Kraftvolle Akzente setzen

Farbdesignerin plädiert für mehr Mut zur farbigen Gestaltung
Straßenzug Frankfurt-Sachsenhausen, Große Rittergasse 88 - 118 (PresseBox) (Ober-Ramstadt, ) Deutschlands Straßenbilder werden zunehmend farbig. Die positive Wirkung von mehr Farbigkeit in der Architektur bedeutet indes nicht beliebig bunte Fassaden und gestalterische Alleingänge. Jeder Hauseigentümer ist Teil der Gemeinschaft und trägt mit der gewählten Farbigkeit seines Wohnhauses zum Erscheinungsbild eines Ortes bei.

Daß Deutschlands Straßenbilder wieder farbiger werden, weiß Kirstin Bachmann vom Design-Studio des Farbenherstellers Caparol. Die Architektin und Farbgestalterin bestätigt einen anwachsenden Bedarf an farbigen Werkstoffen, insbesondere bei Fassadenfarben. Farblich attraktive Gebäude ziehen eine höhere Aufmerksamkeit auf sich, sind weniger Vandalismus ausgesetzt, erhöhen die Identifikation der Bewohner und schaffen eine Atmosphäre mit individuellem Charakter. Im Interview geht Kirstin Bachmann nicht nur auf die Vorzüge eines farblich attraktiven Wohnumfelds ein, sondern nennt auch allgemeine Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die einem Gesamtkonzept zugrunde liegen.

Frage: Was tun Sie, um den Trend zu mehr Farbe im Stadtbild zu fördern?

Bachmann: Unsere Farbentwürfe sind architekturbezogen und unterliegen eher einer vorausgehenden Baustrukturanalyse, um einem Gebäude, einer Siedlung oder einem Straßenzug die farblich stimmige Außenhülle zu verleihen. Trendeinflüsse spielen am Rande eine Rolle, insbesondere bei gewachsenen Strukturen ist die Auseinandersetzung mit der Architektur, dem Umfeld und der Gebäudenutzung entscheidende Voraussetzung für eine überzeugende Farbgebung. Trendfarbigkeiten kommen eher im solitären Neubau zum Tragen.

Frage: Von welchen Beispielen können Sie berichten?

Ein gutes Beispiel für Farbe im Stadtbild ist die Gestaltung des Altstadtviertels Frankfurt-Sachsenhausen. Der Farbenleitplan entstand in Kooperation mit der Stadt Frankfurt, dem Denkmalamt und der Fachhochschule Hildesheim. Eingebunden in die Farbauswahl waren die orts- und regionstypischen Baustoffe wie Schiefer und roter Sandstein. Diese Farben prägen das Erscheinungsbild des Stadtviertels.

Aufbauend auf diese charakteristischen Materialien wurde ein umfassendes Farbkonzept gebildet. 18 Grundfassadentöne bilden die Basis und werden durch Akzentfarbigkeiten für Türen, Klappläden und andere kleinteiligen Bauelemente ergänzt. Diese Farbtöne sind größtenteils historisch belegbar. Einzelne Gebäudefarbigkeiten stehen in komplexer Verbindung zum Ganzen und lassen die Straßenzüge durch kontrastreiche Farbrhythmen lebendig erscheinen.

Weitere gelungene Beispiele sind die Wohnsiedlung in Gießen (Hölderlinweg) und die Neubauten im historischen Umfeld in Marburg und Gießen (Bahnhofstraße).

Frage: Es ist noch vor kurzer Zeit von farbigen Entgleisungen gesprochen worden. Wir haben den Eindruck, daß diese jetzt weniger geworden sind. Können Sie das bestätigen?

Bachmann: Wenn mit Entgleisungen Fassadenanstriche in starker Sättigung gemeint sind, die als sogenanntes "Knallbonbon" auffallen, so gibt es diese immer noch. Meistens empfinden wir Fassadentöne negativ, weil Farbigkeiten zu brillant sind und es keine Beziehung zu Material und Architektur gibt. Positive Beispiele für stark farbige Objekte möchte ich damit nicht verurteilen, hier gibt es sehr positive Beispiele, die selbst in ein historisch geprägtes Stadtbild passen. Daß es immer mehr gut durchdachte Farbkombinationen gibt und sich mehr Menschen Gedanken zur Farbe machen, ist auch mein Eindruck und wird bestätigt durch das zunehmende Interesse an Vorträgen und Seminaren. Es gibt eine Vielzahl farbig überzeugend anmutender Fassaden.

Frage: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, daß der Mut zur Farbe offenbar gewachsen ist?

Bachmann: Dies liegt an dem Wunsch, Gebäude farbig und damit individueller zu gestalten. Mit der Farbgebung lassen sich Bauten wesentlich einfacher und kostengünstiger ins Blickfeld setzen als durch eine neue beziehungsweise baulich veränderte Architektur.

Frage: Was sollte der Maler tun, um Bauherren von farbigen Fassaden zu überzeugen?

Bachmann: Er sollte grundsätzlich Musterflächen anlegen, um dem Hausbesitzer die farbige Wirkung nahe zu bringen. Man erzielt mit der Originalfarbigkeit auf dem Originaluntergrund die idealsten Beurteilungskriterien. Dann wird auch deutlich, daß Farben auf großer Fläche heller wirken als auf den Abschnitten in Farbtonfächern. Interesse und Mut am Gestalten mit Farbe weckt das Gestaltungsprogramm Caparol SPECTRUM 3.0 oder der Farbharmoniefächer 3D Concept.

Frage: Sollten lasierende Fassadenanstriche vermehrt eingesetzt werden?

