Die Thüringer haben eine sehr differenzierte Ansicht zur Nutzung der Atomkraft

Grafik 1: Einstellungen der Thüringer zur Nutzung der Atomkraft (PresseBox) (Ilmenau, ) In der aktuellen Debatte über den Ausstieg aus der Atomenergie lassen sich die Thüringer nicht von Emotionen leiten, sondern wägen zwischen den Argumenten genau ab. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des Instituts für Medien und Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Ilmenau. In der gerade beendeten repräsentativen Befragung von 551 Thüringer Bürgern stimmten 78,4 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass "das Risiko der weiteren Nutzung der Atomkraftwerke" zu hoch sei. Hintergrund für diese Einschätzung ist die durch den Reaktorunfall im japanischen Fukushima gewonnene Erkenntnis, dass derartige Unfälle auch in deutschen Atomkraftwerken geschehen können. Nur 14,4 Prozent der Befragten sind weiterhin der Ansicht, dass Vergleichbares in den hiesigen Atommeilern nicht geschehen könne. Der Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung stößt in der Thüringer Bevölkerung somit auf breite Zustimmung.

Die Wahrnehmung eines hohen Risikos bedeutet jedoch nicht, dass die Thüringer sich in ihrem Urteil überwiegend von irrationaler Angst leiten lassen. Das zeigt sich daran, dass zwar über drei Viertel der Befragten (78,4%) das Risiko als hoch bewerten, sich aber dennoch weniger als die Hälfte (45,5%) durch die Nutzung der Atomkraft persönlich bedroht fühlt. Ein übereilter Ausstieg findet dementsprechend in Thüringen keine Mehrheit: 58,8 Prozent stimmen der Aussage zu, dass ein schnellstmöglicher Atomausstieg keine gute Entscheidung sei. Eine mögliche Ursache hierfür könnte sein, dass der deutsche Alleingang eher skeptisch gesehen wird. 78,7 Prozent der Befragten meinen, dass ein Ausstieg ohne die europäischen Nachbarländer nichts bringt. Ein weiterer sehr wichtiger Grund für diese Zurückhaltung scheint die Sorge um steigende Energiepreise zu sein: 63,3 Prozent der Thüringer befürchten, dass die Strompreise ohne die Atomenergie zu stark steigen werden. Ganz anders hingegen die Einschätzung der Versorgungssicherheit: Eine deutliche Mehrheit ist der Ansicht, dass auch ohne Atomkraft die Lichter nicht ausgehen werden: 60,9 Prozent meinen, Deutschland könne den eigenen Energiebedarf auch ohne Atomkraft dauerhaft decken. Langfristig sehen die Thüringer aber auch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit, dass die Zukunft den erneuerbaren Energien gehört: 73,6 Prozent meinen, dass langfristig die erneuerbaren Energien billiger sein werden als die Atomkraft.

Prof. Jens Wolling, der Leiter der Untersuchung: "Die Befragungsergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Thüringer den Ausstieg aus der Atomenergie befürwortet. Auch wenn es in Thüringen keine Atomkraftwerke gibt, sind sich die Thüringer der Risiken dieser Form der Energieerzeugung durchaus bewusst und wünschen sich deshalb einen geordneten Ausstieg aus der Atomenergie." Ob es am Ende aber wirklich dazu kommt, darüber sind sich die Thüringer trotz der intensiven politischen Debatte in den letzten Wochen noch nicht sicher: 59,9 Prozent glauben, dass der Atomausstieg am Ende doch noch platzt.

Daten zur Befragung:
Die Befragung wurde vom 16.05. bis zum 04.06.2011 vom Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft der TU Ilmenau durchgeführt. Telefonisch befragt wurden 551 Personen über 18 Jahre in Thüringer Privathaushalten. Die Befragung wurde im Rahmen des durch das Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK) geförderten Forschungsprojekts "Residens" (B 514-09025) durchgeführt, Ansprechpartner.

Kontakt

Technische Universität Ilmenau
Ehrenbergstraße 29
D-98693 Ilmenau
Marco Frezzella
Technische Universität Ilmenau
Pressesprecher
Prof. Jens Wolling
Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft

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