Agrarrohstoffe im Aufwind: Langfristtrends sprechen für steigende Agrarpreise

(PresseBox) (Flörsheim, ) Das Wetter bereitet den Getreidebauern derzeit nicht nur hierzulande Kopfzerbrechen. In Europa drohen Ernteausfälle, weil es zu trocken ist. In den USA ist es hingegen zu nass und kalt - mit denselben negativen Konsequenzen. Die Folge: Die Preise für Weizen und Mais sind in den letzten Wochen wieder deutlich angestiegen. Solange keine Entspannung bei der Wetterlage in Sicht ist, dürfte dieser Trend anhalten. Viel interessanter aus Anlegersicht sind jedoch die langfristigen Perspektiven.

Auch auf lange Sicht spricht einiges für eine Fortsetzung der Preisspirale. Auf der Nachfrageseite nimmt die Weltbevölkerung unaufhaltsam zu - im Jahr 2050 werden voraussichtlich über neun Milliarden Menschen den Planeten bevölkern. Außerdem führt der wachsende Wohlstand in den Schwellenländern zu höherem pro Kopf-Nahrungsmittelkonsum. Nach einer Prognose der Welternährungsorganisation müssen in den nächsten vier Jahrzehnten 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr weltweit in die Nahrungsmittelproduktion investiert werden, um die zusätzlichen Nahrungsmittel bereit zu stellen.

„Auf der Angebotsseite werden die Anbauflächen für landwirtschaftliche Produkte durch die fortschreitende Urbanisierung zurück gedrängt“, sagt Georg Rankers vom Family Office, Rankers Finanzstrategien. „Die weltweit verfügbare Ackerfläche nahm in den letzten Jahren um jeweils 1 Prozent pro Jahr ab. Hinzu kommt die zunehmende Verwendung von Agrargütern für die Energieerzeugung. Daher müssen die Nahrungsmittelpreise deutlich steigen, um zusätzliches Angebot zu erzeugen. Bei allen Preisschwankungen dürfte die Grundtendenz bei den Agrarpreisen in den kommenden Jahren weiter nach oben zeigen.“ Zu den Profiteuren dieser Entwicklung zählen neben Unternehmen, die in der Produktion, Verarbeitung und dem Vertrieb von Agrarrohstoffen tätig sind, auch Zulieferer wie Düngemittel-, Pflanzenschutz- und Saatguthersteller.

Wie Anleger in Agrarrohstoffe investieren können

Die Anlageklasse Rohstoffe birgt Gefahren: Wer zum falschen Zeitpunkt in den falschen Markt investiert, kann sich rasch eine blutige Nase holen. Und Rohstoff ist nicht gleich Rohstoff: Die einzelnen Marktsegmente bieten ganz unterschiedliche Perspektiven.

Wer in Rohstoff-Zertifikate investiert, tut dies über Futures-Kontrakte und das hat Folgen: Direktinvestments in Rohstoffe sind in der Regel nur über Futures und futurebasierte Derivate möglich. Auch Agrarrohstoff-Zertifikate basieren auf entsprechenden Derivatekonstruktionen. Womit auch schon das wichtigste Grundproblem beim Handel mit Rohstoffen genannt ist: Wer in Rohstoff-Zertifikate investiert, kauft keine Kakaobohne und kein Büschel Weizen. Futures-Kontrakte sind Verträge mit Laufzeiten, in denen festgeschrieben ist, welchen Preis der Käufer am Laufzeitende für das jeweilige Gut bezahlt. Je nachdem, wie die Marktteilnehmer die weitere Entwicklung des Preises, der Lieferkapazitäten oder der Lagerbestände einschätzen, können Futures mit längerer Laufzeit teurer oder preiswerter sein als Futures mit kürzerer Laufzeit. Um mit Rohstoffzertifikaten Gewinne zu erzielen, reicht ein steigender Rohstoffpreis alleine nicht aus, falls dieser auch vom Markt so erwartet wird. Vielmehr setzen Käufer derartiger Papiere darauf, dass der Anstieg stärker ausfallen wird, als es der Markt erwartet. Andernfalls entstehen Verluste.

Anleger, die über futurebasierte Zertifikate in Agrarrohstoffe investieren möchten, aber nicht ständig die Preisentwicklungen der einzelnen Waren im Blick behalten wollen, können auf Zertifikate zurückgreifen, die einen Agrarrohstoff-Index als Basiswert haben. Auf dem Markt existieren Indizes, die sich nicht nur auf die Rohstoffe, sondern auf die so genannten Agribusiness-Unternehmen beziehen. Dazu zählen neben Unternehmen aus der Agrarproduktion auch Agrochemieunternehmen, Landmaschinen-Hersteller, Logistik-Firmen und spezialisierte Verarbeitungsbetriebe.

