Der Der Verband der Internetcafés Deutschland e.V. (VICD) bezieht Stellung zur Killerspieldebatte

Jugenschutz in Deutschland und Spielen in der Öffentlichkeit
(PresseBox) (Neuss, ) Kaum hat sich die Diskussion um die sogenannten "Killerspiele" (es existiert bis heute keine einvernehmliche Definition dieses Begriffs, daher wird das Wort "Killerspiel" in der folgenden Argumentation ohne auf die Begrifflichkeit einzugehen übernommen) ein wenig aus der Tagespresse verflüchtigt, flammt ein neues Strohfeuer gegen die Killerspiele auf. Dieses Mal präsentiert der Kriminologe und Medienforscher Prof. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, auf Seiten der Killerspielgegner seine Umfrageergebnisse (z.b. Welt.de) und argumentiert seitens der Killerspielegegner gegen das aktuelle Jugendschutzsystem.

So wie neue Untersuchungen ähnliche Ergebnisse zutage bringen wie viele Studien zuvor, reiht sich Prof. Pfeiffers Untersuchung direkt in die Standardzielsetzung dieser vorigen Untersuchungen ein: Sie zielt nämlich darauf ab Wirkungszusammenhänge zwischen übermäßigem Computerspielen (bzw. Medienkonsum, dabei speziell die Nutzung entwick­lungsbeeinträchtigender Angebote, siehe kfn.de) und schulischen und sozialen Entwicklungen bei Kindern und Jugendlichen festzustellen. Weil gerade für diese gesellschaftliche Teilgrupppe der Kinder und Jugendlichen eine Vielzahl an Kanälen bereitsteht, über die auch solche hier angesprochene Software bezogen werden kann, wird als Reaktion dieser Studien die Funktionsfähigkeit des Jugendschutzsystems in Deutschland - die Selbstkontrolle von Spieleherstellern und -Vertrieben (die USK) auf der einen Seite und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (die BPjM) auf der anderen Seite in der Regel insgesamt in Frage gestellt. Im Fall der hier angesprochenen Studie war die Vermutung des unzureichenden Jugendschutzes gar direkt Ausgangspunkt und Motivation für diese Studie (Heise.de).

Zumeist erfolgt dann eine Medienschelte gegen das Jugendschutzsystemm, der sich dann wie selbstverständlich auch Reihen aus Politik und Gesellschaft ohne zu zögern anschließen. Nach einer freien, lapidaren Interpretation des VICD lautet der grobe Vorwurf: "Killerspiele" machen Jugendliche (insbesondere die Jungen) dumm. Dass sie dennoch zuviel spielen läßt sich an der aktuell wachsenden Divergenz der Bildungserfolge von Jungen und Mädchen ableiten. Somit ist eindeutig, dass der Jugendschutz nach aktuellem Reglement nicht ausreicht - es muss verschärft werden.

Die Wirkungen solcher Denkweisen bekommen dann u.a. die Internet-Cafés (IC) zu spüren, wenn in dem ganzen Kontext auch das Spielen in der Öffentlichkeit zum wiederholten Male kritisiert wird und nach Verboten gerufen wird. Aus diesem Grund sieht sich der VICD nun in der Pflicht diesbezüglich wie folgt Stellung zu beziehen:


1. Die Erfahrungen der IC-Betreiber zeigen: hauptsächlich wird gar nicht in der Öffentlichkeit gespielt / konsumiert, sondern zuhause! Der VICD stellt die Vorhergehensweise in Frage, dass Freizeit- und sportliche Beschäftigungen, denen in der Öffentlich nachgegangen wird, verurteilt werden, während den gleichen Hobbies quasi permanent und millionenfach in den eigenen vier Wänden eines Großteils der Haushalte in Deutschland und der ganzen Welt nachgegangen wird.

2. Diesbezüglich ist insbesondere festzustellen, dass die Mehrzahl derer, die in ICs auch spielen überwiegend erwachsene Bürger sind, nicht Kinder oder Jugendliche. Denn aus der Schwierigkeit der Sicherstellung des Jugendschutzes im Kontext der nun schon mehrjährigen Diskussion haben sich viele IC-Betreiber aus existentiellem Eigeninteresse heraus bereits jetzt dazu entschlossen Jugendlichen und Kindern den Einlaß in ihr IC grundsätzlich zu verwehren!

