Markt stellt Unterhaltungselektronik vor Herausforderungen

Ergebnisse von GfK Retail and Technology für das erste Halbjahr 2011
(PresseBox) (Nürnberg, ) Der Markt für Unterhaltungselektronik verzeichnet einen deutlichen Rückgang im ersten Halbjahr 2011. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sinkt der Umsatz in Westeuropa insgesamt um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gründe hierfür sind fehlende Impulse durch Sport-Großereignisse, vorgezogene Käufe aufgrund der Analog-Abschaltung in einigen europäischen Ländern sowie die Finanz- und Währungskrise im Euro-Raum. Dennoch finden sich in allen Warengruppen auch innovative Wachstumssegmente. Das sind aktuelle Ergebnisse von GfK Retail and Technology anlässlich der IFA 2011 in Berlin.

Im Vergleich zum Vorjahr in dem Ereignisse wie die Olympischen Spiele, die Fußballweltmeisterschaft sowie die Abschaltung des analogen Fernsehsignals beispielsweise in Frankreich und Italien dem Markt für Unterhaltungselektronik einen enormen Schub verliehen haben, fehlen diese Impulse in diesem Jahr. Hinzu kommt, dass die anhaltende Finanz- und Währungskrise in Europa weiterhin die Verbraucher verunsichert. Dies hat zur Folge, dass sowohl Um- als auch Absatz von Unterhaltungselektronik in den sechs westeuropäischen Ländern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande und Spanien in der ersten Jahreshälfte deutlich zurückgehen.

Fernseher: große Bildschirme im Trend

Die westeuropäischen Länder zeigen ein Umsatzminus im Fernsehmarkt von 14 Prozent. Gemessen am Jahr 2009, in dem es ebenfalls keine nennenswerten Impulse durch Sport-Großereignisse gab, verzeichnet der Absatz von Fernsehern ein deutliches Plus von 28 Prozent. Der Umsatzanteil von Fernsehgeräten innerhalb der Unterhaltungselektronik ist weiter hin steigend und liegt aktuell bei knapp über 73 Prozent. Allerdings ist der Absatz von Flachbildgeräten im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010 in Westeuropa um 8 Prozent gesunken und auch die Preise sind weiter rückläufig. Innovationen wie HDTV, 3D oder internetfähige Geräte können diese Entwicklung derzeit zwar nicht aufhalten, jedoch sind Kunden bereit für diese Produkte auch tiefer in die Tasche zu greifen. Besonders LED-Fernseher mit einem Umsatzanteil bei LCD-Fernsehern von 56 Prozent im ersten Halbjahr 2011 erfreuen sich durch schlankes Design und energieeffizienter Technik hoher Beliebtheit. Internetfähige Geräte generieren in den ersten sechs Monaten ein Drittel des Umsatzes im Fernsehmarkt.

Nach wie vor sind 32-Zoll-Geräte die gängigste Kategorie, jedoch sinkt deren Umsatzanteil auf 28 Prozent im ersten Halbjahr 2011. Der Trend geht auch im LCD-Markt in Richtung Großbild - Fernseher mit 40 Zoll und mehr kommen derzeit auf einen Umsatzanteil von beinahe 50 Prozent, Tendenz steigend.

Der integrierte digitale Tuner zählt ebenso zum Standard wie die Full-HD-Fähigkeit. Bereits 16 Prozent Umsatzanteil entfällt auf 3D-fähige Fernseher. Dennoch sinkt der Durchschnittspreis eines Fernseh-Gerätes um 7 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010. In den Segmenten LED und 3D sogar jeweils um 39 Prozent. Mit durchschnittlich 459 Euro für einen LCD-Fernseher und 748 Euro für eine Plasma-Fernseher (Stand: erstes Halbjahr 2011) geben die Konsumenten in Westeuropa also deutlich weniger aus als vor einem Jahr - bei gleichzeitig steigender Produktausstattung.

