Dentalexperten diskutierten Zukunftstrends bei CAD/CAM, Keramik und Kunststoffen

Prothetik trifft Wissenschaft: Meinungsaustausch bei Heraeus
Unter dem Motto (PresseBox) (Hanau/Wasserburg, ) Welche Anforderungen stellt die Zahntechnik von morgen an dentale Werkstoffe und Technologien? Diese Frage stand im Fokus des Heraeus Opinion Leader Events "Prothetik trifft Wissenschaft" vom 5. bis 7. Mai in Wasserburg am Bodensee. 24 Meinungsbildner aus Zahntechnik und Zahnmedizin diskutierten mit Entwicklern von Heraeus über Trends bei CAD/CAM, Keramik und Kunststoffen. Das Fazit der Teilnehmer: Die dentale Welt wird zunehmend digital und verändert sich schnell. Entscheidende Voraussetzungen für den Erfolg bleiben die sorgfältige Verarbeitung in Praxis und Labor und leistungsfähige Materialien, mit denen eine hochwertige Versorgung auch wirtschaftlich umsetzbar ist.

"Unser Ziel ist es, den offenen Austausch zwischen Zahntechnikern, Zahnmedizinern und Industrie zu fördern: Wo stehen wir, wo wollen und wo können wir gemeinsam hin?" eröffnete Ekkehard Jagdmann, Opinion Leader Manager bei Heraeus, die Veranstaltung. Den Blick der Experten auf die Zukunft der Zahntechnik bezieht Heraeus auch bei der Entwicklung neuer Dentallösungen ein. Neben Diskussionsrunden und Fachvorträgen nutzten die Teilnehmer die zweieinhalb Tage zum lockeren Gespräch unter Kollegen und erkundeten die Region rund um den Bodensee.

Neue prothetische Materialien und Verfahren bildeten den Schwerpunkt des Dental-Frühschoppens am Donnerstag. Dabei stellten Dr. Uwe Böhm, Leiter Forschung & Entwicklung (F&E) Prosthetics, und Dr. Klaus Ruppert, Leiter F&E Polymere, von Heraeus zahntechnische Entwicklungen und Zukunftsvisionen zur Diskussion.

Neue Werkstoffe und Indikationen für CAD/CAM

Die CAD/CAM-Technik bietet mit ihrer hohen Präzision schon heute viele Möglichkeiten gerade für anspruchsvolle Restaurationen wie Implantatarbeiten. Welche Indikations- und Materialerweiterungen hier in Zukunft sinnvoll sind, diskutierten die Teilnehmer rege. Beim Thema vollanatomischer, unverblendeter Zahnersatz aus Zirkonoxid gingen die Meinungen zwischen Zahntechnikern und Wissenschaftlern zunächst auseinander. "Die Morphologie der Kauflächen einfach abzuscannen und eins zu eins umzusetzen, halte ich für gefährlich", erklärte Funktionsdiagnostiker Peter Lerch aus Meikirch, Schweiz. Je nach Körperhaltung ändere sich die Kontaktführung, Fehlbisse würden zu Abrasionen der Antagonisten führen. "Zirkonoxid ist das härteste Material, das wir haben", warnte auch ZTM Martin Mormann aus Oelde vor einem Abrieb der natürlichen Zähne. Prof. Peter Pospiech, Direktor der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde der Universität des Saarlandes, konnte diese Bedenken entkräften: "Wir haben Untersuchungen hierzu durchgeführt: Letztlich entscheidet die Oberflächenqualität. Sehen Sie sich ein Stahlkugellager an, bei dem die glatten Flächen zu fast verschleißfreien Systemen führen. Bei gut polierten Zirkonoxidoberflächen ist die hohe Festigkeit kein Problem mehr." "Eine Alternative, z. B. für größere Arbeiten wie Quadrantensanierungen, könnten Hochleistungspolymere sein", stellte Dr. Böhm zur Diskussion.

In der Frage, ob bei Implantaten künftig Hybridabutments oder eher einteilige Abutments aus Zirkonoxid oder Titan die Lösung der Wahl sind, waren die Teilnehmer uneins. "Neben werkstoffkundlichen Aspekten spielen im Frontzahnbereich vor allem ästhetische Kriterien eine Rolle", wie Prof. Joachim Tinschert, praktizierender Zahnarzt und Dozent an der RWTH Aachen, betonte.

