Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im August 2011[1]

(PresseBox) (Berlin, ) Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft legte im zweiten Quartal eine Pause ein. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhöhte sich preis-, kalender- und saisonbereinigt[2] gegenüber dem Vorquartal nur leicht um 0,1 %[3]. Im ersten Quartal hatten eine kräftige Frühjahrsbelebung und Nachholeffekte vornehmlich im Baubereich zu einem Anstieg des BIP von 1,3 % geführt. Im zweiten Quartal kam es dann zu der erwarteten Normalisierung und insbesondere im Baubereich zur Korrektur. Stützende Sondereffekte waren nicht zu verzeichnen. Vielmehr wurde das weltwirtschaftliche Umfeld schwieriger. Dies bewirkte, dass der Außenhandel im zweiten Quartal per saldo das Wachstum dämpfte. Wachstumsbeiträge kamen jedoch aus dem Inland. Die privaten Konsumausgaben schwächten sich nicht zuletzt aufgrund steigender Energiepreise zwar etwas ab. Die Investitionen in Ausrüstungen entwickelten sich jedoch weiter positiv. Auch kam es zu einem vermehrten Vorratsaufbau.

In der absehbaren Zukunft dürften die außenwirtschaftlichen Impulse gedämpft bleiben. Insgesamt werden die Auftriebskräfte aber die Oberhand behalten. Sie haben sich wie erwartet stärker auf die Binnenwirtschaft verlagert. Gerade die binnenwirtschaftliche Investitionsnachfrage ist aber auch von der Entwicklung der Auslandsnachfrage nach deutschen Waren abhängig. Insgesamt ist daher erst einmal von weniger starken Auftriebskräften auszugehen. Die deutsche Wirtschaft dürfte daher nach dem rasanten Aufholprozess nunmehr auf einen flacheren Wachstumspfad einschwenken.

Das Produzierende Gewerbe stützte auch im zweiten Quartal die wirtschaftliche Entwicklung. Mit einem Zuwachs um saisonbereinigt 1,1 % schwächte sich seine Dynamik aber erwartungsgemäß ab. Die Industrieproduktion nahm dennoch weiter deutlich um 2,0 % zu. Nicht zuletzt der Arbeitsausfall aufgrund mehrerer Brückentage führte dazu, dass die industrielle Erzeugung im Juni nachließ (-0,9 %). Das stärkere Wachstum der Industrieproduktion im zweiten Quartal wurde wie schon im ersten Quartal mit dem Inlandsgeschäft erzielt. Die Perspektive für die Industrieproduktion ist den Indikatoren zufolge weiterhin positiv. Die Auftragseingänge nahmen allein im Juni um 1,8 % und im zweiten Quartal deutlich um 3,2 % zu. Die Aufträge aus dem Inland wuchsen stärker als die Auslandsaufträge. Vor allem die Nachfrage nach Investitionsgütern erhöhte sich kräftig. Hierzu trugen weit überdurchschnittliche Großaufträge, die erst nach und nach produktionswirksam werden, maßgeblich bei. Insgesamt ist daher in den kommenden Monaten mit einer weiteren, aber etwas weniger starken Expansion der Industrieproduktion zu rechnen. Diese Einschätzung wird auch durch die Entwicklung der Stimmungsindikatoren untermauert.

Im Bauhauptgewerbe kam es nach der starken Expansion im ersten Quartal zu einer leichten Korrektur im zweiten Quartal um 1,2 %. Im Juni fiel der Rückgang mit 4,5 % auch wegen der bereits erwähnten Brückentageffekte stärker aus. Der Vorjahresstand wurde im zweiten Quartal arbeitstäglich bereinigt aber weiterhin um 4,8 % übertroffen. Die Perspektiven für das Bauhauptgewerbe bleiben ebenfalls positiv. Die Auftragseingänge haben sich im bisherigen Jahresverlauf merklich belebt. Insbesondere der Wohnungsbau profitiert von den niedrigen Hypothekenzinsen. Das Bestellvolumen des Bauhauptgewerbes legte so im Dreimonatsvergleich Stand Mai um +8,2 % zu. Das Geschäftsklima unterstreicht die positiven Perspektiven. Es hellte sich seit dem Jahreswechsel zusehends auf.

