VDEW-Kongress "Innovativ! Energie heute und morgen."Stromwirtschaft auf Innovationskurs

Wachsende Energieeffizienz dämpft Anstieg des Stromverbrauchs / Investitionen der Branche sind Motor für Forschung und Entwicklung
(PresseBox) (Berlin, ) Das Stimmungshoch der deutschen Wirtschaft hat auch die Stromwirtschaft erreicht: "Die Stromunternehmen verzeichnen Wachstum.
Es ist allerdings ein moderates Wachstum, das immer stärker von Energieeffizienz geprägt ist." Das erklärte Werner Brinker, Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Berlin, zur Branchenbilanz 2006.

"Der gesamte Stromverbrauch in Deutschland stieg 2006 um 0,7 Prozent auf rund 540 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh)", ermittelte der VDEW. Das Brutto-Inlandsprodukt sei gleichzeitig um 2,7 Prozent gestiegen. "Hier zeigt sich deutlich, dass die Wirtschaftsleistung mit immer effizienterem Energieeinsatz erreicht wird", betonte Brinker. "Die Zuwachsraten von Stromverbrauch und Wirtschaftleistung liegen nicht mehr gleichauf, sondern sind seit Anfang der 90er Jahre entkoppelt."

Unterschiedliche Energien und Techniken geschickt kombinieren

Die Stromwirtschaft nutze einen vielfältigen Energiemix, um Versorgungs- und Preisrisiken sowie die Auswirkungen auf die Umwelt gering zu halten.
Brinker: "Es gibt keine Idealenergie und keine Wundertechnik. Jeder einzelne Energieträger hat Vorteile, aber auch Nachteile. Für eine nachhaltige Energieversorgung müssen wir unterschiedliche Energien und Techniken geschickt kombinieren." Es sei wichtig, auch in Zukunft alle Optionen zur Stromerzeugung offen zu halten. "Für eine nachhaltige Energieversorgung", so Brinker, "müssen die drei gleichrangigen Ziele Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit in der Balance gehalten werden."

Beim Energiemix 2006 hatte die Kernenergie mit 27 Prozent den größten Anteil. Es folgten die Braunkohle mit 23 und die Steinkohle mit 21 Prozent Anteil. Erdgas lieferte zwölf Prozent des Stroms. Der Beitrag der erneuerbaren Energien wuchs auf ebenfalls zwölf Prozent Anteil. Die Mehrkosten für die Förderung des Ökostroms nach dem Enerneuerbare-Energien-Gesetz bezifferte der VDEW auf 3,2 Mrd. Euro.

Die Investitionen der Stromwirtschaft stiegen 2006 um 20 Prozent auf 4,7 Mrd. Euro, ermittelte der VDEW mit ersten Schätzungen. Für 2007 planten die Unternehmen nochmals eine Zunahme der Ausgaben auf 5,4 Mrd. Euro.

"Anfang des Jahrzehnts hat die Branche einen neuen Investitionszyklus begonnen", erklärte Brinker. Im Bereich der Kraftwerke stehe dabei nicht die Erweiterung der Kapazitäten im Vordergrund, da es im deutschen Strommarkt kaum mehr Mengenwachstum gäbe. "Neue Kraftwerke werden vorwiegend als Ersatz für ältere Anlagen gebaut. Sie erzielen Effizienzsteigerungen von 20 bis 30 Prozent. Jede neue Anlage ist im Vergleich zu den Vorgänger-Modellen ein Gewinn für die Umwelt", betonte Brinker.

Investitionen sind Motor für Forschung und Entwicklung

Die Branche gehöre traditionell zu den größten Investoren in Deutschland.
"Die milliardenschweren Aufträge der Stromunternehmen sind ein Motor für Forschung und Entwicklung der Hersteller", berichtete Brinker. Zusätzlich wachse auch die Innovationskraft der Branche selbst: Rund 250 Millionen Euro wird die Stromwirtschaft 2006 in innovative Projekte investieren, ergab eine Umfrage des Branchenverbandes. Zum breiten Spektrum der Forschungsaktivitäten der Branche zählten Projekte zur Abtrennung und Speicherung von CO2 oder die Erprobung von Kleinst-Kraftwerken mit Brennstoffzellen-Technik.

Brinker hob hervor, dass es nicht nur Forschung zur Steigerung der Energieeffizienz im Bereich der Erzeugung gibt. "Auch auf der Nachfrageseite, bei den Verbrauchern, gibt es Pilotprojekte zum sparsamen Umgang mit Energie." Forschung und Entwicklung seien auch zentrales Thema beim VDEW-Kongress "Innovativ! Energie heute und morgen." am 23. und 24.
Mai in Berlin. Zum Dialog über die Energiezukunft Deutschlands und Europas erwartet der Branchenverband gut 1000 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.

Energiepolitisches Gesamtkonzept für Deutschland und Europa

"Innovationen für eine nachhaltige Energieversorgung verlangen Kreativität und Investitionen", betonte Brinker. Die Stromunternehmen fordern dafür verlässliche Rahmenbedingungen. "Das Nebeneinander nicht aufeinander abgestimmter Gesetze und Verordnungen muss beendet werden. Deutschland braucht ein energiepolitisches Gesamtkonzept, das den Anforderungen des europäischen Strommarktes Rechnung trägt", forderte Brinker.

Statt immer wieder neue Eingriffe in den Strommarkt zu planen, müsse die Politik vielmehr für Chancengleichheit in Europa sorgen. Brinker wies darauf hin, dass in wenigen Wochen eine wichtige Etappe des gemeinsamen Strommarktes erreicht wird: Ab Juli müssen alle Länder ihre Strommärkte voll geöffnet haben. "In ganz Europa sollen die Stromkunden dann ihren Anbieter frei wählen können - so, wie das in Deutschland schon seit Ende der 90er Jahre selbstverständlich ist", erklärte Brinker. Allerdings werde beispielsweise Frankreich diesen Schritt trotz der Vorgabe aus Brüssel nicht wagen. Solche Wettbewerbsverzerrungen müssten abgebaut werden.

"Die deutsche Stromwirtschaft setzt sich für die wettbewerbsorientierte Weiterentwicklung des europäischen Strommarktes ein", betonte Brinker.
Marktwirtschaftliche Systeme seien stets effizienter als staatlich gelenkte. Allerdings müsse die Politik erst einmal die Wirkung ihrer Gesetze abwarten, statt vorschnell neue Gesetzesinitiativen zu starten.
Brinker: "Die Politik braucht mehr Mut zum Markt."

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