Kunststoffe: Plaqueresistenz und Farbtreue entscheidend

Worauf es bei Kunststoffmaterialien für die Prothetik ankommt, fasste Prof. Pospiech aus Behandlerperspektive zusammen: "Es muss halten, es darf sich keine Plaque anlagern und die Farbe muss stimmen." Den wirkungsvollsten Schutz gegen Plaqueakkumulation bilden neben regelmäßiger Reinigung glatte Oberflächen, da waren sich die Teilnehmer einig. "Prothetische Werkstoffe müssen leicht polierbar sein", forderte daher Prof. Tinschert. "Zahntechniker, Behandler und Patient erwarten natürlich, dass Zahnersatz lange sein ursprüngliches Erscheinungsbild behält. Aber auch die mechanischen Eigenschaften müssen stimmen", wies Dr. Ruppert auf die nötige Ausgewogenheit der Werkstoffe hin: Die Polierbarkeit dürfe nicht zu Lasten der Abrasionsresistenz gehen.

Auf reges Interesse stieß das Thema Farbnahme. "Als Hersteller von drei verschiedenen zahnfarbenen Laborprodukten haben wir bei Heraeus die Farbnahme immer auf dem Radar", erklärte Jagdmann. "Zähne und Verblendkeramik bzw. komposit müssen gerade bei Kombiarbeiten gut harmonieren." Die Zahntechniker bestätigten die hohe Farbtreue und die gute Kombinierbarkeit der Heraeus Materialien. "Was leider in der Praxis oft vergessen wird, ist die individuelle Abstimmung der Gingivafarbe", berichtete Prothesenspezialist ZTM Dieter Ehret aus Altheim. Vielen sei nicht bewusst, dass die Prothesenkunststoffe von Heraeus in sechs Farben verfügbar sind. Zahnärztin Dr. Andrea Wagner aus Neu-Anspach schickt ihre Patienten zur Farbnahme direkt ins nahe gelegene Labor: "Der Zahntechniker hat andere Lichtverhältnisse, sieht genau, welches Material er braucht, und ist entsprechend ausgebildet."

Was Prothesenkunststoffe angeht, sehen die Zahntechniker nach der Weiterentwicklung von PalaXpress ultra keinen aktuellen Entwicklungsbedarf. Das neue, besonders bruchsichere Kaltpolymerisat von Heraeus ist sicher zu verarbeiten und ermöglicht stabile, ästhetische Prothesen: "PalaXpress ultra lässt keine Wünsche offen", so der Tenor der anwesenden Zahntechniker. "Unser Labor ist von PalaXpress ultra überzeugt. Wir machen mittlerweile alles auf dem kalten Weg", lobte Laborinhaber Mormann.

Zirkonoxid und Verblendkeramik im digitalen Zeitalter

Vorträge zu aktuellen Entwicklungen bei CAD/CAM und Zirkonoxid sowie zu Verblendkeramiken leiteten die fachlichen Diskussionen am Freitag ein. F&E-Leiter Böhm gab einen Überblick über Gewinnung, Herstellung und Eigenschaften von Zirkonoxid und zeigte, welche Folgen diese für die werkstoffgerechte Verarbeitung in Praxis und Labor hat. "Keramik reagiert digital - entweder sie ist ganz oder kaputt", betonte Böhm. Für den Umgang mit dem gefrästen Gerüst heißt das, grundsätzlich so wenig wie möglich in Handarbeit nachzuarbeiten. Wohin geht die Zukunft bei CAD/CAM? Böhm sah Materialien, Technologien und Indikationen als die drei Felder, in denen in den nächsten Jahren viel passieren wird. Mit aufbauenden Verfahren wie Plotten, Selektivem Laser Melting und Stereolithographie sei die computergestützte Verarbeitung einer breiten Materialpalette vorstellbar - von weiteren metallischen und keramischen Werkstoffen bis hin zu neuen Hochleistungskunststoffen. Durch die zunehmende Digitalisierung wird es künftig eine Vielzahl möglicher Workflows von der Abformung bis zum fertigen Gerüst geben "Welche Rolle spielt denn da noch der Zahntechniker?", fragte ZTM Uwe Hruschka aus Nabburg. Böhm stellte klar: "Ohne die Labore geht es nicht. Klar ist aber auch: Die Anforderungen an die Ausbildung werden steigen. Im Rahmen der CAD/CAM-Technik ist zunehmend Spezialwissen gefordert."

