AUMA-Jahres-Pressekonferenz

(PresseBox) (Berlin, ) .
- Deutsche Messewirtschaft stabilisiert sich
- Überregionale Messen 2009 mit 4 % weniger Ausstellern
- AUMA begrüßt Erhöhung des Auslandsmesse-Etats
- Zahl deutscher Auslandsmessen nur leicht zurückgegangen

Die überregionalen Messen in Deutschland verzeichneten 2009 aufgrund der Wirtschaftskrise in erwartetem Umfang weniger Aussteller und Besucher. Die Resultate des 1. Halbjahres zeigen jedoch eine deutliche Stabilisierung, so dass für das gesamte Jahr 2010 mit einem nahezu konstanten Ergebnis zu rechnen ist. Dies betonte der Vorsitzende des AUMA_Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, Hans-Joachim Boekstegers, auf der Jahres-Pressekonferenz des Verbandes am 17. Juni 2010 in Berlin.

Die Zahl der Aussteller auf den 135 überregionalen Messen sei um 4,3 % zurückgegangen. Mit einem Minus von 3,5 % hätten die Inlandsbeteiligungen den Ausstellerrückgang begrenzt. Offensichtlich hätten die deutschen Aussteller bei der Realisierung von Sparmaßnahmen die heimischen Beteiligungen weitgehend verschont. Außerdem sei innerhalb Deutschlands die Inlandsnachfrage vergleichsweise stabil gewesen. Vor allem der Export sei für den Rückgang des Bruttoinlandsproduktes verantwortlich gewesen.

Die Zahl ausländischer Aussteller sei mit einem Minus von 5 % überdurchschnittlich zurückgegangen. Die Wirtschaftskrise habe sich, so Boekstegers, insbesondere im Welthandel niedergeschlagen, der 2009 erheblich geschrumpft sei. Dementsprechend hätten ausländische Aussteller besonders vorsichtig geplant.

Bei den Rückgängen ausländischer Beteiligungen gebe es starke regionale Unterschiede. So seien die Beteiligungen aus Russland um fast 40 % zurückgegangen, aus Japan um 13 % und aus Taiwan 12 %. Dagegen seien die Ausstellerzahlen aus den EU-Ländern nur um 3 % zurückgegangen, aus den USA und der VR China um 4 %.

Die vermietete Fläche sei mit -6 % stärker zurückgegangen als die Zahl der Aussteller. Zwar hätten nur wenige Firmen auf Beteiligungen verzichtet, aber die weiter ausstellenden Unternehmen hätten zum Teil ihre Standflächen reduziert. Dies sei grundsätzlich eine zweckmäßige Entscheidung, wenn vorübergehend gespart werden müsse. Denn, so Boekstegers, wer auf einer Messe fehle, falle eben auf, und zwar negativ.

Auf den Messen des Jahres 2009 sind im Vergleich zu den Vorveranstaltungen 8,4 % weniger Besucher gezählt worden. Der AUMA-Vorsitzende: "Das ist keine Überraschung, denn wer kein Geld zum Investieren hat, verzichtet auch vorübergehend auf die Informationsbeschaffung." Darüber hinaus seien Reisekosten - manchmal allzu schnell - von Sparmaßnahmen getroffen worden.

Auf den 135 überregionalen Messen des letzten Jahres wurden insgesamt 154.155 Aussteller, 5.781.738 m² vermietete Fläche und 8.916.693 Besucher gezählt.

Im Zuge der Wirtschaftskrise hätten sich keine nennenswerten Verschiebungen in der Bedeutung der Messetypen ergeben, so der AUMA-Vorsitzende. Jeder Messetyp - ob Weltleitmesse, eher nationale Messe oder Spezialmesse - habe seine Bedeutung, solange die Veranstaltungen einen klaren Fokus auf bestimmte Branchen, Regionen oder Besuchertypen hätten.

