Die Zusatzrente vom Chef

Wie Mittelständler ihr Personal binden
Immer mehr Chefs unterstützen Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter. (Foto: TBoard/flickr.com) (PresseBox) (Leipzig, ) Im Kampf um Fachkräfte lassen sich Mittelständler einiges einfallen, um ihr Personal an sich zu binden. Weil sie nicht mit dicken Gehaltsschecks locken können, sind es vor allem Zusatzleistungen, die als Zeichen der Wertschätzung angenommen werden. Dass sie damit im Trend liegen, zeigt der „HR-Report“ des Opens external link in new windowMannheimer Personaldienstleisters Hays.

So schätzen zwei Drittel der Angestellten gesundheitsfördernde Maßnahmen wie Fitnesskurse oder eben Massagestunden, wenn sie vom Chef bezahlt werden. Für mehr als 90 Prozent ist zudem eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit ein wichtiges Angebot für die Arbeitgeberwahl.

Für die Menschen nehme die Bedeutung der Work-Life-Balance zu, denn sie wüssten, dass sie ein langes Arbeitsleben vor sich haben, heißt es im Report. Für Jürgen Hofele ist das inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Der kaufmännische Geschäftsführer von Opens external link in new windowHartmann-exact hat in Absprache mit den Beschäftigten die Kernarbeitszeit abgeschafft und für den Führungskreis „Vertrauensarbeitszeit“ angeboten. „Für einen Mittelständler ist das eher ungewöhnlich“, sagt Hofele. Jeder Mitarbeiter könne nun „im Rahmen seiner zu erfüllenden Aufgaben“ die Arbeitszeit selbst festlegen.

Chef stockt Zuzahlung auf

Maßstab für den Einzelnen seien Ergebnisse, nicht die Anwesenheitszeit, so der Geschäftsführer aus dem schwäbischen Schorndorf. Ergebnisorientiert ist auch das finanzielle Engagement des Automobilzulieferers in Sachen Rentenvorsorge. So stockt Hofele alle Zahlungen in die betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter um den Betrag auf, den das Unternehmen einspart, wenn eine Entgeltumwandlung stattfindet.

Konkret bedeutet das: Zahlt ein Mitarbeiter beispielsweise 150 Euro pro Monat in die betriebliche Altersvorsorge ein, hat er nur 75 Euro netto weniger auf dem Gehaltsstreifen, und Hofele legt noch 30 Euro obendrauf. „Das ist ein Angebot, das die Hälfte unserer 200 Beschäftigten in Schorndorf schätzen und gerne annehmen“, wie der Geschäftsführer sagt. Den Diplomkaufmann selbst kostet die Zuzahlung keinen Cent. „Denn die Einzahlungen auf einen Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge sind von Sozialabgaben befreit“, erklärt der Chef und ergänzt: „Und wir geben diese Einsparung unseren Leuten zurück.“

Gesundheitsfragen entfallen

Zusatzversicherungen sind im Kommen wie Markus Sobau weiß. Der Chef von Opens external link in new windowConfina Finanzplanung in Mannheim berät mittelständische Betriebe mit bis zu 500 Mitarbeitern. „Die Firmen müssen versuchen, eine emotionale Bindung zum Unternehmen zu erzeugen – und der Benzin-Gutschein reicht da nicht mehr“, sagt der Versicherungsmakler. Sobau rennen die Chefs derzeit die Bude ein.

Wem die Gesundheit seiner Leute am Herzen liegt, für den ist eine betriebliche Krankenversicherung ein guter Tipp. Sie spart dem Arbeitnehmer die Ausgaben etwa für Brille, Zahnersatz, Chefarzt- oder Heilpraktiker-Behandlung. Und er hat Anspruch auf ein Zweibett-Zimmer im Krankenhaus.

Der Vorteil für die Chefs: „Sie können die Versicherungen erst Mal für ein Jahr abschließen, etwa als Bonus für erfolgreiche Mitarbeiter, und später bei Bedarf verlängern“, sagt Sobau. Die Arbeitnehmer kommen so möglicherweise an einen Vertrag, den sie sich selbst nicht leisten wollen. Eine private Zahnzusatzversicherung kostet bis zu 40 Euro im Monat.

Ganz wichtig: Schließt ein Unternehmen mehr als fünf Verträge bei einem Versicherer ab, entfallen lästige Gesundheitsfragen. Das ist vor allem interessant für ältere Menschen. Oder Allergiker, Asthmatiker oder Mitarbeiter mit anderen chronischen Vorerkrankungen. Für Arbeitgeber hingegen ist die betriebliche Krankenversicherung mit wenig Aufwand zu haben: Pakete gibt es ab zehn Euro pro Monat und Beschäftigtem.

Massagestunden für Schreibtischtäter

Dass es die Stimmung steigert, wenn Chefs sich um Bedürfnisse des Personals kümmern, weiß auch Roland Rüdinger. Der Opens external link in new windowLogistikdienstleister hat einen ganzen Strauß an Ideen realisiert, die gut ankommen. „Jeder, der wegen erhöhter Arbeitsbelastung länger als 18 Uhr im Büro oder unterwegs sein muss, bekommt ein Belegtes“, erklärt der Chef von 240 Mitarbeitern.

Bis zu 70 Wurst- und Käsebrötchen werden täglich in Krautheim verspeist. Heißgetränke sind für alle den ganzen Tag über kostenfrei, ebenso betriebliche Weiterbildungen, etwa die Führerscheinverlängerung der Lkw-Fahrer. Oder wenn ein Mitarbeiter nebenberuflich die Schulbank drückt, um einen Abschluss zum Verkehrsfachwirt zu erzielen. Auch hier übernimmt Rüdinger die Kosten.

Gut angenommen werden die Massagestunden. Monatlich bezahlt Rüdinger rund 100Termine. Seine Begründung: „Die Belastung für den Rücken ist für die Lkw-Fahrer genauso enorm wie für die Büroangestellten, die acht Stunden vor dem PC und am Telefon sitzen.“ Hier sieht er sich in der Fürsorgepflicht, der er gerne nachkomme. Außerdem sollen Krankmeldungen vermieden werden.

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