ZGDV entwickelt neues Interaktions-System für Museen und Galerien

Zoom in Meisterwerke
(PresseBox) (Darmstadt, ) Cornelius Malerczyk zeigt auf die Leinwand. Über dem Uhrenturm am Markusplatz in Venedig erscheinen wie von Zauberhand die Umrisse einer Madonna. Eine weitere Geste genügt und links davon taucht skizzenhaft das Jesuskind in dem Gemälde auf. Eine weibliche Stimme aus dem Hintergrund erläutert, dass der italienische Maler Francesco Guardi für seine berühmte Stadtansicht das Bild einer Krippenszene übermalt hat und gibt weitere Hinweise zu dieser Szene. Das Originalgemälde hängt in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien, spielerisch interagieren kann der Besucher aber einzig mit dem digitalen Replikat im Zentrum für Graphische Datenverarbeitung (ZGDV) in Darmstadt. Hier kann der Kunstinteressierte vor der großen Projektionswand intuitiv ein Gemälde oder eine Fotografie erkunden. Die Forscher haben ein Eingabesystem entwickelt, das auf Zeigegesten basiert. Damit wird die Hand des Betrachters zur Lupe, die Details eines Gemäldes oder einer Fotografie vergrößert, oder aber zur virtuellen Taschenlampe, deren Lichtstrahl die Besonderheiten des Bildes hervorhebt. Zum Röntgenstrahl wird der Fingerzeig, um verborgene Malereien - wie im Guardi-Bild - erneut sichtbar zu machen oder, um Originalskizzen in das Gemälde einzublenden. »Mit dem System können Kunstinteressierte sich intuitiv und spielerisch beispielsweise über die Entstehungsgeschichte eines Bildes, die Besonderheiten der Pinselführung oder vergleichbare Werke informieren«, betont Michael Schnaider, Leiter der Abteilung Visual Computing am ZGDV, und ergänzt: »Viele Quellen waren bisher nur Kunsthistorikern zugänglich oder der Museumsbesucher musste in dicken Begleitkatalogen blättern, um diese Informationen zu erhalten.«

Das neu entwickelte System erkennt mit Hilfe von zwei Kameras auf welchen Punkt der Betrachter zeigt. Sofort verändert sich die Darstellung des Gemäldes entsprechend der aktivierten Funktion wie Lupe oder Taschenlampe. Außerdem lassen sich sensitive Felder auf der Leinwand frei definieren, die zusätzliche Funktionen und Erläuterungen in multimedialer Form (Audio, Video, Text etc.) ermöglichen. »Das gesamte Gemälde ist ein aktives Element, das Jede und Jeder auf ganz individuelle Art und Weise nutzen kann«, erläutert Cornelius Malerczyk, der Leiter des Projektes Interaktive Leinwand.

Doch nicht nur die Besucher, auch die Museen und Galerien profitieren von dem neuen System. Ausstellungsmacher können die vielfältigen Möglichkeiten der Interaktion und multimedialen Präsentation zielgerichtet für ihre Konzepte einsetzen und auf das anvisierte Publikum zuschneiden. Innovative pädagogische Projekte sind auch ohne zusätzliches Personal leicht zu realisieren. Ein weiterer Vorteil: Bisher können Museen lediglich einen Bruchteil ihrer Bestände zeigen, doch werden die Gemälde und Fotografien digitalisiert, können die Verantwortlichen diese in die unterschiedlichsten Ausstellungen einbinden. Damit lassen sich beispielsweise viele bedeutende Werke einer Epoche oder eines Künstlers zusätzlich zu den Originalen auf eine Leinwand projizieren.

Die Forscher des ZGDV haben das System im Rahmen der EU-Projekte artnouveau und art-E-fact zunächst für den Einsatz in Museen und Galerien entwickelt. Das Konzept der intuitiven und berührungslosen Interaktion über Zeigegesten und frei definierbare sensitive Felder ist jedoch universell auf grafische Bedienoberflächen übertragbar. Damit eröffnen sich vielfältige Anwendungsbereiche von Messepräsentationen bis zu interaktiven Spielen für jede Altersklasse.

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