Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Januar 2007[1]

(PresseBox) (Berlin, ) Das deutsche Bruttoinlandsprodukt hat sich im Jahr 2006 preisbereinigt um 2,5 % erhöht.[2] Ein höheres Wachstum gab es zuletzt vor sechs Jahren im Boomjahr 2000.

Kalenderbereinigt - im Jahr 2006 standen zwei Arbeitstage weniger zur Verfügung als im Vorjahr - erhöhte sich das BIP sogar um 2,7 %. Die inländische Verwendung hat im Jahr 2006 zu drei Vierteln zum BIP-Zuwachs beigetragen. Mit dem Anspringen der Binnenkonjunktur gewann die konjunkturelle Entwicklung im Jahr 2006 deutlich an Breite und das sich selbsttragende Moment des Aufschwungs erhöhte sich entscheidend. Dabei wurde die konjunkturelle Entwicklung 2006 durch Sondereffekte wie z. B. die Fußball-Weltmeisterschaft sowie durch wirtschaftspolitische Maßnahmen, wie etwa die Abschreibungserleichterungen, begünstigt. Hinzu kommen das Auslaufen der Eigenheimzulage Ende 2005 sowie Vorzieheffekte angesichts der Mehrwertsteuererhöhung 2007.

Besonders stark wuchsen die Ausrüstungsinvestitionen mit real +7,3 %. Auch die Bauinvestitionen nahmen erstmals wieder deutlich um 3,6 % zu. Insgesamt betrug der Wachstumsbeitrag der Anlageinvestitionen +0,9 Prozentpunkte. Die privaten Konsumausgaben belebten sich (+0,6 %) und lieferten einen Wachstumsbeitrag von +0,4 Prozentpunkten. Der Außenbeitrag stützte mit +0,7 Prozentpunkten das Wachstum erneut.

Immer deutlicher zeigt sich der Aufschwung mittlerweile auch auf dem Arbeitsmarkt. Angesichts der guten Verfassung der deutschen Wirtschaft sowie dem nach wie vor robusten weltwirtschaftlichen Wachstum bestehen gute Aussichten, dass sich der Aufschwung im laufenden Jahr fortsetzt.

Maßgebliche Impulse für das BIP-Wachstum im Jahr 2006 kamen bis zuletzt aus dem Produzierenden Gewerbe. Die Industrieproduktion konnte die zwischenzeitlich eingetretene Abschwächung im September und Oktober überwinden und hatte im November einen Produktionszuwachs von saisonbereinigt[3] 1,4 % zu verzeichnen. In der etwas längerfristigen Betrachtung des Dreimonatsvergleichs bleibt die Industrieproduktion aufwärts gerichtet (+0,9 %). Ihren Vorjahresstand überschritt sie im Oktober/November um 5,1 %. Die Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen ist - nach einem Rückgang im September und Oktober - im November wieder um saisonbereinigt 1,5 % angestiegen. In der etwas längerfristigen Tendenz zeigt sich im Dreimonatsvergleich ein leichter Orderzuwachs um saisonbereinigt 0,2 %. Ausschlaggebend war hier der Rückgang der Auslandsbestellungen (-2,1 %), der auf eine deutliche Abschwächung der Investitionsgüternachfrage zurückgeht. Die inländischen Auftragseingänge entwickelten sich mit +2,5 % demgegenüber weiterhin dynamisch. Die anhaltende Aufhellung der Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe und hier vor allem die deutliche Anhebung der Geschäftserwartungen sind Indizien dafür, dass sich die dämpfenden Effekte aus den fiskalischen Maßnahmen nur zeitlich begrenzt auswirken dürften.

Die Bauproduktion erhöhte sich, begünstigt durch Sonderfaktoren wie die milde Witterung sowie durch Vorzieheffekte, mit +6,2 % im November besonders kräftig. Der Vorjahresstand wurde arbeitstäglich bereinigt im Oktober/November weiterhin deutlich übertroffen (+8,0 %). Die vorlaufenden Indikatoren geben derzeit unterschiedliche Signale über die weitere Entwicklung. Die Auftragseingänge im Bau sind seit August im Verlauf rückläufig. Andererseits hellt sich das Geschäftsklima seit Oktober wieder auf. Dies deutet zusammen mit dem hohen Auftragsbestand und vor dem Hintergrund des allgemeinen Aufschwungs darauf hin, dass im laufenden Jahr nicht mit einem Abbruch der nunmehr stabilisierten Baukonjunktur zu rechnen ist.

