Regionalkonferenz "Energie und Umwelt": Vielschichtige Energiewende verlangt einen gemeinsamen Kraftakt

(PresseBox) (Mannheim, ) .
- 400 Teilnehmer diskutieren drängende Herausforderungen
- Vernetzung Schlüssel zum Erfolg
- Klimastiftung für Bürger vergibt Preis


"Auf dem Weg hin zu einer Vorbildregion in Sachen Energieeffizienz und erneuerbare Energien ist die Metropolregion Rhein-Neckar in den vergangenen Jahren ein gutes Stück vorangekommen. Dennoch bleibt viel zu tun, wenn das regionale Energiekonzept Realität werden soll" - mit diesen Worten eröffnete Bernd Kappenstein, Leiter des Fachbereichs "Energie und Umwelt" der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH, heute in der Heidelberger Stadthalle die "5. Regionalkonferenz Energie und Umwelt". Rund 400 Teilnehmer, darunter erstmals auch Gäste vom französischen Kooperations-Cluster "Pôle Fibres Energvie", waren der Einladung gefolgt, um vier Jahre nach dem Bundestagsbeschluss zum Atomausstieg die Fortschritte bei der Energiewende und die größten Herausforderungen der kommenden Jahre zu diskutieren. Raum hierfür boten u.a. ein Impulsreferat zur digitalen Zukunft der Energiewirtschaft von Prof. Dr. Dieter Rombach (Fraunhofer IESE, TU Kaiserslautern), fünf Fachforen mit 30 Vorträgen sowie eine Podiumsdiskussion mit hochrangigen Vertretern der Länder (Staatssekretär Uwe Hüser, Ministerialdirektor Helmfried Meinel), Kommunen (Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner) und der Wirtschaft (MVV-Vorstandsvorsitzender Dr. Georg Müller, ABB-Vorstand Dr. Martin Schumacher). Erstmals vergab im Rahmen der Regionalkonferenz die "Klimastiftung für Bürger" (Sinsheim) ihren mit 4.000 Euro dotierten "Preis der Klimastiftung". Ausgezeichnet wurde der Caritasverband Mannheim e.V. für das Projekt "Der Stromspar-Check - Bürger helfen Strom sparen".

Energieeffizienz: noch viel ungenutztes Einsparpotenzial

"Rund 40 Prozent der Energie werden in Rhein-Neckar verbraucht, um Gebäude zu heizen, zu kühlen, zu beleuchten und mit warmem Wasser zu versorgen. Die energetische Modernisierung von Bestandsgebäuden birgt damit ein enormes Potenzial, das bislang allerdings nur unzureichend in Wert gesetzt wird", so Kappenstein. Zwar wolle die Politik die Sanierungsquote deutlich erhöhen, setze aber zu wenig Anreize. Als Fehler bezeichneten die Fachleute übereinstimmend das vorläufige Aus für den geplanten Steuerbonus für energiesparende Maßnahmen. Privathaushalte und Unternehmen müssten zudem besser über die Möglichkeiten und Vorteile des energetischen Sanierens aufgeklärt werden. Innovative Ansätze wie die Simulation von Effizienzmaßnahmen oder die Lebenszykluskostenrechnung könnten hierbei helfen.

Erneuerbare Energien: Ausbau in gelenkten Bahnen

Aktuell wird bereits ein Viertel des Stromverbrauchs in Deutschland aus erneuerbaren Quellen gedeckt. "Ohne das Erneuerbare-Energien-Gesetz wäre ein solch enormer Bedeutungszuwachs von Sonne, Wind, Biomasse und anderen regenerativen Quellen binnen 15 Jahren kaum möglich gewesen", so Kappenstein. Dennoch habe es eklatante Fehlentwicklungen gegeben, die beim Bürger und in der Wirtschaft die Akzeptanz für die Energiewende schmälerten. Ein Beispiel sei der kontinuierliche Anstieg der EEG-Umlage. Mit der jüngsten Reform des EEG habe die Politik die richtigen Weichen gestellt, so Kappenstein. So wurden erstmals konkrete Mengenziele für den jährlichen Zubau festgelegt und die Direktvermarktung für große Erzeuger eingeführt. Zugleich wurden für kleinere Stromproduzenten wie Privathaushalte mit Photovoltaikanlage die Anreize für den Eigenverbrauch erhöht, was wiederum neue Technologien befördere (z.B. Stromspeicher, intelligente Haussteuerung). "Ein großes Fragezeichen steht nach wie vor hinter der Windkraftnutzung in der Rhein-Neckar-Region", zeigte sich Kappenstein besorgt. Widerstand der Bürger vor Ort und unterschiedliche landesrechtliche Vorgaben verhinderten derzeit eine abgestimmte Vorgehensweise und effiziente Nutzung. Bürgerbeteiligung, aber auch die Optimierung bereits bestehender Windparks, seien der Schlüssel zum Erfolg, so die einhellige Meinung der Experten.

Intelligente Netze für die Energiewende

Eng einher mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien geht deren Integration in die bestehenden Netze. Größte Herausforderung sei neben dem eigentlichen Netzausbau (z.B. neue Stromtrassen von Nord nach Süd) der Ausgleich zwischen dem Zeitpunkt der Energieproduktion und dem Zeitpunkt des Energieverbrauchs, so Kappenstein. In intelligenten Netzen würden Energieproduzenten und Energiekonsumenten künftig miteinander vernetzt. Für solche Verbundlösungen brauche es nicht nur neue Technologien (z.B. Energiespeicher), sondern auch neue tragfähige Marktmodelle. "Neben technologischen und planerischen Herausforderungen stellen sich auch betriebswirtschaftliche Fragen", so Kappenstein. Mit innovativen Ansätzen wie dem Projekt "Strombank" in Mannheim (MVV Energie) oder "Flex4Energy" des Vereins StoREgio sei man in der Rhein-Neckar-Region auf einem guten Weg.

E-Mobilität: ein Konzept mit Zukunft

Auch wenn die formulierten Ausbauziele der Bundesregierung im Bereich der Elektromobilität aktuell unrealistisch seien, zeigten sich die Fachleute überzeugt vom Potenzial der nachhaltigen Mobilität: "Elektromobilität wird sich zu einer Schlüsseltechnologie der Zukunft entwickeln", so Kappenstein. Insbesondere für Städte und Gemeinden eröffne sie die Chance, das bestehende Verkehrssystem umweltfreundlicher und ressourcenschonender zu gestalten. Zugleich würden immer mehr Unternehmen in der Rhein-Neckar-Region individuelle und bedarfsgerechte Mobilitätskonzepte entwickeln. Gelungene Praxis-Beispiele aus dem Bereich Ladeinfrastruktur (z.B. ABB), Flottenmanagmenent (z.B. BridgingIT) und Mobilitätsmanagement (z.B. SAP) würden zeigen, was heute schon möglich ist.

Das Fazit zur Regionalkonferenz: "Die Vielschichtigkeit der Energiewende verlangt einen gemeinsamen Kraftakt von Kommunen, Bürgern, Unternehmen, Kammern, Wissenschaft, Versorgern, Verkehrsbetrieben und vielen mehr. Diese unterschiedlichen Akteure wollen wir ins Gespräch bringen und für gemeinsame Aktivitäten begeistern. Nur so kann die regionale Energiewende gelingen", sagt Kappenstein.
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