IDC Kommentar zu M&A: Deutsche IT-Unternehmen werden zunehmend interessanter

Von Matthias Zacher, Senior Consultant bei IDC in Frankfurt
Matthias Zacher (PresseBox) (Frankfurt am Main, ) Spätestens seit der Übernahme des Berliner Start-ups 6Wunderkinder durch Microsoft und der Münchner Firma Metaio durch Apple wird die Diskussion um den Wert und die Qualität deutscher, oder vielleicht besser in Deutschland ansässiger IT-Unternehmen und Start-Ups erneut befeuert. Und tatsächlich tut sich etwas im "M&A-Zirkus". IDC beobachtet für Deutschland im laufenden Jahr rege Kauf- und Übernahme-Aktivitäten in den Bereichen Informationstechnologie und Telekommunikation. Allein im ersten Quartal 2015 waren 43 Unternehmen in Deutschland das Ziel von Übernahmen. Innerhalb dieser Akquisitionen entfiel der größte Anteil auf Digital Media Unternehmen. Hierzu zählen auch die Bereiche eCommerce und Apps. Start-Ups in diesem Segment sind außerordentlich aktiv. Insbesondere Handel und eCommerce in den unterschiedlichsten Facetten stehen nach wie vor im Mittelpunkt des Interesses. Die immer stärkere Durchdringung von mobilen Geschäftsszenarien schlägt sich auch hier nieder. Mobile Commerce wird vielerorts schon als das "Next Bing Thing" gehandelt. Aber auch hier werden die typischen Entwicklungslinien zum Tragen kommen: nach unseren Einschätzungen werden sieben von zehn Gründungen scheitern und die verbleibenden ein tragfähiges Businessmodell entwickeln.

An zweiter Stelle in unserem Deal-Ranking rangieren Enterprise Applikationen. Interessant sind vor allem Spezialisten aus der zweiten und dritten Reihe, von deren Wissen und Marktzugang man profitieren will. Die Übernahmen wurden sowohl von internationalen als auch deutschen Firmen getätigt. Letztgenannte Gruppe umfasst 37 deutschen Unternehmen, die sich ihrerseits durch Zukäufe gestärkt oder erweitert haben. Allerdings erfolgten diese Übernahmen nur zu einem Drittel innerhalb Deutschlands und zu zwei Dritteln im Ausland.

Ein Blick auf den globalen ITK M&A-Markt fördert ebenfalls Interessantes zutage: IDC zählte in den ersten drei Monaten des Jahres 2015 mehr als 1250 Deals, die ein Volumen von knapp 182 Milliarden US-Dollar repräsentieren, die ganz großen Deals beobachten wir bei Telekommunikationsunternehmen. Im Kontext innovative Technologiethemen sieht IDC insbesondere Potenzial bei Betriebssystem-virtualisierung/Container, Wearables und Peer-to-Peer Kredite bzw. Finanzierungsplattformen. Das sind sicherlich keine neuen Themen, aber offenbar Technologien, die aus M&A-Perspektive lohnende Ziele darstellen.

Der M&A-Markt ist also durchaus attraktiv und wird es nach Einschätzungen von IDC auch in Zukunft bleiben. Wir rechnen für das zweite und dritte Quartal hierzulande mit einer ähnlich starken Dynamik. Auch wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen werden, dürfte sich der eine oder andere Gründer über ein gut gepolstertes Konto freuen. Geld, das er hoffentlich in neue interessante Projekte steckt.

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