Von den privaten Konsumausgaben gingen im zweiten Quartal keine Impulse aus. Steigende Energiepreise und Sonderfaktoren wie die EHEC-Seuche sowie Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Schuldenkrise im Euroraum wirkten dämpfend. Trotz starkem Anstieg im Juni um 4,5 % ging das Umsatzvolumen im Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) im zweiten Quartal um 0,3 % zurück, und auch der Handel mit Kraftfahrzeugen war zuletzt deutlich im Minus. Laut den umfragebasierten Klimaindikatoren ist die Stimmung der Einzelhändler und Verbraucher weiterhin zuversichtlich. Die anhaltend positive Entwicklung der Beschäftigung bleibt eine wichtige Determinante der Entwicklung der verfügbaren Einkommen. Insgesamt sollten daher nach der kleinen Flaute im zweiten Quartal die privaten Konsumausgaben eine Stütze des gesamtwirtschaftlichen Wachstums bleiben.

Die Dynamik des deutschen Außenhandels schwächte sich im zweiten Quartal merklich ab. Per saldo dämpfte der Außenhandel das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Dabei entwickelten sich die Einfuhren besser als die Ausfuhren. Die Exporte erhöhten sich in jeweiligen Preisen im zweiten Quartal um 2,2 %. Zuletzt im Juni wurden etwas weniger Waren ausgeführt als im Vormonat. Die Wareneinfuhren nahmen im zweiten Quartal um 3,5 % und im Juni um 0,3 % zu. Der starke Quartalsanstieg mündete teilweise in einen vermehrten Vorratsaufbau. Von den nationalen und internationalen Frühindikatoren kommen derzeit gemischte Signale, die auf eine zwar anhaltende, aber weniger starke weltwirtschaftliche Dynamik hindeuten. Tendenziell dürfte der Außenhandel angesichts der hohen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportunternehmen trotz der Eintrübung der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf einem moderaten Expansionskurs bleiben.

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter positiv, wenngleich nicht mehr so dynamisch wie im wachstumsstarken ersten Quartal. Die Erwerbstätigkeit im Inland stieg im Juni saisonbereinigt um weitere 36.000 Personen. Der Schwerpunkt lag nach wie vor bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Sie nahm im Mai außerordentlich kräftig um saisonbereinigt 86.000 Personen zu. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist weiter hoch. Die Arbeitslosigkeit bleibt auf dem Rückzug. Die Abnahme fiel im Juli mit saisonbereinigt -11.000 Personen aber etwas weniger deutlich aus als im Frühjahr.

Das Preisklima hat sich mit Rückgang der Energiepreise im Mai und Juni wieder etwas beruhigt. Die Inflationsrate ist mit einem leichten Anstieg im Juli auf 2,4 % aber weiterhin hoch. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Verbraucherpreise um 0,4 % an. Dies war teilweise saisonbedingten Faktoren zuzuschreiben. Aber auch die Energiepreise zogen wieder an. Die Kerninflationsrate - also die Preissteigerung ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel ? erhöhte sich leicht auf 1,6 %.

Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der September-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe wird voraussichtlich Mitte der 34. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden sein.

[1] In diesem Bericht werden statistische Daten verwendet, die bis zum 16. August 2011 vorlagen.
[2] Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich um nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA saisonbereinigte Angaben.
[3] Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes vom 16. August. Die ausführlichen Ergebnisse des zweiten Quartals werden am 1. September veröffentlicht.

Kontakt

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Scharnhorststr. 34-37
D-10115 Berlin
Jennifer von Rymon-Lipinski
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Referat L1 / Büro Pressereferat
Social Media