"Wir schaffen Vertrauen in Textilien"

Interview mit Georg Dieners, Generalsekretär der OEKO-TEX® Gemeinschaft
OEKO-TEX® steht mit seinen Produkten für (PresseBox) (Zürich, ) Seit Anfang des Jahres leitet Georg Dieners als Generalsekretär die Internationale OEKO-TEX® Gemeinschaft mit Sitz in Zürich (Schweiz). Der Zusammenschluss von 16 unabhängigen Textilforschungs- und Prüfinstituten führt seit 1992 Schadstoffprüfungen nach dem OEKO-TEX® Standard 100 durch. Ergänzend bietet OEKO-TEX® mit STeP (Sustainable Textile Production) ein Zertifizierungssystem für eine nachhaltige Textilproduktion und das Produktlabel "Made in Green" an. Mit Hilfe der Datenbank MySTeP können Unternehmen ihre individuellen Lieferketten abbilden und erhalten dadurch Unterstützung beim nachhaltigen Sourcing.

Wir haben uns mit Georg Dieners über seine ersten Monate im Amt und die Herausforderungen der Zukunft für die Textilbranche und OEKO-TEX® unterhalten.

Bisher war OEKO-TEX® für Unternehmen der Textilbranche ebenso wie für Handel und Verbraucher gleichbedeutend mit dem OEKO-TEX® Standard 100 und seinem Label "Textiles Vertrauen". Was hat OEKO-TEX® dazu bewogen, seine bestehenden Dienstleistungen konsequent weiterzuentwickeln und um neue Produkte zu ergänzen?

Tatsächlich ist es so, dass OEKO-TEX® immer schon mehrere sich ergänzende bzw. aufeinander aufbauende Zertifizierungssysteme angeboten hat. Bereits seit 1995 auditieren wir zum Beispiel Betriebsstätten hinsichtlich Umweltverträglichkeit und Sozialstandards. Insofern verfügen unsere internationalen Institute über eine jahrzehntelange Expertise im Bereich Nachhaltigkeit. Diese haben wir zusammen mit den Rückmeldungen aus dem Markt in die Weiterentwicklung des Gesamtsystems bestehend aus OEKO-TEX® Standard 100, STeP, Made in Green und MySTeP einfließen lassen. In Summe bieten wir unseren Kunden damit eine weitreichende und praxisnahe Lösung für die gestiegenen Anforderungen an die Textilbranche.

Was sind konkret die Herausforderungen, denen sich Hersteller, Brands und Handel gegenübersehen?

Politik, Medien und NGOs drängen auf Veränderungen in der Textilproduktion, damit diese sozialer und umweltfreundlicher wird. Die Konsumenten selbst sind stärker dafür sensibilisiert, was sie kaufen. Gleichzeitig sind die Lieferbeziehungen heute sehr komplex und erstrecken sich über den gesamten Globus. Diese gilt es transparenter zu gestalten, um das Vertrauen in die Textilbranche zu stärken.

Welche Lösungsansätze gibt es und wie definieren Sie in diesem Zusammenhang die Rolle von OEKO-TEX®?

Es geht immer darum, Sicherheit und damit Vertrauen zu schaffen. Basis dafür kann eine Ausschlussliste für Schadstoffe sein, welche die Unternehmen selbst definieren - die sogenannte Restricted Substances List (RSL). Auch normative Vorgaben auf internationaler Ebene oder branchenbezogene Selbstverpflichtungen dienen diesem Ziel. Wichtig ist aber in allen Fällen, dass eine neutrale Überprüfung und Zertifizierung stattfindet. OEKO-TEX® bietet hierzu Lösungspakete an. Diese verringern die Komplexität für die Textilbranche und bieten Verbrauchern, Medien und NGOs die gewünschte Nachvollziehbarkeit und Transparenz.

Wie beurteilen Sie nationale Initiativen wie das Bündnis für nachhaltige Textilien in Deutschland?

Um die Textil- und Bekleidungsindustrie nachhaltiger zu gestalten, müssen Politik, NGOs und die Unternehmen der Branche gemeinsam an einem Strang ziehen. Auf Grundlage des im April modifizierten Aktionsplans sind dem Bündnis für nachhaltige Textilien zwischenzeitlich bedeutende Verbände und zahlreiche namhafte Unternehmen aus der Textilbranche beigetreten. Das ist ein wichtiger Schritt, den wir sehr begrüßen. Um diesen Multi-Stakeholder Ansatz auch künftig zu unterstützen und zu begleiten, ist die Stiftung OEKO-TEX® stellvertretend für die Internationale OEKO-TEX® Gemeinschaft ebenfalls Mitglied des Textilbündnisses.

Inwieweit decken die OEKO-TEX® Zertifizierungen die Zielsetzungen des Bündnisses für nachhaltige Textilien ab?

Wir teilen die zentrale Zielsetzung des Bündnisses und unterstützen die Bündnismitglieder bei dem Streben nach kontinuierlichen Verbesserungen bestehender Prozesse und Arbeitsbedingungen in der weltweiten Textilproduktion. OEKO-TEX® deckt mit seinem Gesamtsystem die komplette textile Fertigungskette ab und ist damit ein wichtiger Partner für die Realisierung dieser Ziele.

Wen sprechen Sie konkret mit den verschiedenen Dienstleistungen an?

