Ausbildungsplatzabgabe bestraft High-Tech-Unternehmen am Standort Deutschland

Regierung missachtet Branchen-Unterschiede / Berufsakademien und duale Studiengänge müssen anerkannt werden
(PresseBox) (Berlin, ) Die von der Bundesregierung geplante Ausbildungsplatzabgabe wird den verschiedenen Branchen nicht gerecht, bestraft Firmen mit hochqualifizierten Beschäftigten und missachtet das langjährige Engagement von High-Tech-Firmen für die duale Berufsausbildung, Berufsakademien und andere duale Studiengänge. Dieses stellt der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) in einem aktuellen Positionspapier fest. "Die Abgabe schafft keine Ausbildungsplätze. Sie belastet vielmehr den Faktor Arbeit und wird die Diskussion über einen Arbeitsplatzabbau unnötig fördern", beklagt Jörg Menno Harms, Vizepräsident des BITKOM. Er fordert, mehr für die schulische Bildung zu tun, um so die Chancen junger Menschen zu erhöhen, einen Ausbildungsplatz zu erhalten.

Das "Berufsausbildungssicherungsgesetz" unterstellt Firmen der Informationswirtschaft und Telekommunikation (ITK) pauschal fehlendes Engagement in der Ausbildung und droht ihnen mit Strafe. Es missachtet dagegen die mangelnde Ausbildungsfähigkeit zahlreicher Schulabgänger. "Das wird gerade in den anspruchsvollen Ausbildungsberufen der ITK deutlich: Viele Bewerber bringen nicht die notwendigen Voraussetzungen mit", sagt Harms.

Die ITK-Firmen setzen deshalb auf Berufsakademien und weitere duale Studiengänge als Erstqualifikation. Nur über Investitionen in diesen Weg kann die in einem scharfen Wettbewerb stehende Branche international weiter vorne mitspielen. Dieses Engagement wird von der Bundesregierung nicht ausreichend gewürdigt. Als Ausbildung will sie nur akzeptieren, was mit einem Kammer-Abschluss endet. "Damit werden die unterschiedlichen Anforderungen der Branchen ignoriert und Chipentwickler etwa mit Bäckern oder Gärtnern gleichgesetzt", kritisiert Harms. Er fürchtet, dass Firmen ihr Engagement für Berufsakademien einschränken müssen. Die ITK-Branche werde nun dafür bestraft, dass sie eigene, innovative Wege in der Ausbildung gehe.

Die ITK-Branche beschäftigt in Deutschland 750.000 Menschen, davon mehr als 44.000 Auszubildende. Die Ansprüche an die Mitarbeiter sind dabei erheblich. In den Bereichen Software und Datenverarbeitung verfügen die Hälfte der Beschäftigten über einen Studienabschluss, in einzelnen Betrieben arbeiten sogar mehr als 80 Prozent Akademiker. Von diesen Firmen zu verlangen, sieben Prozent Auszubildende zu beschäftigen, geht am Bedarf vorbei. "Wir müssten einen Großteil der jungen Menschen nach ihrer Ausbildung mangels Bedarf direkt zur Umschulung schicken", prophezeit Harms.

Die Kostenschätzungen der Bundesregierung bezeichnet Harms als realitätsfern. Ein IT-Ausbildungsplatz kostet im Schnitt mehr als 20.000 Euro pro Jahr. Mit geplanten Zuschüssen von maximal 7.500 Euro würden in diesen Berufen keine zusätzlichen Lehrstellen entstehen. Die Abgabe ist eine Sondersteuer auf den Faktor Arbeit. Sie werde sich als Gift für den Standort Deutschland erweisen, denn sie richtet sich gezielt gegen Firmen mit einem großen Anteil besonders qualifizierter Beschäftigter und wird Diskussionen über den Abbau von hochwertigen Arbeitsplätzen unnötig fördern, urteilt Harms.

Der BITKOM-Vizepräsident fordert, mehr für die schulische Grundbildung zu leisten. Zudem sollten die Berufsschulen zu Kompetenzzentren ausgebaut werden, um kleinen und mittleren Firmen den Einstieg in die Ausbildung attraktiver zu machen. "Die vom Ausland immer wieder gelobte duale Ausbildung ist einer unserer Standortvorteile. Wir stehen zu ihr. Aber nicht unter dem Zwang einer Strafsteuer", erklärt Harms.

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Cornelia Kelch
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