Rechnungswesen 2004: Funktionale Reife, technologische Überalterung, Mangel an Perspektive?

(PresseBox) (Hamburg, ) Viele der (noch) auf dem Markt verfügbaren Software-Systeme haben seit Einführung ihrer Kernversion einen zum Teil mehr als 15 Jahre langen Reifezyklus hinter sich. Diese Lösungen befinden sich aufgrund ihrer Architektur und der verwendeten technischen Basiselemente in einer kritischen Phase. Die Entwicklungsaufwendungen sind hoch und die dramatischen Ergebniseinbrüche der letzten zwei Jahre haben vielen Herstellern den Freiraum für notwendige Innovationen entzogen. Für den Anwender ist daher Vorsicht geboten: Denn IT-Investitionen mit mangelnder betriebswirtschaftlicher Perspektive kann sich derzeit niemand leisten.

Aus Sicht der nachfragenden Unternehmen sind ebenfalls gravierende Veränderungen spürbar. Viele (ca. 60% im Mittelstand) setzen - historisch bedingt - eine Bandbreite von Einzelsystemen zur Unterstützung ihrer betriebswirtschaftlichen Kernprozesse ein. Außerdem fördert die aktuelle Praxis bei Kreditvergaben, die mit der Einführung von Basel II wesentlich erschwert wurde, im Mittelstand die konkrete Nachfrage nach Systemanpassungen, Zusatz-Tools für Rechnungswesen bzw. Controlling oder Business Intelligence.

In konkreten Auswahlentscheidungen bedeutet das für Anwender heute nicht mehr selbstverständlich die "Qual der Wahl", sondern oft eine "Wahl mit Qual". Insgesamt haben 39 Unternehmen mit 48 Lösungen an der aktuellen SoftTrend Studie 228 zum Thema Rechnungswesen teilgenommen. Der untersuchte Anbieterpool spiegelt einen repräsentativen Querschnitt des deutschen Marktes wider, da fast alle namhaften und relevanten Softwarehäuser vertreten sind.

Betrachtet man die gelebte Praxis, dann stellt man fest, dass die systemimmanenten Abläufe der angebotenen Lösungen oft nicht den im Unternehmen vorhandenen Geschäftsprozessen entsprechen oder entgegenkommen. Es entbrennt regelmäßig eine Diskussion darüber, wer sich wem unterordnen sollte - das Unternehmen dem System oder umgekehrt. Letztlich bestimmen (folgerichtig) die Kosten den Weg. Wie gut dieser dann ist, erweist sich in der Regel erst im Nachhinein.

Somit ist das Problem in den Evaluationsprojekten im Bereich Rechnungswesen häufig nicht, ob spezielle Funktionen im Produkt vorhanden sind, sondern wie sie genutzt werden können. Konkret lautet die Frage an den präferierten Hersteller: Wie flexibel kann ein vorhandener Prozess im System umgesetzt, unterstützt oder angepasst werden.

Viele Hersteller setzen zwar die wesentlichen Anforderungen um. Das zugrundegelegte Prozedere entstammt aber meist dem zusammengefassten Wissen aus einzelnen (nach Auftragseingang abgearbeiteten) Kundenprojekten mit entsprechend hohem Individualisierungsanteil. Damit werden oft die Pfade standardisierter Lösungsansätze (im Sinne von best practice) gar nicht erst oder nur ansatzweise beschritten. Und es hängt von der (tatsächlich vorhandenen) Kompetenz des Herstellers, der Flexibilität des Systems und nicht zuletzt auch von der Leidensfähigkeit des Unternehmers ab, ob die ursprünglich angestrebten Ziele erreicht und die Erwartungen erfüllt werden können.

Ein weiterer kritischer Aspekt bei der Marktbetrachtung ist die technologische Überalterung vieler Systemlösungen - dies trifft immerhin mehr oder weniger auf ca. 75% der Produkte zu. Der stetig wachsende Wettbewerbsdruck und die schlechte wirtschaftliche Situation hat es vielen Herstellern fast unmöglich gemacht, die Entwicklung neuer Systemgenerationen voranzutreiben. Insbesondere das rückläufige Neukundengeschäft, die sinkenden Wartungserlöse, die internationale Konkurrenz und das generelle Misstrauen in den Markt haben diese Entwicklung gefördert. Ein Problem, das über kurz oder lang auf den Anwender mit hohen Zusatzkosten und einem erneuten, früher als geplanten Programmwechsel zurückfallen wird. Unternehmen, wie beispielsweise die Varial Software AG als Spezialist für Rechnungswesen Software, bilden hier unter den mittelständischen Herstellern mit ihrer komplett neu entwickelten Varial World Edition eine Ausnahme.