Aussichten für 2010 Die überregionalen Messen des 1. Halbjahres 2010 seien im Durchschnitt relativ stabil verlaufen. Offensichtlich sei die Messewirtschaft auf dem Wege der Besserung. Eine Rückkehr in die Wachstumszone zeichne sich aber für 2010 nicht ab, da Entscheidungen für Messebeteiligungen immer einen erheblichen Vorlauf benötigen. Der AUMA erwartet, dass die Aussteller-, Flächen- und Besucherzahlen für das gesamte Jahr 2010 in einem Korridor von 0 bis -2 % gegenüber den Vorveranstaltungen liegen werden, wobei die vermietete Fläche etwas darunter liegen könne.

Im internationalen Vergleich hätten sich die deutschen Messen als stabil erwiesen, teilweise hätten sie ihre Position noch relativ verbessert. Denn eine Reihe von Ländern wie Spanien, Großbritannien, Russland und die USA hätten im Messegeschäft zweistellige Rückgänge erlitten. Auch die Position innerhalb des Spektrums der Kommunikationsinstrumente sei stabil. Die deutschen Messen seien offensichtlich "nur" in einer Konjunkturkrise gewesen. Sie seien nicht in einer Strukturkrise.

Für die künftige Entwicklung der Messebranche regte Boekstegers an, auf Messen stärker als bisher die mittelfristige Zukunft von Branchen zu thematisieren, auch in Zusammenhang mit wissenschaftlichen Institutionen. Solche Themen seien oft Gegenstand von Kongressen. Sie seien aber auch hervorragend geeignet, Anziehungs- und Diskussionspunkte innerhalb von Messen zu schaffen.

Unterstützung für Auslandsmessebeteiligungen soll auf 41,5 Mio. Euro steigen Für die Unterstützung von Auslandsmessebeteiligungen der deutschen Wirtschaft sind im Bundeshaushalt 2010 rund 40 Mio. Euro eingeplant. Voraussichtlich werden 220 Beteiligungen in aller Welt damit realisiert. Boekstegers: "Das ist ein zufriedenstellendes Ergebnis. Gerade jetzt, zu Beginn des internationalen Aufschwungs, brauchen kleine und mittelständische Unternehmen eine Unterstützung ihrer Exportbemühungen."

Für 2011 ist ein Etat von 41,5 Mio. Euro geplant. Dies sei, so Boekstegers, eine erfreuliche Steigerung, aber angesichts steigender Nachfrage und erhöhter Kosten sei dies knapp kalkuliert.

Der AUMA setze sich deshalb weiter dafür ein, den Etat mittelfristig auf 45 Mio. Euro zu erhöhen. Dies sei auch notwendig, um eine angemessene Qualität der Auftritte zu sichern und die Zahl der Beteiligungen maßvoll auszubauen. Denn 2010 seien lediglich 223 Beteiligungen im Programm, während es vor fünf Jahren bereits 232 waren.

Boekstegers warnte davor, die Unterstützung des deutschen Exports zum Gegenstand von Sparmaßnahmen zu machen. Hier gehe es nicht um Subventionen zur Erhaltung von Strukturen, sondern um eine Anschubhilfe zur Erschließung neuer Märkte. Deutschland brauche weiter eine starke Exportindustrie. Manche andere Länder, die heute in finanziellen Schwierigkeiten seien, hätten eine solche Basis gern. Der AUMA-Vorsitzende kritisierte Pläne des Wirtschaftsministeriums, Spezial-Exportförderprogramme für einzelne Branchen zu etablieren. Das Instrument Messe sei von der Politik generell als effizientes Instrument der Exportunterstützung akzeptiert. Bei der Nutzung dieses Instruments solle nicht noch nach vermeintlich wichtigen und weniger wichtigen Branchen unterschieden werden.

Der AUMA-Vorsitzende betonte, das Messeförderprogramm des Bundes für Beteiligungen junger, innovativer Unternehmen an deutschen Messen werde immer stärker genutzt. Während sich 2008 erst 420 Aussteller auf 37 Messen beteiligten, seien es 2009 schon 540 auf 39 Messen gewesen. Für 2010 seien sogar 52 Messen im Programm enthalten. Dieses Programm sei ein Beispiel für ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis öffentlicher Unterstützung. Mit relativ wenig Geld - 3 Mio. Euro pro Jahr - gebe es wichtige Impulse zur Vermarktung von Innovationen junger deutscher Unternehmer.