Die privaten Konsumausgaben haben sich nach vier Jahren der Stagnation im Jahr 2006 erstmals wieder belebt. Das Umsatzvolumen im Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und ohne Tankstellen) schwächte sich - nach spürbarer Zunahme im ersten Halbjahr - im weiteren Jahresverlauf jedoch wieder ab, zuletzt im November um saisonbereinigt -0,7 %. Dagegen stiegen die Einzelhandelsumsätze bei langfristigen Gebrauchsgütern wie Kraftfahrzeugen oder Einrichtungsgegenstände weiter an. Dies deutet auf vorgezogene Käufe wegen der Anhebung der Mehrwertsteuer 2007 hin. Zu Anfang dieses Jahres ist zunächst von einer gewissen Dämpfung der privaten Konsumausgaben auszugehen. So schwächte sich das GfK-Konsumklima für den Januar 2007 erstmals wieder etwas ab. Das Geschäftsklima im Einzelhandel hellte sich demgegenüber zuletzt merklich auf.

Die Warenexporte nahmen trotz einer leichten Abschwächung im November in der Tendenz weiter kräftig zu. Die beschleunigte Entwicklung des dritten Quartals setzte sich fort. Der Handelsbilanzüberschuss hat sich aufgrund einer Abschwächung der Warenimporte weiter erhöht. Die Ausfuhren in jeweiligen Preisen gingen im November saisonbereinigt zwar leicht um 0,5 % zum Vormonat zurück. Im Dreimonatsvergleich erhöhten sie sich dagegen weiterhin kräftig (9,1 %). Kumuliert bis November lagen sie um 14,3 % über dem Vorjahr. Auch weiterhin ist mit spürbaren außenwirtschaftlichen Impulsen zu rechnen. Hierfür sprechen nicht nur die anhaltend hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und das robuste weltwirtschaftliche Wachstum. Indizien hierfür sind auch der Anstieg der Auslandsbestellungen in der Industrie im November und die außerordentlich zuversichtlichen Exporterwartungen der Unternehmen. Die Importe haben sich nominal im November saisonbereinigt um 3,8 % vermindert, nach -0,4 % im Monat zuvor. Wie bereits im Oktober könnten auch zuletzt leicht rückläufige Energiepreise und die milde Witterung eine Rolle gespielt haben. Kumuliert bis November liegen die Einfuhren um 17,3 % über dem Stand des Vorjahres.

Der Aufschwung hat im Jahr 2006 den Arbeitsmarkt erreicht. Mit im November 39,76 Millionen Erwerbstätigen im Inland und damit 426.000 Personen mehr als im Vorjahr, hat sich der seit März 2006 zu verzeichnende Beschäftigungsaufbau verstärkt fortgesetzt. Die Entwicklung wurde weiter vor allem durch die Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gestützt, die sich nach ersten Schätzungen im Oktober gegenüber dem Vorjahr um 392.000 auf 26,95 Millionen erhöht hat. Im Jahr 2006 insgesamt lag die Zahl der Erwerbstätigen (Ursprungszahl) bei rd. 39,1 Millionen. Dies waren 258.000 Personen mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosigkeit ging parallel zum Beschäftigungsaufbau 2006 stark zurück

Die Zahl der Arbeitslosen verringerte sich im Dezember um saisonbereinigt -108.000 Personen und damit mehr als doppelt so stark wie im Durchschnitt der Monate zuvor (-43.000). Mit 4,008 Millionen Arbeitslosen (Ursprungszahl) ergab sich im Dezember wie im Vormonat eine Arbeitslosenquote von bundesweit 9,6 %.

Die Entwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland verläuft insgesamt weiterhin in ruhigen Bahnen. Sie haben sich von November auf Dezember zwar deutlich um 0,8 % erhöht, Ursache dafür waren aber saisonbedingte Preiserhöhungen z. B. bei Pauschalreisen und Ferienwohnungen. Dämpfend auf die Preisentwicklung wirken sich derzeit u. a. die rückläufigen Preise für Heizöl und Kraftstoffe aus. Im Vorjahresvergleich erhöhten sich die Verbraucherpreise im Dezember um 1,4 %, nach +1,5 % im November. Die Jahresrate der Kerninflation (ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel) lag im Dezember bei +1,1 %.

Den Monatsbericht finden Sie in Kürze auf unserer Homepage in der Rubrik Wirtschaft.

[1] In diesem Bericht wurden statistische Daten verwendet, die bis zum 17. Januar 2007 vorlagen.

[2] Schnellmeldung vom Statistischen Bundesamt vom 12. Januar 2007. Die Ergebnisse zum vierten Quartal 2007 wird das Statistische Bundesamt am 13. und 22. Februar veröffentlichen.

[3] Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den in diesem Bericht verwendeten saisonbereinigten Angaben um Berechnungen nach dem Census X-12-ARIMA Verfahren.

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