Herausforderung Demenz in der Pflege

Thementag Versorgung von Menschen mit Demenz auf der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG
(PresseBox) (Leipzig, ) .
- PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG Fachmesse und Kongress für professionelle Pflege, Betreuung und Homecare-Versorgung
(27. bis 29. September 2011)

Rund 1,3 Millionen an Demenz erkrankte Menschen leben in Deutschland. Sofern es keinen Durchbruch bei Vorbeugung oder Therapie gibt, könnten 2030 rund 2 Millionen und 2050 bis zu 2,6 Millionen Menschen von der Krankheit betroffen sein ("Demenz-Report", Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, 2011). Aktuelle Betreuungskonzepte stehen deshalb im Mittelpunkt des Thementages "Versorgung von Menschen mit Demenz" am 28. September 2011 im Rahmen des Managementkongresses der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG. Partner ist die Alzheimer Gesellschaft Sachsen.

"Die Zahl der pflegebedürftigen Patienten mit Demenz wächst. Zugleich verringern sich die Pflegemöglichkeiten innerhalb der Familien, und professionelles Pflegepersonal kann dies nicht auffangen", umreißt Sabine Jansen, Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, das Problem. Gerade in den von Abwanderung geprägten strukturschwa-chen Regionen wie weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, den Randgebieten Brandenburgs sowie abseits größerer Städte in Sachsen-Anhalt und Sachsen beschleunige sich diese Entwicklung - eine Folge des demografischen Wandels, denn die Krankheit trifft vor allem Ältere. So liege laut "Demenz-Report" die östlichste Ecke Deutschlands mit geschätzten 2.190 Erkrankten je 100.000 Einwohner weit über dem deutschen Durchschnitt von etwas über 1.600 Fällen. Besonders betroffen sei heute bereits das sächsische Hoyerswerda, gefolgt von Görlitz und Dessau.

Erweiterte Versorgungs- und Betreuungskonzepte

Speziell die Krankenhäuser müssten sich auf die Versorgung älterer Patienten mit Demenz vorbereiten. Damit wird sich ein Schwerpunkt des Thementages befassen. "Der Freistaat Bayern ist Vorreiter, in Zusammenarbeit mit den Alzheimer Gesellschaften in Bayern werden dort an sieben Standorten unter anderem Krankenhausmitarbeiter in einem Modellprojekt geschult. Auch in Niedersachsen gibt es eine ähnliche Initiative", berichtet Sabine Jansen.

Zudem steige in den kommenden Jahren die Zahl allein lebender Demenzkranker. "Damit sie so lange wie möglich in ihren Wohnungen bleiben und am sozialen Leben teilnehmen können, brauchen wir neue Konzepte", so Jansen. In Leipzig werde zum Beispiel die Arbeit von Mehrgenerationenhäusern vorgestellt, deren Tagesangebote wie Kurse, Yoga oder Tanzgruppen sich Menschen mit Demenz zunehmend öffnen. "Das Mehrgenerationenhaus Norden in Niedersachsen bezieht bei Begegnungstagen von Altenheimen und Kindertagesstätten Menschen mit Demenz ein. Die Radebeuler Einrichtung veranstaltete in diesem Jahr ein Sommerfest mit Alpakas, denn an Demenz Erkrankte reagieren positiv auf den Kontakt mit Tieren", nennt Sabine Jansen Beispiele.

Wesentlich für eine individuellere Versorgung sei ein besseres Zusammenspiel von professioneller Pflege und ehrenamtlicher Betreuung: "Dazu gibt es erste Ansätze, von der Kurzschulung von Laienhelfern bis zur ehrenamtlichen Arbeit, in der würdevollen Sterbebegleitung." Ein positives Beispiel sei das 2011 etablierte Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein, welches mit finanzieller Hilfe der Landesregierung vorhandene Angebote sowie fachlichen Austausch bündelt.

Ungleichheiten beseitigen

Die Beseitigung der Unterschiede bei den in Ost und West gezahlten Pflegesätzen mahnt Knut Bräunlich an, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Sachsen und Geschäftsführer Sozialservice gGmbH der Stadt Rochlitz: "Zwischen stationären Einrichtungen in Sachsen und Baden-Württemberg betragen diese zum Beispiel bis zu 800 Euro monatlich pro Pflegestufe und Fall." Damit würden die Rahmenbedingungen in den heute schon strukturschwachen Regionen zusätzlich verschlechtert. Ein weiteres Manko liege im nicht altersgerechten Wohnungsbau. So seien in Rochlitz für 6.000 Einwohner nur fünf Häuser mit Fahrstuhl ausgestattet. "Für etliche Pflegebedürftige sind Treppen jedoch ein unüberwindbares Hindernis, und sie können deshalb an Angeboten der Tagespflege nicht teilnehmen. Denn den Einrichtungen stehen für Transportkosten lediglich 4,50 Euro pro Gast zur Verfügung - das reicht nicht, um Helfer einzusetzen."

