Microgeographische Verortung der Sinus-Migranten-Milieus

Dominantes microm Migranten-Milieu für Heidelberg Zentrum auf Straßenabschnittsebene (PresseBox) (Neuss, ) Die aus der ethnographischen Forschung des Sinus-Instituts gewonnenen Migranten-Milieus wurden jetzt von microm Micromarketing und Consult GmbH kleinräumig in die Fläche übertragen. Für alle Haushalte mit Migrationshintergrund in Deutschland wurde die Milieu-Zugehörigkeit berechnet. Damit sind die Migranten-Milieus auf sämtlichen verfügbaren Raumeinheiten wie Straßenabschnitt, Marktzelle, Gemeinde, Postleitzahlgebiet etc. lokalisiert - und für Stadtentwicklung, Integrationspolitik, Marketingmaßnahmen u.v.m. einsetzbar.

Die Sinus-Migranten-Milieus fassen Menschen mit Migrationshintergrund nicht nach der ethnischen Herkunft, sondern nach ihren Lebensauffassungen und Lebensweisen zusammen. Ergebnis dieses Ansatzes ist ein ganzheitliches Verständnis der Alltagswelt von Migranten, also ihrer Wertorientierungen, Lebensziele, Wünsche und Zukunftserwartungen.

Die Sinus-Studie räumt auf mit vielen Vorurteilen, die das Bild der Migranten in unserem Land bestimmen. So ist in der Migrantenpopulation die Bereitschaft zur Leistung und der Wille zum gesellschaftlichen Aufstieg stärker ausgeprägt als in der einheimischen Bevölkerung. Mehr als zwei Drittel zeigen ein modernes, individualisiertes Leistungsethos. 69% sind der Meinung: Jeder, der sich anstrengt, kann sich hocharbeiten (in der Gesamtbevölkerung stimmen dieser Aussage nur 57% zu). Mehr als die Hälfte der Befragten zeigt einen uneingeschränkten Integrationswillen. 87% sagen: Alles in allem war es richtig, dass ich bzw. meine Familie nach Deutschland gekommen bin.

Die Menschen mit Migrationshintergrund - fast 20% der Gesamtbevölkerung - sind keine soziokulturell homogene Gruppe. Vielmehr zeigt sich - wie in der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund - eine vielfältige und differenzierte Milieulandschaft. Dabei wird deutlich: Die Herkunftskultur determiniert nicht den grundlegenden Werte-Mix. Und auch der Einfluss religiöser Traditionen wird dabei oft überschätzt.

Nun hat microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH die Migranten-Milieus deutschlandweit im Raum verortet und damit eine neue operative Anwendungsmöglichkeit, besonders für den Bereich des öffentlichen Sektors, geschaffen. Sie ermöglicht klare und eindeutige Aussagen darüber, wo Migranten leben und wie sehr sich die einzelnen Teilgruppen unterscheiden. Dabei lassen sich auch Segregationstendenzen erkennen, also differenzierte Aussagen darüber treffen, welche Milieus stärker unter ihresgleichen bleiben und welche Milieus stärker in die einheimische Bevölkerung integriert sind. Die Lokalisierung der Migranten-Milieus ist für vielfältige Einsatzbereiche von großer Relevanz. Exemplarisch seien an dieser Stelle die Stadtentwicklung, die Wohnungs- und Quartierspolitik, der Bereich der Integration sowie karitative Zwecke genannt.

Ende Februar fanden sich der deutsche Caritasverband, das ILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklung, der vhw Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V., die statistischen Ämter und Integrationsbeauftragte der Städte München, Wiesbaden und Konstanz gemeinsam mit Vertretern des Sinus-Instituts bei microm in Neuss zur Diskussion der Ergebnisse aus der microgeographischen Verortung der Migranten-Milieus ein. "Die Strukturen, die wir in der Verortung der Migranten-Milieus erkennen konnten, decken sich eindeutig mit unseren Erfahrungen", so Eberhard Baier, Teamleiter Statistik und Steuerungsunterstützung der Stadt Konstanz. Darüber waren sich auch die übrigen Workshop-Teilnehmer einig.

Da die microgeographischen Strukturen nun auch städteübergreifend vergleichbar sind, ermöglichen sie einen Erfahrungsaustausch, basierend auf einer verbindlichen Klassifikation von Migranten. Dass Integrationsmaßnahmen in Stadt A funktioniert haben und in Stadt B nicht, kann beispielsweise daran liegen, dass die Zielgruppen in den jeweiligen Städten oder Stadtquartieren ganz unterschiedlichen Milieus angehören. So wurde im Workshop z.B. deutlich, dass die Strukturen in Wiesbaden und Konstanz völlig unterschiedlich sind. Den Erfahrungsaustausch wollen die Städte und Verbände, die die Studie in Auftrag gegeben haben, in zukünftigen Veranstaltungen weiter vorantreiben.

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