„Anleger sollten beim Kauf von Indexzertifikaten aber darauf achten, dass der jeweilige Basiswert ein Performance-Index ist, Dividenden also berücksichtigt werden“, betont der unabhängige Vermögensverwalter Rankers. „Daneben gilt es, auch den Devisen-Aspekt im Blick zu behalten: Rohstoffe werden immer in US-Dollar gehandelt. Wertet der Euro gegenüber dem US-Dollar ab, steigt die Wertentwicklung vice versa. Auch viele Agribusiness-Unternehmen in den Aktien-Indizes sind US-Firmen und die meisten Agrarzertifikate verfügen über keine Währungssicherung.“

"Für Anleger, die ihr Portfolio mithilfe der Anlageklasse Rohstoffe weiter diversifizieren möchten, sind Zertifikate, die einen breiter aufgestellten Rohstoff-Index als Basiswert haben, besser geeignet als Investments in einzelne Rohstoffe", rät Claudia Rankers, vom Family Office, Rankers Finanzstrategien. „Beachten sollten Anleger hier aber die Zusammensetzung. Angeboten werden zum einen Indexes, die sehr energielastig sind und Agrar-Rohstoffe unterbewerten. Ein anderer Index legt das Hauptgewicht in Agrarrohstoffe, dicht gefolgt von Energie. Und ein Dritter streut die Indexberechnung über die vier wichtigen Rohstoffklassen." Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung können Zertifikate, die einen breit aufgestellten Index als Basiswert haben, je nach Zusammensetzung des Index von der Entwicklung einer einzigen Rohstoffklasse besonders profitieren oder von Preisabschlägen stärker getroffen werden.

Auf Dünger, Saatgut und Verarbeiter setzen: Wer glaubt, dass bestimmte Unternehmen von einem Aufschwung des Agrarsektors profitieren, kann über Aktien und Fonds auf Einzelwerte setzen. Dazu zählen etwa Unternehmen aus den Bereichen Saatgut-Produzenten, Wasser-Versorger, Getreidehändler und Dünger-Hersteller. Einen guten Überblick dazu bietet der von der Deutschen Börse zusammengestellte Index Dax Global Agri Business, der die Performance der weltweit wichtigsten Unternehmen der Agrarwirtschaft abbildet. Experten rechnen damit, dass der Trend steigender Preise für Agrarrohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse in den kommenden Monaten anhalten wird.

Wer auf eine breite Streuung der Investments Wert legt, kann statt auf einzelne Aktien auch auf Themen-Fonds setzen, allerdings sind reine Agrar-Fonds eine Seltenheit. Mit thematisch breiter aufgesetzten Rohstofffonds verbuchten Anleger in jüngster Zeit teilweise zweistellige Wertzuwächse. Fonds profitieren nicht immer vollständig vom Kursgewinn der Rohstoffaktien. Denn diese notieren zumeist in US-Dollar. Die in Deutschland und in großen Teilen Europas vertriebenen Rohstofffonds aber führen den Euro als Handelswährung und sind nicht gegen ein Währungsrisiko gesichert.

Die langfristigen Triebfedern für steigende Agrar-Investments sind weiter intakt. Die Weltbevölkerung wird nach Berechnung der Vereinten Nationen von 6,6 Mrd. bis 2030 auf etwa neun Mrd. Menschen wachsen. Die Menschen in China und in bevölkerungsreichen Schwellenländern werden mit steigendem Wohlstand höherwertige Nahrungsmittel konsumieren. In China und Indien dürften rund 1,1 Mrd. Menschen bis zum Jahr 2025 in die mittlere Einkommensklasse aufrücken und dann auch ihren Fleischkonsum überdurchschnittlich steigern.

Zudem werden Agrarrohstoffe seit geraumer Zeit verstärkt zur Herstellung von Biotreibstoffen wie Ethanol und Biodiesel genutzt. Vor diesem Hintergrund dürfte das globale Angebot an Nahrungsmitteln die steigende Nachfrage nicht decken. Denn zum einen sind die weltweit verfügbaren Agrarflächen nicht beliebig ausdehnbar, und zum anderen stellt die begrenzte Verfügbarkeit von Wasser für die Agrarwirtschaft in der Welt ein Problem dar.

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