Made in Germany

(PresseBox) (Düsseldorf, ) „Smarte Produktion“ ist ein Erfolgsmotor für den deutschen Mittelstand. Investitionen in Zukunftstechnologien sind unerlässlich, wie Dr. Christof Bönsch, Geschäftsführer der Komet Group GmbH, Besigheim, im Interview mit Georg Dlugosch, Chefredakteur des CNC-Arena eMagazines erklärt. Zunehmender Kostendruck, kundenindividuelle Fertigung und schnellere Marktreife der Produkte erfordern eine Veränderung der Produktionsprozesse. Mit innovativen Technologien und einer zunehmenden Digitalisierung industrieller Wertschöpfungsprozesse kann die führende Rolle des Produktionsstandorts Deutschland behauptet werden.

Wie sieht die Stellung Deutschlands am Weltmarkt aus?
Bönsch:
Aus unserer Sicht ist Deutschlands Stellung am Weltmarkt heutzutage immer noch sehr gut. Deutschland ist nach wie vor enorm wettbewerbsfähig und bietet hochwertige Produkten und schnellen Supply-Chains. Aber die Sicherheit ist trügerisch. Wenn man sich anschaut, wie sich die Arbeitskosten in Deutschland entwickeln, wie stark die Internationalisierung auch den Wettbewerb beeinflusst, wie stark sich Märkte verändern, dann muss man sich schon die Frage stellen, sind wir mit allen Veränderungen wirklich auf Ballhöhe, und können wir mit allen Anforderungen Schritt halten, die aus dem Markt kommen?

Was sind die Erfolgsfaktoren für deutsche Unternehmen?
Bönsch
: Ich bin davon überzeugt, dass der Aspekt Kundenanforderungen ein wesentlicher Erfolgsfaktor für deutsche Unternehmen sein wird. Wir sehen – und das ist nicht zuletzt getrieben durch die Krise in 2009 – ,dass sich erhebliche Marktverschiebungen ergeben haben. Beispielhaft will ich nennen: kürzere Lieferzeiten, die Erwartung einer sehr hohen Verfügbarkeit von Kundenseite, niedrigere Volumenbestellungen. Insgesamt ist die Lieferkette schneller, dynamischer und kürzer geworden. Sich darauf einzustellen, und – neben hervorragenden Produkten sowie der üblichen und bekannten hohen Qualität – diese Kundenanforderungen entlang der Lieferkette zu erfüllen, das ist die wesentliche Herausforderung und wird die erfolgreichen von den weniger erfolgreichen Unternehmen unterscheiden.

Welche Chancen bietet der Umbruch, auch vierte industrielle Revolution genannt?
Bönsch
: Mit Industrie 4.0 haben wir die Möglichkeit, tatsächlich eine durchgängige Digitalisierung unserer Wertschöpfungskette zu erreichen, und dadurch die Wertschöpfungskette auf den Kunden zuzuschneiden. Was ich damit meine, ist, dass schon seit langer Zeit in vielen Bereichen die Digitalisierung genutzt wird. Das betrifft die ERP-Systeme, MES-Systeme, die Verknüpfung von CAD/CAM bis hin zum Product-Lifecycle-Management – hier gibt es viele Digitalisierungsansätze. Durch die neue Technologien im Bereich der Digitalisierung, die ja auch unter Industrie 4.0 zusammengefasst werden, kann es gelingen, jetzt den Kunden noch näher in die Wertschöpfung hineinzunehmen und damit die Kundenanforderungen in den Mittelpunkt der Fabrik zu stellen. Wir reden bei Industrie 4.0 immer über miteinander kommunizierende Maschinen. Dabei gerät manchmal in Vergessenheit, dass es vor allen Dingen darum geht, Kundennutzen zu stiften. Warum reden die Maschinen miteinander? Um eben eine noch höhere Flexibilität und eine noch kürzere Lieferzeit darstellen zu können. Da sind enorme Potenziale drin, und das ist die wesentliche Chance von Industrie 4.0 – diese Kundenorientierung noch stärker zu leben. Nicht nur, dass einzelne Komponenten plötzlich internetfähig sind, sondern die daraus entstehenden Daten nutzen, um echten Kunden nutzen zu stiften.

