Tiere im Klimawandel?

Vogelbalz ist nicht zu früh / Keine Mückenplage voraussagbar / Neue Studie: Klimawandel verschiebt Bruträume
(PresseBox) (Hamburg, ) Wer die milden Tage zum Spaziergang nutzt, glaubt den Frühling schon zu spüren. Meisen tirilieren, einige Kraniche sind in Hamburg geblieben, Enten tauchen sich gegenseitig unter und an geschützten Teichen lugen die ersten Frösche träge aus dem Wasser. Alles viel zu früh? Kommt der Klimawandel nun mit Macht? Der NABU beruhigt, dass noch alles im normalen Rahmen ist.

"Ein paar Sonnenstrahlen und Meisen, Amseln und Zaunkönige singen sich schon mal warm", erklärt der Biologe Heinz Peper vom NABU Hamburg. "Die Männchen stecken probeweise ein Revier ab und verstärken die Bindung zu ihrem Weibchen." Mit Paarung und Brut dauere es noch, bis auch ein Großteil der Insekten aus ihren Verstecken hervorkommt. Der NABU empfiehlt jedoch, spätestens schon jetzt die Nistkästen zu reinigen. "Beim Balzritual der Meisen beschenken die Männchen ihre Angeflötete mit Insekten, erst nach diesem Schlüsselreiz legt sie Eier." Anders bei den Stockenten, sie haben jetzt hohe Balzzeit. Zwar haben die meisten Paare sich schon im Herbst zusammengefunden, überzählige Erpel-Singles versuchen dennoch ihr Glück. Dabei schwimmt oft ein halbes Dutzend Männchen der Ente hinterher und taucht sich gegenseitig unter. "In der Stadt ist die Entenpopulation durch das Überangebot an Nahrung künstlich hoch. Gerade hier kommt es auch zu Vergewaltigungen oder die Weibchen werden schlicht zu Tode gebalzt", berichtet der NABU. Für die Amphibien seien die derzeitigen Temperaturen noch kein Problem. "Wenn das warme Wetter anhält, werden die Kröten- und Froschfrauen mit ihren Männern in feuchten Nächten jetzt schon huckepack zu ihrem Geburtstümpel wandern. Bis zur Laichzeit wird es aber sicher noch zwei Monate dauern, da der Zeitpunkt nicht nur temperaturabhängig, sondern auch genetisch festgelegt ist", sagt Peper voraus. Eine Mücken- oder Zeckenplage könne man derzeit nicht voraussagen. "Für die Entwicklung dieser Tiere sind Frühjahr und Sommer viel entscheidender. Wird es dann warm und regnerisch, gibt es halt viele Mücken", erklärt der NABU-Experte. Ein milder Winter schone zwar die überwinternden Blutsauger, ihre sehr effektiven Feinde aus der Insekten- und Pilzwelt aber auch. "Gefährlich wird das laue Wetter nur, wenn es noch einige Wochen anhält und dann ein kräftiger Kälteeinbruch kommt", so Peper. Dann erwischt der Frost die Tiere und Pflanzen mitten im Start. "Aber auch das ist kein wirklich ernsthaftes Problem für die Natur, Spätfröste sind in unseren Breiten ja nicht selten." Jenseits der kurzfristigen Wetterkapriolen zeichne sich der Klimawandel jedoch schon in der Vogelwelt ab. "Gäste aus dem Mittelmeerraum wie Bienenfresser und Silberreiher werden immer öfter gesichtet", betont der Biologe. Einer neuen Studie zufolge werden sich die Bruträume bis zum Jahr 2100 um gut 500 Kilometer nach Nordosten verlagern. "Das heißt dann 'bye, bye Bekassine, willkommen Wiedehopf'".

Eine gute Hilfe für Tiere auch in Zeiten des Klimawandels sei der naturgemäße Garten ohne Gift. Hier helfen die Naturschützer mit interessanten Broschüren voller Tipps und Pflanzenlisten. Gegen Einsendung von fünf Euro in Briefmarken an den NABU, Osterstraße 58, 20259 Hamburg, gibt es die Broschüren "Gartenlust" und "Vögel im Garten". Oder zu den Öffnungszeiten (Mo bis Do 14 bis 17 Uhr) im NABU-Infozentrum (selbe Adresse) abholen. Weitere Infos unter www.NABU-Hamburg.de.

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Naturschutzbund Deutschland (NABU) Landesverband Hamburg e.V.
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D-20535 Hamburg-Borgfelde
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