am Herzen ist der Schlüssel zum Erfolg unser regenerativen Therapie“, so Dr. Roman Schenk, Geschäftsführer und Gründer von RECARDIO. „Wir sind bereits in der letzten Phase der vorklinischen Entwicklung und beabsichtigen in 2013 in die klinische Phase einzutreten.“ Prof. Franz dazu: „Die Weiterentwicklung unseres regenerativen Therapiekonzepts mit einem Life Science Unternehmen ist für uns ein großer Erfolg und bestätigt unsere langjährige universitäre Forschung. Damit eröffnet sich für Herzinfarktpatienten möglicherweise eine neue Option zur Prävention der sonst drohenden chronischen Herzmuskelschwäche“. Die jetzt unterzeichnete Lizenzvereinbarung beinhaltet Einmalzahlungen sowie Meilensteinzahlungen, die bei der Erreichung verschiedener Entwicklungsstufen fällig werden. Darüber hinaus wurde eine Beteiligung an späteren Umsätzen mit G-CSF und DPP-IV Inhibitor basierenden Medikamenten vereinbart, die allen beteiligten Partnern und auch den Erfindern zu Gute kommt.

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Markus Berninger
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