Architektur und Farbe

Schönere Straßenbilder durch kreatives Farbdesign
Jörn Heilmann (PresseBox) (Ober-Ramstadt, ) Farbe und Architektur gehören von jeher zusammen. In letzter Zeit kommt das vor allem bei Wohnsiedlungen, aber auch bei Altbaurenovierungen verstärkt zum Ausdruck. Dennoch gibt es in den Straßenbildern eine Vielzahl von gestalterisch eher vernachlässigten Oberflächen. Wir befragten den Darmstädter Kommunikationsdesigner Jörn Heilmann danach, was hier noch zu tun ist. Sein Motto: "Alles, was dem großen, kleinen, jungen, alten Menschen Freude macht, ist schön und taugt dazu, dass Landsleute ihre Heimat lieben."

Frage: Wie lassen sich Straßenbilder mit einfachen Mitteln optisch aufwerten?

Heilmann: Das einfachste Mittel ist sicher, mehr auf die Farbgestaltung von Fassaden zu achten. Gerade in den Wohngebieten der 70er bis 90er Jahre ist fast jedes Haus weiß gestrichen. Das sieht zwar sauber aus, ist aber auf die Dauer langweilig. Es gibt viele Möglichkeiten, solche Fassaden farbig zu individualisieren. Das trifft schon dann zu, wenn man ein wenig mehr Farbakzente setzt, zum Beispiel durch Fensterfaschen und ähnliches. Leider sieht man immer wieder vorspringende Bauteile wie Erker oder Versprünge, die dunkler als der Fassadenhauptton gehalten sind. Das entspricht nicht den natürlichen Licht- und Schatten-Gesetzen. Grundsätzlich sollten vorspringende Bauteile, auch Stuckverzierungen, entweder im gleichen Ton wie die Fassade oder in einem helleren Farbton gestaltet werden. Auch Sockelflächen sind dazu da, um optische Stabilität zu vermitteln. Deswegen sollten sie dunkler als der Fassadenhauptton sein.

Frage: Die Fassaden werden zunehmend farbig. Wird sich dieser Trend beschleunigen?

Heilmann: In Neubaugebieten, wo viele Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser entstehen, zeichnet sich ein deutlicher Trend zu mehr Farbigkeit ab. Waren vor kurzem dabei noch Blautöne bevorzugt, sind es jetzt Ocker-, Braun- und an Steinfarben angelehnte Rottöne. Ich vermute, dass der Trend zu farbigeren Fassaden auch in Zukunft anhalten wird.

Frage: Es gibt viele Fassaden-Giebelflächen ohne jegliches Fenster. Ist es sinnvoll, diese nur einfarbig zu streichen? Welche einfach auszuführenden Gestaltungs-Ideen können Sie vermitteln?

Heilmann: Grundsätzlich sollte Farbe der Architektur folgen und ihre Linienführung unterstützen. Demnach wird es mit runden Linien immer dann problematisch, wenn es sich nicht gerade um einen Hundertwasser-Bau handelt. Auch diagonale Flächenaufteilung gehört in die Hand eines Spezialisten, also eines Baufarbdesigners. Ich arbeite gerne mit mehrfarbigen Oberflächen, die lasierend gestupft und/oder gewickelt sind. Was aus der Ferne einheitlich wirkt, entfaltet dann bei näherer Betrachtung ein Füllhorn von gestalterischen Details, die sich - anders als bei einer Tapete - nicht wiederholen. Das schafft die gewünschte Abwechslung. Zu empfehlen sind bei fensterlosen Giebeln - auch rechteckige - Teilflächen in mehreren aufeinander abgestimmten Farbtönen, die ineinander laufen und sich hier zu Mischtönen ergänzen. Bei niedrigen Giebeln ich dabei eine Betonung der Senkrechten vor. Das Farbenspektrum sollte sich vorzugsweise an der Materialfarbigkeit von Sand, Steinen und Holz orientieren. Das sind die klassischen Bauwerkstoffe. Anders ist es bei einer individuellen Motivgestaltung. Ihr liegt meistens ein gestalterisches Element zugrunde, aus dem eine freie Gestaltung abzuleiten ist. Da hier auch eine von der Architektur losgelöste Gestaltung möglich ist, sollte in jedem Fall ein vom Designer erstellter Entwurf entwickelt werden.