Deutsche Messen in China weiter auf Wachstumskurs

Die Zahl der Auslandsmessen deutscher Veranstalter ist im Krisenjahr 2009 nur leicht zurückgegangen - von 220 Veranstaltungen im Jahr 2008 auf 211. Für 2010 sind sogar wieder 235 Veranstaltungen in aller Welt geplant. Im Vergleich zu den Vorveranstaltungen der Messen des Jahres 2009 sind die Ausstellerzahlen im Durchschnitt um 4,3 % zurückgegangen. Das ist dieselbe Größenordnung wie im Inlandsgeschäft, betonte der Geschäftsführer des AUMA, Dr. Peter Neven. Die Flächen seien jedoch bedingt durch Verkleinerung von Ständen deutlich stärker zurückgegangen, um 8,1 %. Bedingt durch starkes Wachstum bei einzelnen Publikumsmessen sind die Besucherzahlen im Durchschnitt sogar um 4,5 % gewachsen.

Die Rückgänge im Auslandsgeschäft sind, so Dr. Neven, regional sehr unterschiedlich verteilt. So habe es in China mit 3 % mehr Ausstellern und 10 % mehr Besuchern weiterhin Wachstum gegeben, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie in den letzten Jahren. In Russland waren jedoch zweistellige Rückgänge fast an der Tagesordnung. Im Durchschnitt gingen dort die Ausstellerzahlen der deutschen Messen um 16 % zurück, die Besucherzahlen um 13 %.

In der regionalen Verteilung der Auslandsmessen deutscher Veranstalter dominiert weiterhin die Region Süd-Ost-Zentralasien mit rund 56 %, gefolgt von den europäischen Nicht-EU-Staaten mit rund 22 %. Hier liegt der eindeutige Schwerpunkt auf Russland. Es folgen der Nahe und Mittlere Osten mit 8 % und Lateinamerika mit 6,6 %.

Die gegenwärtig laufende Weltausstellung EXPO 2010 in Shanghai nutzt der AUMA auch zur Information über den Messeplatz Deutschland. Denn im deutschen Pavillon werden, so der AUMA-Geschäftsführer, zahlreiche hochrangige Delegationen erwartet - aus der Politik, von chinesischen Verbänden und einzelnen hochrangigen Unternehmern. Der AUMA arbeite dabei eng mit dem Bundesministerium für Wirtschaft zusammen.

AUMA unterstützt Forschung und Bildung

Der AUMA hat zwei neue Projekte im Bereich Aus- und Weiterbildung in Angriff genommen. Seit 2009 kooperiert er mit der Stiftung "Jugend forscht". Allein 2009 hat er die Präsentationen junger Forscher auf sechs internationalen Messen in Deutschland unterstützt. Die Zusammenarbeit wird bis 2011 fortgesetzt.

Außerdem will der AUMA das Thema Messe im Wirtschaftsunterricht an allgemeinbildenden Schulen etablieren. Erster Schritt ist eine Kooperation mit einer Oberschule in Berlin, die im März 2010 begonnen hat. In 20 Unterrichtsstunden werden Messen als Marketing- und Rechercheinstrument sowie als Arbeitsplatz vorgestellt.

In Fragen der Nachhaltigkeit brauche die deutsche Messewirtschaft, so Dr. Neven, ihre Leistungen nicht zu verstecken. Sie habe bereits vor mehr als 15 Jahren international vorbildliche Umweltstandards gesetzt und auch in den letzten Jahren zahlreiche Maßnahmen realisiert, um ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Der AUMA bietet zum Thema Nachhaltigkeit eine Plattform für den Erfahrungsaustausch zwischen Ausstellern, Besuchern, Veranstaltern, Hallenbetreibern und Servicepartnern.

Kontakt

AUMA - Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V.
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