Die umfassende Beurteilung eines Herstellers sollte sich daher auf folgende Aspekte konzentrieren: Wirtschaftliche Basis, strategische Ausrichtung und Partnerschaften, Produktportfolio und -strategie, technologisches Know-how, Entwicklungsphilosophie, -politik und -ressourcen, etc.

Die meisten auf dem Markt verfügbaren Systeme haben seit Einführung ihrer Kernversion einen zum Teil mehr als 15 Jahre langen Reifezyklus hinter sich. Was auf den ersten Anwenderblick positiv anmuten mag, offenbart beim zweiten Hinsehen eine gewisse Problematik: Viele Produkte, die vor mehr als 15 Jahren konzipiert wurden, befinden sich aufgrund ihrer Architektur und der verwendeten technischen Basiselemente oftmals in einer kritischen Phase. Die Entwicklungsaufwendungen sind hoch und die technische Modernisierung kann in der Regel nur bedingt und über Umwege vollzogen werden.

Klar ist, dass beispielsweise Client-Server-Software über komplexe Strukturen verfügt, die eine Anpassung an Kundenbedürfnisse und die generelle Weiterentwicklung aufwändig gestalten. Folglich bedeutet die Einführung von Produkt-Updates für die Anwender fast immer eine große finanzielle und organisatorische Belastung.

Zukunftsorientierte, web- und komponentenbasierte Lösungen bieten dagegen bessere Möglichkeiten für die horizontale und vertikale Integration unterschiedlicher Systembausteine. Dies betrifft sowohl unternehmensinterne Erweiterungen als auch unternehmensübergreifende Anbindungen.

Letztlich wird damit auch die Best-of-Breed Diskussion neuen, berechtigten Auftrieb erhalten, sobald entsprechende Systeme zur Verfügung stehen. Denn der Gedanke, Produkte unterschiedlicher Hersteller flexibel miteinander verbinden und nutzen zu können, bringt zweifelsfrei viele Vorteile mit sich, sofern die bisherigen Nachteile (Pflegeaufwand und Kosten für Integration, Schnittstellen, etc.) auf ein Minimum reduziert werden können.

Gerade die Verbindung des Rechnungswesens mit Fremdprodukten aus den Bereichen Warenwirtschaft, Logistik, Produktionsplanung und -steuerung ist in vielen Unternehmen, die keine ERP-Gesamtlösung nutzen, eine fast klassische Verknüpfung. Geht man noch einen Schritt weiter und bezieht die Standardisierung dieser Komponentenbausteine durch die Hersteller in die Überlegung mit ein, dann wäre der Fortschritt aus Sicht der Anwender unübersehbar.

Wagt man abschließend den beliebten Blick in die Zukunft, dann wird klar, dass es für viele Hersteller immer enger wird. Ein Teil wird aufgeben, eigene Lösungen zu entwickeln. Die Alternativen lauten dann Geschäftsaufgabe oder Vertriebspartnerschaft mit einem führenden Hersteller. Andere werden vielleicht noch übernommen, wobei diese Phase im Grunde als abgeschlossen gelten kann, da kaum noch Substanz vorhanden ist. Alle weiteren werden in Nischen gedrängt und somit gezwungen, sich auf vorhandene Kernkompetenzen zu konzentrieren und branchenspezifisches Know-how zu vermarkten. Produktneuentwicklungen werden nur bei den wenigsten Firmen zu erwarten sein.

Die SoftTrend Studie 228 wurde von dem Hamburger Beratungshaus SoftSelect GmbH erstellt. Die komplette Studie inklusive detaillierter Produktdaten kann unter (040) 870 875-0 angefordert werden. Journalisten und Redaktionen erhalten auf Anfrage gerne ein kostenfreies Exemplar zur Veröffentlichung.

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