Frage: Welche Bauten oder Bauteile der Architektur sind optisch eher vernachlässigt? Ist es sinnvoll, hier mit Farbdesign gegenzusteuern?

Heilmann: Die Gesetze der Symmetrie, wie sie noch für Fachwerk- und Stilfassaden angewendet wurden, finden sich in neuzeitlicher Architektur eher selten. Das zieht aber nicht zwingend eine optische Herausforderung nach sich. Es kommt darauf an, ob die jeweiligen Kubaturen in ihren Erscheinungsbildern gut miteinander harmonieren. Das ist in vielen Fällen der Fall. Wenn nicht, kann mit Farbdesign gegengesteuert werden, indem zum Beispiel die weniger schönen Bauteile optisch auch möglichst wenig betont werden.

Frage: Wenn Fassaden farbig angelegt werden, sind oft die Garagen - auch Reihengaragen - nicht mit einbezogen. Dabei bieten sich gerade diese Bauten für eine zusätzliche Wertschöpfung an - oder?

Heilmann: Nach Auffassung der meisten Garagenbesitzer sollen diese Funktionsbauten einfach nur sauber und gepflegt in der Gegend stehen. Dabei bieten gerade sie einen fast unerschöpflichen Freiraum für Phantasie. Im einfachsten Falle können statt des üblichen Einheitsgraus für die Tore schöne und geeignete Farbharmonien empfohlen werden. Sie sollten nicht zu dunkel sein, weil dann die Garage wie eine Tunneleinfahrt wirkt. Es sollten auch keine modischen Töne oder moderne Stahlfarben wie Pink und Mint eingesetzt werden, da hierfür die Metallflächen der Tore schon wieder zu groß sind. Gut eignen sich baumaterialtypische und damit warmtonige Farben. Sie können innerhalb einer Torfläche auch kleinteiliger in Form von mehr oder weniger breiten Linien oder Rechtecken angewendet werden. Grundsätzlich kann man mit geometrischen Figuren nicht viel falsch machen, wenn man über einen entsprechenden Sinn für eine in sich stimmige Flächen-, Formen und Farbenaufteilung verfügt. Dafür sollte man mindestens im Kunstunterricht schon eine gute Note gehabt haben.

Frage: Welche Gestaltungs-Ideen empfehlen Sie für Reihengaragen-Anlagen?

Heilmann: Reihengaragen-Anlagen und oft auch deren Rückwände stellen einen besonderen gestalterischen Anspruch dar. Es gibt Straßenbilder, wo solche Bauten der Tristesse fast alle 50 bis 100 Meter am Bürgersteig auftauchen, was ja nicht gerade emotional erhebend ist. Da muss man sich schon Gedanken darüber machen, warum das so toleriert wird. Allein mit dem Kostenfaktor ist es nicht zu begründen. Ich könnte jetzt einen ganzen Ideen-Katalog zur kommunikativen Gestaltung von Reihengaragen aufblättern. Aber das würde hier zu weit führen. Deswegen der Tipp: Reihengaragen-Anlagen eignen sich auch für Bildmotive, die allerdings in graphisch stark vereinfachten Formen gehalten sein sollten. Denken wir beispielsweise an die bekannten Strichmännchen oder die Piktogramme für olympische Sportarten. Das gewählte thematische Ordnungsprinzip sollte dann für die jeweilige Reihengaragen-Anlage durchgängig beibehalten werden. Es können auch Blumen, Früchte, Blätter, Landschafts-Panoramen, nicht zu große und nicht zu kleine farbige Kugeln in von Tor zu Tor unterschiedlicher Verteilung sowie viele weitere Themen aufgegriffen werden. Als wichtiger weiterer Effekt darf die positive Resonanz der Medien eingestuft werden - vorausgesetzt, Entwurf und Gestaltung werden professionell angegangen. Grundsätzlich empfiehlt sich eine konzeptionelle Abstimmung mit den Nachbarn, um einen individuellen, aber dennoch harmonischen Gesamteindruck zu erzielen.

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Roßdörfer Str. 50
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