Welche weiteren Veränderungen zeichnen sich in der Wertschöpfungskette ab?
Bönsch
: Neben den Anforderungen, die ich schon mit der viel höheren Dynamik umrissen habe, ist die größte Herausforderung der Aspekt der Flexibilität in der Wertschöpfungskette. Flexibilität meint, dass wir mit geringen Vorlaufzeiten agieren müssen, dass wir schauen müssen, Kundenanforderungen sozusagen zu antizipieren. Wir werden es in Zukunft nicht mehr schaffen, dass wir in einem klar strukturierten Prozess Kundenanforderungen verstehen, aufnehmen, ausarbeiten und dann in Produktlösungen umsetzen, sondern diese ganze Kette muss viel schneller werden. Der ganze Innovationsprozess verändert sich dadurch. Das ist eine Flexibilisierung der Wertschöpfungskette, die nur möglich ist, wenn wir ganz anders mit Daten umgehen. Und genau hier kommt das Thema Digitalisierung ins Spiel.

Um die neuen technischen Möglichkeiten nutzen zu können, muss die Prozesskette durchgehend digitalisiert werden. Wie kann dieser Prozess dann auch wertschätzend eingesetzt werden?
Bönsch
: : Die Frage ist schwierig zu beantworten, weil wir jetzt in einen Bereich kommen, was wir mit den ganzen Daten machen und welche Geschäftsmodelle eigentlich hinter Industrie 4.0 liegen. Ich glaube, die Digitalisierung ermöglicht uns, automatisierte Prozesse zu gestalten und die Prozesskette auch zu simulieren. All diese Dinge sind möglich. Welche neuen Produkte und welche neuen Dienstleistungen daraus generiert werden können – hier gibt es sicherlich noch viele Fragezeichen. Da können wir bei Komet immerhin mit ersten Lösungen aufwarten. Der Punkt ist, dass wir ganz anders kommunizieren können mit dem Kunden. Kundenanforderungen schon früher in die Umsetzung bringen, soll heißen, wenn ich beim Kunden eine Bearbeitungsaufgabe sehe, dass ich diese mit vorgefertigten, durchdigitalisierten Lösungen umsetzen kann. Da sind neue Wertschöpfungsebenen denkbar, die es ermöglichen, auch neue Produkte wie aus einem Baukasten zusammenzusetzen und damit kundenindividuell zu agieren. Also: flexibel auf der einen Seite, kundenindividuell auf der anderen Seite – also Dinge, die sich eigentlich in der traditionellen Denkweise der Produktion ausschließen, die sind mit Industrie 4.0 sicherlich denkbar.

Was bedeutet die Entwicklung Industrie 4.0 für Produkte am Beispiel von Komet?
Bönsch
: Am Beispiel von Komet möchte ich zwei Dinge unterscheiden. Das ist zum einen unsere Produktebene: Wie wir mit unseren Kunden agieren und welche Verschiebungen sich auf der Produktebene ergeben, und dann natürlich unsere interne Nutzung von Industrie 4.0. Wenn wir mal nach innen schauen, also wie nutzen wir Industrie 4.0, dann ist es so, dass wir erhebliche Anstrengungen in den vergangenen Jahren unternommen haben, um unsere Prozessketten zu digitalisieren. Wir haben erhebliche Investitionen getätigt, um eine Datenverfügbarkeit zu haben und auf Kundenanforderungen schneller reagieren zu können. Als Feedback bekommen wir von unseren Kunden, dass das gesehen und anerkannt wird. Da haben wir die ersten ordentlichen Schritte hinter uns. Auf der Produktseite ist es so, dass wir als Zerspanungsunternehmen eigentlich Technologie zur Verfügung stellen. Der Kunde ist daran interessiert, mit bestmöglicher Qualität und geringstmöglichen Kosten die Zerspanungsaufgabe zu bewältigen, und dazu braucht er Technologie. Das bilden wir über Kundendienst und Anwendungstechniker ab, aber auch da brauchen unsere Kunden Digitalisierungsmöglichkeiten. Wir haben unsere Produkte aus dem Bereich der Prozessüberwachung genutzt. Es ist also zum Beispiel möglich, Bearbeitungsprozesse aufzunehmen, zu speichern, miteinander zu vergleichen, zu analysieren – all diese Dinge, die ein modernes Datenmanagement möglich macht, kann man auf der Basis unserer Tool-Scope-Systeme durchführen. Das ist ein Beitrag dafür, beim Kunden digitalisierte Lösungen einzusetzen.

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IndustryArena GmbH
Katzbergstraße 3
D-40764 Langenfeld
Michael Rauscher
Head of Marketing Communications
KOMET Group GmbH

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