Warum eine Dönerbude keine Fleischerei ist.

„Ein Land leidet unter Realitätsverlust“ überschreibt der cicero-Kolumnist Alexander Grau kürzlich einen Beitrag in seiner Kolumne „Grauzone“.
(c) MDR: Die Fleischerei von Meister Harald Kretschmer wurde von radikalen Tierschützern vernichtet. Man stelle sich vor, das hätte eine Dönerbude getroffen. (PresseBox) (Leipzig, ) ...
Vor fünf Jahren, am 3.3.2010, sagte die Bundeskanzlerin "… bin ich auch zutiefst davon überzeugt, dass es richtig ist, dass wir eine repräsentative Demokratie und keine plebiszitäre Demokratie haben … Wir können im Rückblick auf die Geschichte der Bundesrepublik sagen, dass all die großen Entscheidungen keine demoskopische Mehrheit hatten, als sie gefällt wurden. Die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft, die Wiederbewaffnung, die Ostverträge, der Nato-Doppelbeschluss, das Festhalten an der Einheit, die Einführung des Euro und auch die zunehmende Übernahme von Verantwortung durch die Bundeswehr in der Welt – fast alle diese Entscheidungen sind gegen die Mehrheit der Deutschen erfolgt.“ http://www.kompetenznetz-mittelstand.de/...

Für Merkel ist das „Ausdruck des Primats der Politik. Und an dem sollte auch festgehalten werden." Das kann man so sehen. Aber es ist wie immer im Leben: Man darf die Balance nicht verlieren. Wenn die Balance verloren geht, schwindet die im Nachhinein zu erwartende Zustimmung zu ursprünglich abgelehnten „großen“ Entscheidungen. Anders kann man die Wahlenthaltung zum Beispiel in Bremen, einer Hochburg der Sozialdemokratie, nicht sehen.

Das Vertrauen des Volkes zu seinen Volksvertretern schwindet. Renommierte Karikaturisten machen sich darüber lustig, dass im NSU-Prozess inzwischen vielleicht mehr Zeugen „plötzlich verstorben“ sind als Opfer zu beklagen waren. In Paris wurden Bilder fürs Fernsehen montiert, die Potjomkinchen Dörfern ähneln: Es sollte so aussehen, als ob die Staats- und Regierungsschefs an der Spitze von einer Million Demonstranten laufen würden – dabei liefen sie abgeschirmt in einer Nebenstraße. Solche Täuschungen sind einer aufgeklärten Demokratie unwürdig. Erst recht im 21. Jahrhundert.
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Im „Eutritzscher Rundblick“, einer kleinen 16seitigen Ortsteilzeitung, wurde im April der MDR gelobt. Denn die MDR-Sendung FAKT hatte über eine Ungerechtigkeit berichtet, die anderen Medien keine Zeile wert war. Radikale „Tierschützer“ hatten eine alteingesessene Leipziger Fleischerei solange gewaltsam attackiert, bis deren Versicherung gekündigt wurde und die Schäden im Geschäft so hoch wurden, dass das Unternehmen aufgegeben werden musste. http://www.mdr.de/...

Jürgen Schneider fragt in seiner Kolumne „Scheiders Zeitblick“ „Wo bleibt die Gesellschaft? … hätte es einen „Döner“ getroffen, dann wäre ein Aufschrei durch die Gesellschaft gegangen. Politiker hätten sich die Klinke in die Hand gegeben. … Leider nicht so bei deutschen Opfern. Die sterben leise!“ Und er setzt fort, was auch Alexander Grau grausen lässt: „Es ist eine verlogene Gesellschaft, die sich in der Bundesrepublik herausgebildet hat. Eine kleine Elite bestimmt, was falsch und was richtig ist. Diese Elite muss sich keine Gedanken um Umsatzzahlen oder Kundenzufriedenheit machen. Die gehören sehr oft zum öffentlichen Dienst oder sind Beamte. Die wissen, dass am Monatsende das sichere Gehalt auf dem Konto erscheint. Im Gegensatz zum privaten Unternehmen, die tag für Tag gegen die Widrigkeiten … ankämpfen müssen.“

Gegenüber FAKT hatten Aktivisten der militanten Tierschützer zugegeben, dass Anschläge wie die auf den Leipziger Fleischermeister Harald Kretschmer gang und gäbe sind. Deutschlandweit finden mindestens zwei Anschläge pro Woche statt. Das sind 100 im Jahr. 1.000 in 10 Jahren. Geschätzter finanzieller Schaden: 20 Millionen Euro. Geschätzter Folgeschaden an Demotivation und Aggression: 100 Millionen Euro. Tendenz steigend. Doch für die Ermittlungsbehörden stellt die Szene trotz der von ihr angerichteten Schäden keine besondere Bedrohung dar, weil „die Anzahl ihrer Straftaten … gering“ sei.

Armes Deutschland.

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