Nominierungen für den 44. Adolf-Grimme-Preis: Starke Fernsehfilme, gute TV-Information, durchwachsene Unterhaltung

Stilsichere Regisseure, herausragende Darsteller, große Bandbreite: Das Fernsehjahr 2007 glänzt am meisten bei der Fiktion
(PresseBox) (Marl, ) Die Entscheidungen sind gefallen: Aus 653 eingereichten Vorschlägen in drei Wettbewerbskontingenten des Adolf-Grimme-Preises haben drei Vorauswahl-Kommissionen in mehrwöchigen Sitzungen insgesamt 59 Nominierungen gefiltert.

Bei den Fernsehfilmen, so die erste Bilanz vom Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann, habe es "viel Klasse in der Masse" und eine "große Dichte an sehr guten bis herausragenden Filmen" gegeben. Bei den Informations- und Kultursendungen zeichne sich das vergangene Jahr durch eine "Reihe von sorgfältig recherchierten Reportagen und handwerklich sauberen Reportagen" aus. Eher schwach habe sich hingegen die Unterhaltung präsentiert. Hier seien vorwiegend wieder über viele Jahre präsente "Klassiker" des Genres, wie Stefan Raab, Olli Dittrich, Anke Engelke, Kurt Krömer und Bastian Pastewka, positiv bewertet worden.

Bei den Nominierungen sind die privaten Sender nahezu ausschließlich im Bereich der Unterhaltung vertreten. Die Hälfte der insgesamt 14 Nominierungen dieses Wettbewerbkontingents stellen RTL, Sat.1 und ProSieben. Darunter sind "Kinder, Kinder" (RTL), "Switch Reloaded", "Schlag den Raab" (beide ProSieben) und "Fröhliche Weihnachten!" (Sat.1). Nur wenige neue Formate, darunter "Das weiß doch jedes Kind" (Sat.1) und "Bauer sucht Frau" (RTL), konnten hier überzeugen. Das ZDF ist bei der Unterhaltung mit "Neues aus der Anstalt" vertreten, der WDR mit dem "Poetry Slam".

In der Fiktion habe die Vorauswahlkommission, so Kammann, einhellig die "beeindruckende Phalanx von starken, stilsicheren Regisseure, das große Potenzial an hervorragenden Schauspielern und die auffällige Reihe von hoffnungsvollen Nachwuchsfilmern" gelobt. Zu bedauern sei, dass die Privatsender bei der Fiktion wieder deutlich an Boden verloren hätten. Einzig ProSieben verzeichnete mit der Krimiparodie "Dr. Psycho" in diesem Kontingent eine Nominierung.

Das Spektrum der vielen herausragenden Fernsehfilme reicht von "Contergan" (ARD/WDR) über "Duell in der Nacht" (ZDF) bis zu "Rose" (ARD/WDR/BR/ARTE) und "Guten Morgen, Herr Grothe" (ARD/WDR). Mit "Unter Verdacht: Das Geld anderer Leute" (ZDF), "Tatort: Unter uns" (ARD/HR), "Sperling und die kalte Angst" (ZDF) sowie "KDD – Kriminaldauerdienst" (ZDF) war das Krimi-Genre wieder stark vertreten. Aber auch alle anderen Formen, von der Komödie bis zum Drama, wurden überzeugend realisiert. So brillierte Maren Eggert neben Matthias Brandt in "Die Frau am Ende der Straße" (ARD/NDR), Matthias Schweighöfer und Fritzi Haberlandt machten den leisen Film "Ein spätes Mädchen" (ARD/HR) zu einer eindringlichen Seelenstudie. Besondere Beachtung fand die Leistung von Katharina Wackernagel, die in drei nominierten Filmen ("Die Boxerin" und "Mein Mörder kommt zurück", beide ZDF, sowie "Contergan") die Hauptrolle spielte.

Die Wettbewerbskategorie Information und Kultur war auch im Fernsehjahr 2007 wieder eine Domäne der öffentlich-rechtlichen Sender. Die Bandbreite reicht hier von journalistischen Glanzstücken wie "Das Schweigen der Quandts" (ARD/NDR) über die Musikdokumentation "Metrosounds – Bukarest" (WDR/ARTE) und "Deutsche Lebensläufe: Wilhelm Busch" (ARD/SWR) bis zu "Wildfremd – Junge Einwanderer in Deutschland" und zur Fußball-Dokumentation "Die besten Frauen der Welt" (ARD/WDR). Trotz der Anerkennung für die allgemeine hohe Qualität in diesem Bereich hätte sich die Vorauswahlkommission, so Grimme-Direktor Kammann, "mehr Experimentierfreude, mehr Abweichungen vom Herkömmlichen und mehr investigativen Journalismus" gewünscht.

Nachdem nun die Nominierungen feststehen, werden die drei Jurys der Wettbewerbskategorien Unterhaltung, Information & Kultur sowie Fiktion vom 2. bis zum 7. Februar über die insgesamt zwölf Grimme-Preise entscheiden. Bekannt gegeben werden die Auszeichnungen auf einer Pressekonferenz am 19. März in Düsseldorf bei der Landesanstalt für Medien NRW (LfM). Die Preisverleihung findet am 4. April im Theater der Stadt Marl statt. Moderiert wird sie von Dieter Moor (u.a. Moderator des ARD-Kulturmagazins "titel, thesen, temperamente").
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