Bachmann: Das ist objektspezifisch zu entscheiden und abhängig von den einzusetzenden Beschichtungsmaterialien. Lasuren können auf Putz- oder Holzflächen gestalterisch eingesetzt werden. Sie erzielen durch unterschiedliche Auftragstechniken (Bürstenschlag, Duktus) individuelle Wirkungen. Das Einsetzen der persönlichen Handschrift des Malers verleiht dem Gebäude ein einzigartiges Erscheinungsbild. Aus diesem Grund sehe ich einen vermehrten Einsatz von lasierenden Oberflächen auch bei historischen Gebäuden sehr positiv. Lasierende Oberflächen sind verstärkt im süddeutschen Raum zu finden, da sie dort regionaltypisch sind.

Frage: Welche Farbgestaltungshilfen bieten Sie Ihren Kunden an?

Bachmann: Es gibt verschiedene Gestaltungshilfen, die wir im FarbDesignStudio entwickelt haben. Dazu gehören die Caparol Boxen 1-5, SPECTRUM 3.0 und der 3D Concept-Fächer. Besonders hilfreich für die Gestaltung von Aussenfassaden vor Ort ist die BOX 3 und der Concept-Fächer.

Der 3D-Concept Fächer beinhaltet 158 Außen- und 52 Innen-Farbharmonien. Eine Farbharmonie besteht aus fünf Tönen, die jeweils spezifischen Bauelementen zugeordnet sind. Die Darstellung verschiedener Farben in Kombination und in dem Bauelement entsprechender Proportionierung erleichtert die Farbwahl ganz erheblich.

BOX 3 beinhaltet alle 3D plus Farbtöne als größeres Farbmuster im CD-Format zur besseren Vorstellung der einzelnen Töne. Desweiteren sind jeweils ca. 4-8 unterschiedliche Originaloberflächenmuster zu 26 Farbtönen enthalten.

Ein weiteres sehr hilfreiches Gestaltungsmittel zur Visualisierung ist die Caparol SPECTRUM 3.0 DVD, mit der Farbvorstellungen am eigenen Objekt dargestellt werden können. Zusätzlich gibt es eine umfangreiche Bilddatenbank und die Möglichkeit eigene Strukturen und Oberflächen zu erstellen.

Dem Kunden stehen außerdem der Außendienst und die Serviceabteilungen des Objektmanagements zur Verfügung: technische Beratung über den Planer- und Objektservice sowie gestalterische Unterstützung durch das FarbDesignStudio.

Frage: Welche Fassadenfarbtöne liegen derzeit im Trend?

Bachmann: Derzeit besteht bei der Fassadenfarbgebung noch ein Trend in Richtung gesättigter Rot-Orange-Nuancen, der schon seit längerem anhält. Gelb und gelbvergraute Töne sind nach wie vor beliebt. Grundsätzlich ist bei der Fassadengestaltung weniger einem Trend zu folgen. Eine Farbgebung sollte die Architektur interpretieren, die Erbauungszeit, Umgebungsfarbigkeiten sowie Farb- und Materialvorgaben berücksichtigen.

Frage: Wie viele unterschiedliche Farbtöne sollte eine Fassade maximal aufweisen?

Bachmann: Das ist jeweils gebäudeabhängig zu entscheiden. Es sollte darauf geachtet werden, unterschiedliche Bauelemente mit materialbezogenen Farbigkeiten differenziert abzusetzen. Putzflächen sollten typische Putzfarbigkeiten erhalten, Metallelemente akzentuierte Lacktöne. Meistens erfährt das Gebäude die Einteilung in Fassade, Sockel, Fasche, Untersicht und Geländer.

Frage: Auf welche Weise arbeitet das FarbDesignStudio mit Auftraggebern zusammen?

Bachmann:

In den meisten Fällen werden erste Kontakte über den Außendienst geknüpft. Die Wünsche der Auftraggeber haben unterschiedliche Anforderungsprofile, deshalb ist eine individuelle Objektbearbeitung erforderlich.

Das Spektrum reicht von einer individuellen Direktberatung vor Ort bis hin zu umfangreich ausgearbeiteten Farb- und Materialkonzepten für Großprojekte.

Frage: Haben Sie Befürchtungen, daß es hierzulande wieder zu bunt werden könnte? So geschah es schließlich Anfang der 70er Jahre und führte zum Einsatz von Unbunt-Tönen.

Bachmann: Nein, solche Befürchtungen habe ich nicht. Stärkere und schwächere Farbphasen wechseln sich immer wieder ab, auf kräftige Farben folgen unbuntere. Weiß hat im privaten Wohnungsbau immer noch eine starke Rolle.

Frage: Wo fehlt es Ihrer Meinung nach noch an farbgestalteten Flächen im Stadtbild?

Bachmann: Vor allem in Neubaugebieten, hier ganz besonders in den so genannten Schlafstädten. In diesen Wohnsiedlungen ist bewußte Farbgestaltung fördernd für die Identifikation der Bewohner und schafft eine Atmosphäre mit individuellem Charakter. Ein Blick in historisch gewachsene Stadtgebiete kann als stimmiges Beispiel dienen. Handlungsbedarf für ansprechende Farbkonzeptionen gibt es fast überall. Eine fachlich versierte Beratung wäre oftmals wünschenswert und hilft beim Erstellen einer ganzheitlichen Konzeptionierung.

(Das Interview führte Martina Lehmann)

Kontakt

Caparol Farben Lacke Bautenschutz GmbH
Roßdörfer Str. 50
D-64372 Ober-Ramstadt
Caparol Farben Lacke Bautenschutz GmbH
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