3. Wenn nun schon im Rahmen vieler Studien unabhängig voneinander festgestellt wurde, dass Kinder und Jugendliche zu viel Computer spielen und dabei zum Teil auch ungeeignete Medien konsumieren, muss man sich doch vielmehr die Frage stellen: Warum ist das so? Insbesondere will der VICD in diesem Zusammenhang dazu anregen, dass endlich auch die gegenwärtigen sozialen und gesellschaftlichen Verhältnisse insgesamt sowie die Verhältnisse innerhalb der Familien als Unteruchungsparameter berücksichtigt werden. Wichtig ist es dabei zu hinterfragen, WARUM es Jugendlichen und Kindern überhaupt ermöglicht wird, diesem Hobby quasi ungehemmt und unkontrolliert zu fröhnen. Zudem könnte die weitere Fragestellung sicherlich interessante Aspekte zutage bringen: Hat es unterschiedliche Auswirkungen, ob ein Jugendlicher aus gesunden Familienverhältnissen intensiv Computer spielt oder ob es sich um einen Jugendlichen aus sozial schwachen Strukturen handelt? Hinsichtlich der Interpretation der Studienergebnisse liegt die Vermutung nahe, dass in Bezug auf die Erziehung und Familienverhältnisse von Strukturen und Funktionsweisen ausgegangen wird, die längst überholt sind - Kontroll- und Erziehungsmechanismen wie Familie und Dorfgemeinschaft sind in Zeiten der Alleinerziehung und der "vollen Vereinbarkeit von Familie und Beruf" Vergangenheit.


Der VICD kritisiert diese Art der Artikulation von Studienergebnissen insofern, dass sie stets zum Anlass genommen werden, kurz gedachte Schlüsse zu ziehen, und in polemischer, meinungsbildender Art und Weise nach Verboten zu rufen. Dabei werden nach Ansicht des VICD wichtige strukturelle Fehlschlüsse gezogen. Der VICD stimmt ohne Einschränkungen grundsätzlich der Ansicht zu, dass bestimmte Spiele und Medieninhalte nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen gehören. Man kann aus Sicht des VICD berechtigter Weise hinterfragen, warum z.B. "GTA San Andreas" bereits ab 16 Jahren zugänglich gemacht wurde, jedoch liegt dem VICD auch nicht die Entscheidungsbegründung der USK vor. Der positive soziale bzw. pädagogische Nutzen exzessiven, isolierten Spielens gerade solcher Spiele jedenfalls, ist selbstverständlich zweifelhaft.

Der VICD widerspricht jedoch aus der angesprochenen Argumentation heraus dem Ruf nach Pauschalverboten und der damit verbundenen Kriminalisierung einer Freizeit- und Sportbewegung (der sogenannte ESport), die über eine weltweit millionenfache Anhägerschaft verfügt, sowie dem pauschalen Vorwurf, der Jugendschutz in Deutschland würde nicht funktionieren und müsste insofern weiter verschärft werden. Insbesondere das Computerspielen in der Öffentlichkeit genießt den falschen Ruf.

Aus diesen Gründen fordert der VICD ein sofortiges thematisches Umdenken hinsichtlich der Zielsetzung der aktuellen Diskussionsführung. Letztlich weisen verschiedene andere Studien dem Computerspielen sogar sehr positive Aspekte nach.

Somit stellt der VICD ohne das ausdauernde, exessive Computerspielen insgesamt bewerten zu wollen die grundsätzliche Frage, ob die Ursache für die häufig unterstellten Zusammenhänge tatsächlich im intensiven Computerspielen zu sehen sind, oder ob nicht die wahren Ursachen dem Computerspielen vielmehr vorgelagert sind. Es wäre sicherlich von großer Bedeutung zu hinterfragen, warum Jugendliche Computerspiele überhaupt in einem solchen Ausmaß z.T. isoliert spielen. Welche gesellschaftlichen Strukturen liegen dieser Tatsache zu Grunde? Ist die grundsätzlich vorherrschende Gewaltbereitschaft mancher Jugendlichen Ausgangspunkt dafür, dass sie sich zu bestimmte Spielgenres hingezogen fühlen, oder provozieren bestimmte Genres die erhöhte Gewaltbereitschaft auf Schulhöfen? Wenn sich aus erhöhter Gewaltbereitschaft signifikant Neigungen zu bestimmten Spielegenres wie Killerspiele definieren, wie ist die erhöhte Gewaltbereitschaft zu erklären? Welche gesellschaftlichen und sozialen Mechanismen wirken auf die Erziehungsarbeit der Eltern? Welche signifikanten Entwicklungsstörungen bewirk z.B. die Situation der zunehmend zerrütteten Familien bzw. Elternhäuser wie die Alleinerziehung von Vätern oder Müttern bei den Kindern und Jugendlichen?

Der VICD stellt fest: Der deutsche Jugenschutz funktioniert! Dies ist gerade beim Computerspielen in der Öffentlichkeit, wie in VICD-ICs. Denn gerade hier ist es für die wirtschaftliche Nachhaltigkeit für die Betreiber solcher Einrichtungen von existentieller Bedeutung, dass der Jugendschutz sichergestellt wird. Die Erfahrung hat jedenfalls gezeigt, dass die Behörden gerade auf solche Verstöße empfindlich und mit drakonischen Maßnahmen reagieren.


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