Bei Herstellern steht die Qualitätssicherung im Vordergrund, d. h. die Schadstoffprüfungen nach OEKO-TEX® Standard 100 und die Betriebsstätten-Audits nach STeP. Je größer die Nähe zum Endverbraucher ist, desto wichtiger wird neben der Qualitätssicherung die Vermarktung. Das Label des OEKO-TEX® Standards 100 hilft insbesondere Markenhersteller und dem Handel, die humanökologische Unbedenklichkeit von Produkten zu dokumentieren. Verbrauchern bietet das Label eine wichtige Entscheidungshilfe. Will ein Unternehmen zusätzlich belegen, dass ein Produkt schadstoffgeprüft ist und zusätzlich nachhaltig produziert wurde, kann er dies mit dem Label Made in Green tun.

Wo sehen Sie die wichtigsten Vorteile für Unternehmen, die mit OEKO-TEX® zusammenarbeiten?

OEKO-TEX® ist von jeher international aufgestellt und hat eine immense Verbreitung innerhalb der textilen Kette. Hinzu kommen der hohe Bekanntheitsgrad sowie die Reputation bis hin zum Verbraucher. Die einzelnen Bausteine unseres Prüf- und Zertifizierungssystems ergänzen sich optimal bzw. bauen aufeinander auf. Sie orientieren sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen von Rohmaterial-Herstellern über Spinner und Weber, Veredler, Konfektionäre bis hin zu Handelsunternehmen und Brands. Die Unternehmen entscheiden individuell, welche Leistungen sie in Anspruch nehmen wollen.

Dabei verteilen sich Aufwand und Kosten entlang der Fertigungskette. Denn auf jeder Stufe der Wertschöpfung wird lediglich der dort erbrachte Produkt-Mehrwert im Labor überprüft.

Die Ausweitung der Produktrange stellt immer auch eine Herausforderung dar. Welche Überlegungen gab es in diesem Zusammenhang und welche Konsequenzen haben Sie daraus gezogen?

Das A und O ist eine klare Positionierung und Abgrenzung der Produkte. In unserem Fall war es sogar so, dass wir diese aufeinander aufbauend bzw. ineinander verzahnt konzipiert haben. Damit schaffen wir sowohl für uns, als auch für unsere Kunden Synergien. Dreh- und Angelpunkt des Gesamtsystems ist und bleibt dabei der OEKOTEX® Standard 100.

Wie wollen Sie die positiven Werte vom OEKO-TEX® Standard 100 auf das erweiterte Produktportfolio übertragen?

Unser gesamtes System basiert auf den gleichen Werten: Vertrauen, Unabhängigkeit und Leidenschaft für textile Produkte. Diesen Ansatz verfolgen wir von der Produktentwicklung bis zur Kommunikation. Auch hier ist die Zielsetzung, das positive Image der Schadstoffprüfungen auf die gesamte Produktfamilie zu übertragen. Wichtig ist uns in diesem Zusammenhang die Stärkung der Dachmarke "OEKO-TEX®". Bei dem Made in Green Label haben wir diese in Verbindung mit der Botschaft "Confidence in Textiles" bereits sehr prominent in Szene gesetzt. Dieser Claim fasst ideal zusammen, für was unsere Dienstleistungen stehen: Wir schaffen Vertrauen in Textilien!

Wird es auch bei den Schadstoffprüfungen nach OEKO-TEX® Standard 100 Änderungen geben?

Das Prüf- und Zertifizierungssystem hat sich über zwei Jahrzehnte bewährt und passt von seiner Konzeption auch heute noch hundertprozentig in den Markt. Bis auf die bekannte jährliche Überarbeitung der Prüfkriterien wird es deshalb auf Sicht inhaltlich keine Anpassungen geben. Lediglich die Gestaltung und die Begrifflichkeiten innerhalb des zugehörigen Labels unterwerfen wir gerade einer kritischen Prüfung. Das ist ein sensibler Bereich, da das Label ja weltweit verbreitet ist und eine hohe Bekanntheit genießt. Das ist uns bewusst und entsprechend bedächtig gehen wir dabei vor.

Welches Fazit ziehen Sie nach 6 Monaten im Amt?

Wir sind auf dem richtigen Weg. Das Feedback aus dem Markt ist positiv und die Zahl der Zertifizierungen steigt stetig. Mit unserem System erfüllen wir die Anforderungen der Zeit. Nachhaltigkeit mit allen Teilaspekten ist ein Megatrend des 21. Jahrhunderts, den wir mit unseren neuen Serviceleistungen komplett abdecken. Für die Herausforderungen der Zukunft sind wir und unsere Kunden damit bestens gewappnet.

Zur Person

Georg Dieners ist seit Anfang 2015 Generalsekretär der Internationalen OEKOTEX® Gemeinschaft. Davor war er zuletzt als Leiter des Produktmanagements bei der LHD Group GmbH in Köln tätig und verantwortete die Produktentwicklung des global agierenden Full-Service Anbieters für Berufsbekleidung und persönliche Schutzausrüstung. Als Absolvent der Fachhochschule Niederrhein mit dem Schwerpunkt Textiltechnologie/Textilveredlung sowie durch seine langjährige Erfahrung in verschiedenen Führungspositionen und Unternehmen der Textilbranche verfügt Georg Dieners über fundierte Kenntnisse für seine neue Arbeit als OEKO-TEX®

Generalsekretär. Hervorragende Industrie- und Branchenkontakte sowie seine bisherigen beruflichen Aktivitäten im Zusammenhang mit nachhaltiger Textilproduktion runden seine fachliche Kompetenz ab.

Kontakt

OEKO-TEX® Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie
Gotthardstrasse 61
CH-8027 Zürich
Rose-Marie Riedl
Hohenstein Laboratories
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