Messe transport logistic 2015 - Alpenquerender Güterverkehr im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie

Podiumsdiskussion mit Karl Fischer, Prof. Dr. Dr. Konrad Bergmeister und der Moderation Dr. Karin Jäntschi-Haucke (PresseBox) (Prien am Chiemsee, ) Der alpenquerende Güterverkehr steht seit jeher in einem besonders starken Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen. Hier nimmt der Brenner-Basis-Tunnel als wichtigste Alpenquerung Österreichs eine Schlüsselposition für die Abwicklung der wachsenden Güterverkehrsströme ein.

Nach der aktuellen Prognose in Bayern wird gerade auch der Straßengüterverkehr bis 2025 noch deutlich wachsen. "Deshalb setzen wir mit unserer bayerischen Verkehrspolitik auf Vernetzung. Es gilt, einen möglichst großen Anteil des Verkehrs auf Schiene und Wasserstraße zu verlagern und diese bestmöglich auszulasten. Nur wenn alle Verkehrsträger optimal zusammenwirken und entsprechend ihrer speziellen Stärken genutzt werden, erreichen wir größtmögliche Flexibilität für die Versorgung der Wirtschaft und unserer Bürgerinnen und Bürger", sagte Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann. Der Freistaat setze sich seit Jahren für den bedarfsgerechten Ausbau eines Netzes von Umschlaganlagen des kombinierten Verkehrs ein und verfolge auch logistische Projekte zur optimierten Abwicklung des Schienengüterverkehrs, auch über die Alpen. Hinsichtlich der Alpenquerung fordere die Bayerische Staatsregierung schon seit langem den Ausbau der Brennerachse München - Verona mit dem Brenner-Basis-Tunnel, so Herrmann.

Der Megatrend Globalisierung setze sich unaufhaltsam fort und führe zu einem anhaltenden Wachstum des Güterverkehrsaufkommens, führte die Moderatorin und Vorsitzende der DVWG Südbayern, Dr. Karin Jäntschi-Haucke, in das Thema ein. Österreich und Italien gehörten zu den wichtigsten Handelspartnern Bayerns, sowohl auf der Export-, als auch auf der Importseite. "Zur Bewältigung des Warenaustauschs zwischen Bayern und der gesamten Mittelmeerregion sind Schienenverbindungen Richtung Süden eine wesentliche Voraussetzung. Dabei sind die Alpen als besonders sensible Region zu überwinden", stellte sie fest.

"Der Brennerbasistunnel soll im Jahr 2026 fertig sein und ganz neue Möglichkeiten für den Schienenverkehr über den Brenner bieten", so Prof. Dr. Dr. Konrad Bergmeister - Vorstand Brennerbasistunnel BBE. "Der Tunnel ist ein wesentlicher Bestandteil der wichtigen Achse von Nordeuropa nach Italien und wird erhebliche Verbesserungen bringen", so Bergmeister weiter.

Im Transitverkehr durch die Schweiz seien bereits zwei Drittel des Güterverkehrs auf der Schiene und nur noch ein Drittel auf der Straße. In Österreich dagegen sei das Verhältnis genau umgekehrt. "Im bayerischen Inntal ist der Anteil des Schienengüterverkehrs nur noch bei rund 20 Prozent, da die weiteren 10 Prozent des Güterverkehrs erst ab Wörgl auf die Rollende Landstraße (ROLA) verlagert werden. Dies ist auch im Hinblick auf die weiteren Verkehrszuwächse ein untragbarer Zustand", so Karl Fischer, Geschäftsführer der LKZ Prien GmbH. Das Musterbeispiel Schweiz zeige, dass eine erhebliche Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene möglich ist. Dazu sei aber erforderlich, dass der Schienenverkehr insgesamt wirtschaftlicher und damit wettbewerbsfähiger wird. Eine erste Lösung hätten die Kompetenzpartner bayerhafen Gruppe, TX-Logistik und das LKZ mit dem System NIKRASA aufgezeigt, mit dem nicht kranbare Sattelauflieger einfach und kostengünstig von der Straße auf die Schiene verlagert werden können. "Wenn wir es schaffen, nur einen Teil der rund 1.4 Mio. Sattelauflieger am Brenner zu verlagern, dann erhalten wir Einnahmen, um bürgergerechte Infrastrukturen insbesondere im Brennerzulauf zu finanzieren", so Fischer.

Im Rahmen der Messe transport logistic 2015 in München organisierte die Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft (DVWG) Südbayern e.V. gemeinsam mit dem Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ) eine Veranstaltung zum alpenquerenden Güterverkehr, infrastrukturelle, technische und betriebliche Herausforderungen am Beispiel des Brennerverkehrs.

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