Zum Thementag Versorgung von Menschen mit Demenz wird Knut Bräunlich den "Demenzatlas 2011" für Sachsen vorstellen.

Hintergrund: Demenz

Demenz ist abgeleitet vom lateinischen Wort dementia ("ohne Verstand") und bedeutet den fortschreitenden, unwiederbringlichen Verlust wesentlicher Gehirnfunktionen. Nach und nach schwinden Gedächtnis, Orientierung, Sprache, Urteilsvermögen und Lernfähigkeit bis hin zu körperlichen Funktionen. Dagegen bleibt das Gefühl bis zum Schluss erhalten. Die Alzheimer-Demenz ist die häufigste Form der Demenzerkrankungen. Bei diesem Krankheitsbild lagern sich Eiweiße im Hirngewebe ab (Amyloid-Plaques). Es wurde 1906 vom deutschen Neurologen Alois Alzheimer erstmals wissenschaftlich beschrieben.

Programm Thementag Versorgung von Menschen mit Demenz

Der Thementag Versorgung von Menschen mit Demenz am 28. September 2011 ist Teil des Managementkongresses der PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG. Die Teilnehmer erhalten im Rahmen der freiwilligen Registrierung beruflich Pflegender sechs Punkte (Tagesticket) beziehungsweise drei Punkte (Halbtagesticket). Die Tagestickets für den Managementkongress kosten bei Einzelanmeldung 110 Euro, die Halbtagestickets 60 Euro. Zudem berechtigen sie am Buchungstag zum freien Zutritt zur Fachmesse. Interessierte können sich bis zum 8. September online anmelden. Das Programm des Thementages:

09:00 bis 10:30 Uhr: Teil 1

Demenz geht uns alle an - zur Situation von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen (Sabine Jansen, Deutsche Alzheimer Gesellschaft)
Wenn ehrenamtliche Arbeit Freude macht und anderen Menschen Rat und Hilfe bietet: Eine Diagnose - Patientenerfahrungen in der Angehörigenarbeit (Klaus Wudmaska, Alzheimer Gesellschaft Plauen-Vogtland, Selbsthilfe Demenz)
Palliativversorgung von Menschen mit Demenz (Ingo Vester, ASB, Haus am Silbersee)

11:00 bis 12:30 Uhr: Teil 2

Mehrgenerationenhäuser und Stadtteilzentren als Orte für Menschen mit Demenz (Eva Helms, Convitas)
Ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz (Lysann Kasprick, AG Palliativnetzwerk für Leipzig und Umgebung)
Demenzatlas 2011 für Sachsen (Knut Bräunlich, Sozialservice gGmbH der Stadt Rochlitz)

14:30 bis 16:00 Uhr: Teil 3

Moderation: Hans-Werner Bärsch, Förderverein Altershilfe Muldental Demenzkranke Patienten im Krankenhaus, Übergangspflege (Annett Berger, Muldentalkliniken GmbH, Gemeinnützige Gesellschaft; Silke Skupin, Altenheimgesellschaft Muldental gGmbH)
Pflegeüberleitung im Zusammenhang mit dem Expertenstandard "Entlassungsmanagement" (Silke Skupin)
Erfahrungen einer Überleitungsschwester (Silke Skupin, Elisabeth Facius, Muldentalkliniken GmbH, Gemeinnützige Gesellschaft - angefragt)
Anwendung des Begleitheftes der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. :"Informationsbogen für Patienten mit einer Demenz bei Aufnahme ins Krankenhaus" (Silke Skupin)

16:30 bis 18:00 Uhr: Teil 4

Personenzentriertes Arbeiten mit Menschen mit Demenz (Christiane Dumke, Zentrum für Forschung, Weiterbildung und Beratung an der ehs Dresden gGmbH)
Bedeutung der Selbsthilfegruppen "Alzheimer-/Demenz-Angehörige" in der Zusammenarbeit mit Angehörigen und Pflegenden (Hans-Werner Bärsch)

Hintergrund: PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG 2011

Die Fachmesse ist die einzige Fachveranstaltung in Deutschland, die alle Kernbereiche der professionellen Pflege, Betreuung und Homecare-Versorgung gleichwertig anspricht. Mit der Kombination aus Fachmesse und Kongress bietet die PFLEGE + HOMECARE LEIPZIG für Management und Fachpersonal den wichtigsten Branchentreff im Herbst. Der begleitende Kongress gehört zu den größten Fortbildungsveranstaltungen des Gesundheitswesens in Deutschland. 2.100 Kongressteilnehmer nutzten 2009 das Angebot von mehr als 100 Veranstaltungen mit 250 Referenten. 311 Produktanbieter, Dienstleister sowie Verbände und Institute präsentierten sich in der Fachausstellung.

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Maren Lesche
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