Die Strategie der Hiendl Kunststofftechnik: Der individuelle Weg zum nachhaltigen Erfolg

Helmut Hiendl, Geschäftsführer der H. Hiendl GmbH & Co. KG im Interview
Luftaufnahme der H. Hiendl GmbH & Co. KG in Bogen/Bayern (PresseBox) (Bogen, ) Die Entwicklung der Weltwirtschaft hat den Kostendruck auf die Kunststoffindustrie nochmals erhöht. Ihr Unternehmen, Herr Hiendl, wurde vor über 40 Jahren in Bayern gegründet. Sind Sie weiterhin entschlossen, in Deutschland zu produzieren und nicht in ein Niedriglohn-Land auszuweichen?

Helmut Hiendl: Die Antwort ist eindeutig: Wir sind hier, bleiben hier und werden auch in Zukunft hier in Niederbayern produzieren. Ohne wenn und aber.

Und wie begegnen Sie dem steigenden Preisdruck seitens des Marktes?

H. Hiendl: Klar ist, dass wir alles tun müssen, um unsere Kunden in ihrem Streben nach möglichst hoher Rentabilität zu unterstützen. Aber Produkte zu Niedrigstpreisen zu bieten ist nur ein Weg. Wer sich auf diesen Weg macht, muss seine Fabrik mitnehmen, in andere Länder, immer weiter Richtung Osten. Das wollen wir nicht.

Welche Perspektiven geben Sie Ihren Kunden?

H. Hiendl: Der Produktpreis steht nicht allein auf dem Prüfstand. Unsere Kunden interessiert die Gesamtwirtschaftlichkeit. Dazu müssen die Prozesskosten so niedrig wie möglich gehalten werden. Die Qualität der Erzeugnisse muss eine offensive Preispolitik abstützen. Und die Zufriedenheit mit den Produkten in der Anwendung muss hoch sein. Manch auf den ersten Blick billigerer Anbieter kann in der Bilanzierung aller Faktoren nicht mehr mithalten.

Das registrieren aber doch in erster Linie die Kunden, die längerfristig mit Ihnen arbeiten.

Wie sehr unsere ausgezeichnete Liefersicherheit und die kontinuierlich hohe Qualität unserer Fertigung zur Produktivität auf der Kundenseite beitragen, wissen natürlich die Kunden am besten, die Erfahrungen aus der Arbeit mit uns haben. Viele Vorteile erschließen sich aber schon von vornherein.

Welche zum Beispiel?

Wir produzieren zusätzlich zu Extrusionsprofilen auch Spritzgießteile. Damit reduzieren wir unserem Kunden die Anzahl von Partnern und Schnittstellen. Es ist zeitsparend, wenn er seine Problemstellung nur einem Ansprechpartner erläutern muss, der dieselbe Sprache spricht und auch noch die Erfahrungen aus der Bauelemente-Branche mitbringt. Das sorgt für eine hohe Effizienz und verringert die Fehlerwahrscheinlichkeit. Prozessstörungen in der gesamten Wertschöpfungskette auszumerzen, ist eine der interessantesten Ressourcen zur Kostensenkung und zur Steigerung der Rentabilität. An diesem Ansatz unserer Kunden richten wir uns aus.

Mit welchen weiteren Maßnahmen realisieren Sie dieses Versprechen?

H. Hiendl: Ein entscheidendes Element ist der weitere Ausbau unserer technischen Support-Kompetenz. Immer mehr unserer Kunden greifen schon in der Produktentwicklung und Konstruktion auf unser Know-how bezüglich der optimalen Produzierbarkeit zurück. Das verkürzt die Entwicklungszeiten und sorgt zum Beispiel für einen reibungsarmen Anlauf der Serienproduktion. Gewinne werden heute nicht im Absatzmarkt, sondern intern im Unternehmen erzielt, heißt es oft. Die perfekte Anlaufkurve ist ein schlagkräftiger Beleg dazu.

Die perfekte Produzierbarkeit wirkt sich ja über die gesamte Lebensdauer eines Produkts ertragsfördernd aus.

H. Hiendl: Tatsächlich stellen wir fest, dass unsere Kunden immer häufiger eine intensive Beratung bereits bei der Produktgestaltung suchen. In diesem frühen Stadium können Leistung und Kosten eines Produktes noch grundsätzlich optimiert werden. Aus diesem Grund lassen sich unsere Kunden gerne von uns schon bei der Artikelentwicklung unterstützen. 3D-Modelle, die wir mit unserer leistungsfähigen Ausstattung selbst erstellen können und Prototypen machen den Entwurf dann auch für den Kunden begreifbar. Gerade die Hinweise darauf, wo Probleme zu erwarten sind und die Vorschläge, wie man mit ihnen umgehen kann, werden sehr geschätzt. Viele Kunden bauen auch gerne auf unsere Werkstoffkenntnisse und lassen sich auf diesem Gebiet beraten. Die individuelle Betreuung geht dabei bis zur Entwicklung von produktspezifischen Werkstoffen für den einzelnen Kunden.

Dazu sind kontinuierliche Investitionen unerlässlich.