Das sichere keramische Verblenden von Zirkonoxid, Edelmetall und Nichtedelmetall beleuchtete Jürgen Steidl, Geschäftsführer der Scientific Glass GmbH, die alle Dentalkeramiken von Heraeus entwickelt und produziert. "Auch Zirkonoxid kann mit einer hochwertigen und auf das Trägermaterial abgestimmten Verblendkeramik sicher und zuverlässig verblendet werden", so der Keramikexperte. Die hohen Abplatzungsraten bei Zirkonoxid erklärte er mit der häufigen Verwendung rein glasbasierter, leuzitfreier Verblendmaterialien. Diese wichen, im Gegensatz zu leuzithaltigem Material wie HeraCeram Zirkonia, im entscheidenden Bereich stärker vom WAK des Zirkonoxids ab und bauten beim Abkühlen so eine inhärente Spannung in die Verblendung ein. Zudem fehle ihnen die risshemmende Struktur der Leuzitkristalle. Eine Studie der Universität Heidelberg bestätigt die hohe Überlebensrate von leuzithaltigen Verblendkeramiken auf Zirkonoxid. Auch das Verblenden von Nichtedelmetallen hat Heraeus jetzt sicherer gemacht. "Die Verblendung von NEM-Legierungen ist generell kritischer als die von Edelmetallen: Eine übermäßige Oxidbildung an der Gerüstoberfläche beeinträchtigt den Haftverbund zur Verblendkeramik", berichtete Steidl. Heraeus hat jetzt einen speziellen Primer entwickelt, der hauchdünn aufgetragen die Oxide an der Legierungsoberfläche löst. Damit ermöglicht der neue HeraCeram NP-Primer eine optimale Benetzung der Gerüstoberfläche mit Opaker und sorgt so für einen sicheren Verbund zwischen NEM-Legierung und Verblendkeramik.

Hightech und Handarbeit für Zähne made in Germany

Wie Heraeus den Anforderungen der Labore mit modernster Technologie und sorgfältigem Qualitätsmanagement gerecht wird, erlebten die Teilnehmer bei der Führung durch die Wasserburger Zahnfabrik von Heraeus hautnah. Produktspezialist Stephan Berger und Standortleiter Frank-Uwe Stange zeigten den Zahntechnikern und Zahnmedizinern, wie die bewährten PALA Zahnlinien Premium und Mondial entstehen - von der Entwicklung der Formen bis zum manuellen Stecken der Zähne auf Zahnleisten. Modernste Fertigungstechnologien und Materialien gewährleisten dabei die gleichbleibend hohe Qualität aller Zähne. Das bestätigen laufende Qualitätskontrollen in jedem einzelnen Schritt der Produktion. Die computergestützte Entwicklung und Fertigung mittels CAD/CAM ermöglicht ein Höchstmaß an Präzision und garantiert absolute Pärchengleichheit, Funktions- und Maßtreue. Das INCOMP-Verfahren stellt lunker- und porenfreie Kunststoffzähne von extremer Dichte sicher. Die Teilnehmer staunten, wie viel technologisches Knowhow und sorgfältige Handarbeit in jedem PALA Zahn stecken, den sie im Labor verwenden.

Buntes Rahmenprogramm rund um den Bodensee

Ein attraktives Rahmenprogramm lud zum Entdecken der Bodensee-Region ein. Ob bei der Weinprobe im Staatsweingut Meersburg oder beim Abendessen auf Schloss Montfort, immer wieder nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit zum ungezwungenen Austausch unter Kollegen oder führten die Fachdiskussionen vom Vormittag im kleinen Kreis fort. Eine Jeep-Safari führte die Teilnehmer an einem Nachmittag durchs Dreiländereck Deutschland-Österreich-Schweiz. Hier konnten sie die gute Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt, Zahntechniker und Industrie in gemischten Teams unter Beweis stellen.

"Die Veranstaltung hat uns, Zahntechniker, Zahnärzte und Industrie näher zusammen gerückt", bedankte sich Ekkehard Jagdmann zum Abschluss für den fruchtbaren Austausch. "In Zukunft wollen wir öfter in dieser oder ähnlicher Konstellation zusammen kommen, um aktuelle Entwicklungen der Prothetik zu diskutieren, Informationen aus dem Markt aufzunehmen und in Entwicklungsprojekte zu integrieren. So gewährleisten wir, dass den aktuellen Expertenmeinungen in der Produktentwicklung bei Heraeus Rechnung getragen wird."

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