18. Aachener ERP-Tage im Rückblick

Unternehmensprozesse, Software und Logistik im Zusammenspiel
FIR ERPTAGE Professor Günther Schuh (PresseBox) (Aachen, ) Die 18. Aachener ERP-Tage des FIR an der RWTH Aachen brachten an drei Tagen die aktuellen Trends und Entwicklungen in der ERP-Branche auf den Punkt. Die Veranstaltung, bestehend aus Workshops, einer Fachtagung und einer Ausstellung namhafter ERP-Anbieter, fand vom 9. bis zum 11. Mai im Business-Center des Aachener Fußballstadions Tivoli statt.

Das Veranstaltungsmotto "ERP ist Logistik." lockte über 200 Teilnehmer in die Tagungsräume. Unter den Referenten befanden sich namhafte Persönlichkeiten aus Forschung und Industrie, wie Professor Peter Nyhuis, Leiter des IFA an der Universität Hannover, Professor Paul Schönsleben, Leiter des BWI an der ETH Zürich oder Dr. Michael Brieke von der MAN Truck & Bus AG.

Sie beleuchteten in zwei Vortragssträngen, "ERP-Praxis" und "Excellence in Logistics", das Zusammenspiel von ERP-Systemen mit logistischen Unternehmensprozessen und stellten Fallbeispiele und aktuelle Trends vor.

Professor Günther Schuh, Institutsdirektor des FIR und Prorektor der RWTH Aachen, beschäftigte sich mit dem Thema "Produktion am Standort Deutschland. Vorsprung durch Echtzeit- und Wandlungsfähigkeit". Schuh betrachtete in diesem Zusammenhang, warum Unternehmen ihre Produktion derzeit nicht oder nur zeitverzögert an konjunkturelle Schwankungen anpassen können. "Die Produktion kann aufgrund mangelhafter Planungskonzepte sowie heterogener IT- und Datenstrukturen nicht flexibel und beherrschbar gemacht werden", so Schuh. Als einen Lösungsansatz stellte er die Prinzipien des "High-Resolution-Production- Managements" vor. Dabei handelt es sich um ein Planungskonzept, das mithilfe hochauflösender Daten und dynamischer Steuerungsmechanismen die starren Strukturen der bisherigen Planungslogiken zur Produktionsplanung und Steuerung ablöst. Dadurch werden die Produktionsprozesse effizienter unterstützt und schneller anpassbar.

Professor Schönsleben berichtete über "Das sich verändernde Konzept der Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Chancen für energieintensive Industrien". Er machte darauf aufmerksam, dass es für Unternehmen heute kaum möglich sei, wirtschaftliche Ziele zu erreichen, ohne ökologische Aspekte wie beispielsweise die CO2-Reduktion zu berücksichtigen. Politische Abkommen und Überlegungen, wie das Kyoto-Protokoll zur Ausgestaltung der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen oder die aktuellen Diskussionen zum Atomausstieg, spiegeln den Wunsch der Gesellschaft nach mehr Nachhaltigkeit wider. Unternehmen müssten demnach zunehmend energiewirtschaftlich produzieren und nicht nur zum ökonomischen, sondern auch zum ökologischen und sozialen Fortschritt beitragen. Professor Volker Stich, Gastgeber der Veranstaltung und Geschäftsführer des FIR, machte in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass Unternehmen stark verunsichert seien, weil unklar sei, inwieweit politische Entscheidungen zum Thema Energiewirtschaft in naher Zukunft die Produktionsprozesse beeinflussen könnten.

Eine Möglichkeit der energieeffizienten Produktions- und Logistikplanung stellte die Professorin Agnes Pechmann von der Hochschule Emden/Leer vor. Sie entwickelte an ihrer Hochschule einen Energiefahrplan, der es ermöglicht, die Energieeffizienz in die Produktionsplanung zu integrieren.

Den Abschluss der 18. Aachener ERP-Tage bildete der Vortrag von Professor Tobias Held von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Er fasste die Herausforderungen der nachhaltigen Logistik in einer dynamischen Welt zusammen und stellte heraus, dass die Logistik als Steuerungsfunktion in Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sie diene nicht nur dem Abbilden von Geschäftsmodellen, sondern auch deren Prägung. Zudem, so Held, unterstützten die Steigerung der Ölpreise und das Bepreisen von CO2 die wirtschaftliche Umsetzung der umweltorientierten Logistikziele. Transportkosten gewännen in Relation zu Produktions- und Lagerkosten künftig weiter an Gewicht. Auch die Flexibilität der Unternehmen gewänne gegenüber der Effizienz weiter an Bedeutung. "Die Tage statischer Lieferkettenstrategien sind vorbei. Es gilt, Logistiknetzwerke konstant zu beobachten und kontinuierlich neu zu bewerten", so Held.

Zusammenfassend wurde auf der Veranstaltung deutlich, dass Unternehmen ihre Prozesse und die IT so ausrichten müssen, dass sie nicht nur auf die interne Dynamik sondern auch auf externe Einflüsse, wie Bedarfsschwankungen oder Veränderungen wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen, reagieren können.

Die nächsten ERP-Tage finden vom 12. bis zum 14. Juni 2012 statt. Weitere Informationen zu der Veranstaltung sind online auf der Internetseite www.aachener-erp-tage.de abrufbar.

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FIR an der RWTH Aachen
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D-52074 Aachen
Caroline Crott
Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen
PR-Referentin
Dipl.-Wirt.-Ing. Niklas Hering
FIR an der RWTH Aachen
Bereich Produktionsmanagement
Dipl.-Ing. Maik Schürmeyer
FIR an der RWTH Aachen
Bereich Produktionsmanagement

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