H. Hiendl: Das tun wir. Beispielsweise bei der Artikel- und Werkzeugkonstruktion.

Wir haben ein leistungsfähiges CAD Programm speziell für die Artikelentwicklung und Werkzeugkonstruktion angeschafft und unsere Mitarbeiter entsprechend geschult. Damit können wir noch besser auf Kundenwünsche bezüglich der Artikelgestaltung eingehen und auch deren Änderungswünsche ausgesprochen rationell umsetzen. Es ist ein sogenanntes Hybrid-Modellierungssystem, das sogenannte Solids und Flächenmodelle verbindet und uns erlaubt mit Freiformflächen schnell zu konstruieren. Schwierigkeiten, dass man zwar weiß was man konstruieren will, aber an vom System vorgegebene Grenzen in der Artikelgestaltung stößt, sind damit vorbei. Dieses System wird bei uns durchgängig an insgesamt sechs Arbeitsplätzen eingesetzt. Auch an den Programmierarbeitsplätzen für die CNC-Werkzeugmaschinen verwenden wir dieses System. So werden Reibungsverluste durch Schnittstellen und unterschiedliche Datenformate und damit einhergehende Fehler vermieden, Durchlaufzeiten verringert und letztlich Kosten gespart. Außer in EDV haben wir auch in Werkzeugmaschinen investiert. Mit der erhöhten Kapazität in diesem Bereich können jetzt mehr Projekte in kürzerer Zeit realisiert werden. Gerade die Kompetenz und die Durchlaufzeit im Werkzeugbau ist heute mit entscheidend, um im Markt kompetent agieren zu können.

Dieses Leistungskonzept erhöht die Komplexität in Ihrem Unternehmen aber nicht unerheblich...

H. Hiendl: Wir nehmen unseren Kunden einen Teil der Komplexitäten ab, die deren Wirtschaftlichkeit belasten. Als Unternehmen, das deutlich kleiner ist als das der Kunden, können wir das aber gut bewältigen. Außerdem können wir das besondere Know-how und die entsprechende technische Ausstattungen als spezialisiertes Unternehmen auch besser auslasten und mithin zu ökonomischeren Bedingungen vorhalten.

Welche Herausforderungen sehen Sie mittelfristig auf die Kunststoff-Industrie zukommen?

H. Hiendl: Die große Verschiebung zeichnet sich auf der Rohstoffseite ab. Die Kunststoffindustrie basiert heute immer noch fast vollständig auf fossilen Rohstoffen. Diese einseitige Ausrichtung auf Erdöl ist mittelfristig hoch problematisch. Die Rohölpreise werden, allen Schwankungen zum Trotz, in der kommenden Dekade wieder steil ansteigen. Dadurch wird mit Sicherheit ein plötzlich einsetzender immenser Druck zur kurzfristigen Einführung alternativer Konzepte kommen. Das wird sehr kostspielig werden. Zugleich wird sehr wahrscheinlich die Preisakzeptanz für konventionelle Kunststoffe bei Standard-Anwendungen einbrechen.

Gibt es Alternativen?

H. Hiendl: Die Kunststoffindustrie wird einen intelligenten Rohstoffmix einsetzen müssen, in dem nachwachsende Rohstoffe eine zunehmende Bedeutung haben werden. Ohne Verbreiterung der Rohstoffbasis drohen unserer Branche große Schwierigkeiten.

Befindet sich die Kunststoffindustrie in einer Sackgasse?

H. Hiendl: Keineswegs. Ich warne nur vor Einseitigkeit. Wer heute in den nötigen Wandel einsteigt und den flexiblen Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen aufnimmt, kann sich einen sanften, wirtschaftlich gut beherrschbaren Übergang sichern. Man kann sich neue Erfolgspotenziale erschließen, vielleicht sogar einen uneinholbaren Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern erlangen.

Welche Chancen bietet die Zukunft?

H. Hiendl: Spannend am Einsatz nachwachsenden Fasermaterials ist, dass man nicht einfach einen Rohstoff gegen ein anderes austauscht, und alles andere läuft wie bisher. Composite-Werkstoffe auf Naturfaserbasis erlauben durch die Variablen: Fasermaterial, Mengenverhältnisse und Verfahrenstechnik die Erzeugung von Materialien mit extrem unterschiedlichen Eigenschaften. Wir haben diese Möglichkeiten systematisch untersucht, zunächst in unserem Technikum und inzwischen auch in unserer Produktionsanlage, und erzielen beeindruckende Ergebnisse. Wir sind überzeugt davon: Hier tut sich ein neuer Markt auf, der für unsere Kunden sehr wichtig werden wird. Diese Werkstoffe besitzen hervorragende Steifigkeits- und Festigkeitseigenschaften zu günstigen Kosten. Diese attraktive Konstellation macht sie für die Bauelemente Branche hoch interessant. Die innovationsorientierten Unternehmen der Branche werden daraus neue Produkte ableiten, die den Markt verändern und eine neue Wachstumsdynamik einleiten werden. Die Entwicklung dahin hat schon begonnen. Und sie beschleunigt sich offenbar.

Kontakt

H. Hiendl GmbH & Co. KG
Industriestraße 5 + 6
D-94327 Bogen
Ingrid Kerscher
Serpa® - eine Marke der H. Hiendl GmbH & Co. KG
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Bilder

Social Media