Leuchtturm in der Inklusionsgesellschaft

Blinder Programmierer arbeitet seit fünf Jahren für IT-Unternehmen
 (von links): SIVIS-Geschäftsführer
Bernd Israel, Programmierer Vlad Kutsenko, SIVIS-Geschäftsführer Kai Bounin,
Karlheinz Schneider, Vorsitzender des Badischen Blinden- und
Sehbehindertenvereins sowie Uwe Kaucher, Fachberater im Integrationsamt des
Kommunalverbands für Jugend und Sozialen Baden-Württemberg / Foto: JaMedia (PresseBox) (Karlsruhe, ) Das war eine etwas andere Rosenmontagsfeier: Seit fünf Jahren beschäftigt das IT-Unternehmen SIVIS mit Vladyslav Kutsenko (37) einen blinden Programmierer. Geschäftsführer Bernd Israel (50), selbst beinamputiert, richtete daraufhin als Dankeschön für die gute Arbeit eine Feier für seinen Mitarbeiter aus. "Ein gelungenes Beispiel für Inklusion - die gleichberechtigte Teilhabe von behinderten und nichtbehinderten Menschen an der Arbeitswelt", urteilte Karlheinz Schneider, Vorsitzender des Badischen Blinden- und Sehbehindertenvereins (BBSV). Er war am Montag extra aus Mannheim zur Ehrung des blinden Programmierers in die Fächerstadt gereist. Auch Inge Stumpp, Leiterin der Bezirksgruppe Karlsruhe im BBSV, kam und gratulierte.

175.000 Menschen mit Behinderungen hätten aktuell in Deutschland keinen Job. Generell sei die Arbeitslosenquote bei ihnen doppelt so hoch wie bei Nichtbehinderten, berichtete Schneider. Die auch von Deutschland 2009 unterzeichnete Behindertenrechtskonvention der UNO fordere jedoch eine inklusive Gesellschaft mit gleichen Chancen für alle. "Deutschland hat sich zur Umsetzung verpflichtet. Die SIVIS ist deshalb ein Leuchtturm in dieser noch dunklen Inklusionsgesellschaft", lobte Schneider. Er hoffe, dass viele weitere Unternehmen dem Beispiel folgten und Behinderte einstellten. Vor der Leistung des blinden Programmierers und seinem Lebensweg als studierter Informatiker mit Abschluss an der Universität Karlsruhe habe er großen Respekt. Wenn die Rahmenbedingungen stimmten, könnten Blinde die gleichen Leistungen wie Sehende erbringen.

"Nicht behindert sein ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann", zitierte Uwe Kaucher, Fachberater im Integrationsamt des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS), den Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Beim Erwerb des Bildschirmvorlesegeräts und der Braille-Tastatur für den blinden Programmierer zahlte das Integrationsamt dem IT-Unternehmen Zuschüsse im fünfstelligen Bereich. "Wir haben die Aufgabe, berufliche Nachteile von Behinderten auszugleichen", erläuterte Kaucher. Die Einstellung von behinderten Arbeitnehmern durch Firmen sei noch immer etwas ganz Besonderes. "Es kommt auf die Zuverlässigkeit und Leistung eines Menschen an - nicht auf seine Behinderung", führte der Fachberater aus.

Die SIVIS stehe zu ihren hervorragenden IT-Leistungen auch dank ihrer behinderten Mitarbeiter, knüpfte Geschäftsführer Israel daran an. "Vladyslav Kutsenko ist für uns alle ein gleichwertiger Mitarbeiter. Wir sind stolz auf ihn", sagte er und überreichte dem Karlsruher eine gute Flasche heimischen Rotweins. Der so Geehrte bedankte sich bei allen Rednern: "Ich habe mir über das Thema Inklusion nie Gedanken gemacht. Hier bin ich ein ganz normaler Mitarbeiter und habe viele Aufgaben in der Softwareentwicklung", sagte Vladyslav Kutsenko bescheiden. Sein Arbeitgeber entwickelt Softwarelösungen im SAP-Bereich für Kunden aus vielen Branchen. 29 Kollegen des blinden Programmierers arbeiten für die SIVIS in Karlsruhe, Freiburg, Basel und Johannesburg.

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Harald Jacke
SIVIS-Pressebüro Hannover

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