Rumänischer Arbeitsmarkt, ein positiver Standortfaktor

(PresseBox) (Bukarest, ) .
- Deutsche Unternehmen gewinnen wieder stärker Vertrauen in den Standort Rumänien
- Rumänien schneidet insbesondere bei den Beschäftigungsabsichten der Unternehmen sehr gut ab
- Es bleiben aber Schwachstellen


Die Wirtschaftslage des Landes, die Geschäftslage des eigenen Unternehmens und die Situation der eigenen Branche werden von deutschen Unternehmen in Rumänien besser als letztes Jahr bewertet, das ergibt die aktuelle Konjunkturumfrage 2015 der AHK Rumänien. Es bleiben aber weiterhin Schwachstellen, besonders in Bezug auf Korruption, Vergabepraxis bei öffentlichen Ausschreibungen, Berechenbarkeit der Fiskalpolitik, Rechtssicherheit und Infrastruktur. Diese Aspekte sind für eine positive Entwicklung des Landes von erheblicher Bedeutung.

15% der befragten deutschen Unternehmen in Rumänien schätzen die wirtschaftliche Lage des Landes als gut ein, mehr als die Hälfte (56%) sind der Meinung, dass sich die Wirtschaft besser als im Vorjahr entwickeln wird. Hinsichtlich der eigenen Geschäftslage für das laufende Jahr sind die Erwartungen ebenfalls positiv. Die Anzahl der Befragten, die die aktuelle Geschäftslage ihres Unternehmens als gut beurteilen ist auf 54% gestiegen (2014: 50%, 2013: 36%, 2012: 42%) und 75% der Unternehmen meinen, dass sich die Lage verbessern wird (2014: 54%). Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (52%) sieht eine Verbesserung der Konjunkturlage ihrer Branche im Vergleich zum Vorjahr, nur 16% sehen eine Verschlechterung der Lage.

Bei der Beurteilung der Standortfaktoren fällt auf, dass Fortschritte in mehreren Bereichen registriert wurden, sowohl was bestimmte wirtschaftspolitische Aspekte betrifft, als auch das operative Geschäftsumfeld und den Arbeitsmarkt. Vor allem im Bereich Rechts- und Justizwesen hat Rumänien 2014 wichtige Fortschritte verzeichnet, die auch von den Unternehmen wahrgenommen wurden. Die Maßnahmen und Entwicklungen der letzten zwei bis drei Jahre im Bereich Korruptionsbekämpfung haben die Wahrnehmung der Unternehmen zum Positiven verändert. Eine wirksame Eindämmung der Korruption ist zu erkennen. Zwar sind noch immer 43% der Unternehmen unzufrieden, wenn es um Korruption in Rumänien geht, doch ist die Anzahl der Zufriedenen auf 20% angestiegen (2014: 3%).

Auch der Bereich Rechtssicherheit verzeichnet leichte Verbesserungen gegenüber der Umfrage aus 2014, doch bleibt die Mehrheit der Unternehmen (49%) unzufrieden (2014: 61%). Die Gesetzgebung bleibt in vielen Aspekten schwerfällig und bürokratisch. Nicht nur deutsche Unternehmen haben mit der teilweise intransparenten Vergabepraxis bei öffentlichen Ausschreibungen zu kämpfen, was für viele den Marktzugang erheblich erschwert. Was die Transparenz der öffentlichen Vergabe betrifft, sind 25% der Unternehmen sehr unzufrieden (2014: 36%), 44% sind unzufrieden (2014: 30%).

Unzufriedenheit unter den deutschen Investoren herrscht vor allem beim Thema Infrastruktur, besonders hinsichtlich der Verkehrsinfrastruktur. Rumänien steht mit nunmehr 700 km Autobahn auf einen der letzten Plätze in Europa. Das ist ein bedeutender Standortnachteil, was auch die Ergebnisse der Umfrage aufzeigen.

Ein wichtiges Standortkriterium für Investoren bleiben die Bedingungen am Arbeitsmarkt. Die niedrigen Lohnkosten auf dem rumänischen Arbeitsmarkt im Vergleich zu den anderen EU-Staaten ist einer der zentralen Standortvorteile des Landes. Mit den Arbeitskosten sind die Unternehmen in Rumänien auch dieses Jahr zufrieden (37%, 2014: 31%) oder sehr zufrieden (5%, 2014: 7%). Auch bei der Produktivität liegt Rumänien über dem MOE-Durchschnitt: über 50% der Unternehmen sind zufrieden, nur 10% zeigen sich unzufrieden, der Rest ist unentschieden. Bei den Beschäftigungsabsichten steht Rumänien im MOE-Ländervergleich der diesjährigen Umfrage sehr gut dar und zwar an zweiter Stelle: 52% der Unternehmen beabsichtigen die Zahl ihrer Beschäftigten zu erhöhen (2014: 46%) und nur 7% wollen die Anzahl reduzieren (2014: 14%). Dies ist es das beste Ergebnis seit dem Jahr 2008.

Was die Verfügbarkeit von Fachkräften angeht, sind allerdings nur 24% der befragten Unternehmen zufrieden, 40% hingegen eher unzufrieden. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass die Lage im rumänischen Bildungswesen weiterhin nicht zufriedenstellend ist. Beim Thema Berufsbildung sind jedoch Fortschritte erkennbar. Die AHK Rumänien setzt sich aktiv für den Aufbau eines dualen Berufsbildungssystems ein und orientiert sich hierbei an dem deutschen dualen System.

Insgesamt werden Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht in Rumänien positiv beurteilt. Dies ist nicht zuletzt auf die Änderungen des Arbeitsgesetzbuchs und Einführung des Gesetzes über den Sozialdialog im Jahr 2011 zurückzuführen, die zur Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse geführt haben. Die Neuregelungen im rumänischen Arbeitsrecht wurden damals von deutschen Investoren als ein Schritt in die richtige Richtung bezeichnet, mit entsprechend positiven Auswirkungen auf das Geschäftsumfeld in Rumänien.

Die derzeit diskutierten Gesetzesvorschläge zur Änderung des Arbeitsrechts, die nach Expertenmeinung zu einem erheblichen Flexibilitätsverlust führen, sind hingegen besorgniserregend. Die Vorschläge sehen Änderungen und Ergänzungen des Arbeitsgesetzbuches und des Gesetzes zum Sozialen Dialog sowie die Wiedereinführung eines Gesetzes über Arbeitsstreitigkeiten vor. Die Umsetzung dieser Vorschläge kann zu einem Umdenken seitens der Arbeitsgeber hinsichtlich der Beschäftigungsabsichten und im schlimmsten Fall zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen.

Die Konjunkturumfrage wurde im März 2015 durchgeführt. Wir erhielten 126 Rückmeldungen von Unternehmen aus allen Branchen

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