In Westeuropa wird für 2011 ein Absatz von insgesamt 39 Millionen TV-Geräten geschätzt. Gerade für 3D-fähige Fernseher sind die Aussichten sehr positiv: Insgesamt erwartet GfK Retail and Technology 6,4 Millionen verkaufte 3D-Fernseher in Westeuropa.

DVD/Blu-ray-Player und -Recorder: Kunden bevorzugen hochwertige Ausstattung

Der westeuropäische Markt für DVD- und Blu-ray-Player und -Recorder ist auch im ersten Halbjahr 2011 rückläufig. Während in einigen Ländern wie zum Beispiel Spanien der Umsatz mit DVD- und Blu-ray-Playern teils um über 40 Prozent einbricht, ist der Rückgang in Deutschland mit 12 Prozent noch vergleichsweise moderat.

Hauptursache für den Rückgang ist eine stark sinkende Nachfrage nach klassischen DVD-Playern, von denen in Westeuropa 29 Prozent weniger verkauft wurden. Positiv entwickelt sich dagegen der Markt für Blu-ray-Player, der um 20 Prozent auf rund 1,5 Millionen Stück zulegen konnte. Allerdings lassen stark fallende Durchschnittspreise den Umsatz bei Blu-ray-Playern lediglich um 5 Prozent wachsen. Weiter ein Nischenprodukt bleiben Blu-ray-Recorder. Der Anteil 3D-fähiger Blu-ray-Player liegt mit rund 34 Prozent wesentlich über dem 3D-Anteil bei Fernsehern. Dies liegt unter anderem daran, dass hochwertige Ausstattungen wie 3D oder Netzwerkfähigkeit mittlerweile auch bei Mittelklassegeräten Standard sind. Generell werden offenbar außerdem 3D-Fernseher verstärkt zusammen mit den passenden 3D-fähigen Blu-ray-Playern gekauft.

Camcorder: Multimedia-Kameras und HD-Technologie gefragt

Der Gesamtmarkt für Camcorder sinkt im ersten Halbjahr 2011 in Westeuropa gegenüber dem Vorjahr um minus 12 Prozent auf 1,7 Millionen Geräte. Der Umsatz geht um 21 Prozent auf knapp 400 Millionen Euro zurück. Nur in Großbritannien kann durch den Erfolg der Multimedia-Kameras der Camcorder-Markt hinsichtlich der verkauften Stückzahlen um 8 Prozent zulegen. Durch deren relativ geringeren Durchschnittspreis geht allerdings auch dort der Umsatz wie in allen anderen Ländern um 20 Prozent zurück.

Während insgesamt die Verkäufe von Multimedia-Kameras in Westeuropa nahezu stabil sind, geht der Absatz der traditionellen Camcorder um 17 Prozent zurück. Die Absätze sind trotz eines anhaltenden Trends hin zu HD-Camcordern, mit mittlerweile 57 Prozent Verkaufsanteil und 72 Prozent Umsatzanteil, insgesamt um 10 Prozent rückläufig.

Hifi /Home-Theatre-Systeme: Docking-Systeme und Internetradios beliebt

Für Hifi - und Home-Theatre-Geräte investieren Kunden in Westeuropa knapp 7 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2010. Deutschland nimmt hier im Vergleich zu den anderen westeuropäischen Ländern eine Sonderstellung ein und verzeichnet ein Umsatzplus von 4,6 Prozent, während sich die anderen Märkte überwiegend negativ entwickeln.

Wachstumssegmente im Home-Audio-Markt sind nach wie vor voll ausgestattete Audio-Systeme mit MP3-Docking-Station, die für 20 Prozent des Umsatzes verantwortlich sind, Systeme mit Internetradio, deren Umsatz um 40 Prozent steigt, sowie Surround-Sound-Produkte. Stark nachgefragt werden Geräte mit integriertem Blu-ray-Player, die ein Umsatzplus von 46 Prozent verzeichnen. Innerhalb der Home-Theatre-Systeme steigt deren Mengenanteil auf 37 Prozent an. Der Lautsprechermarkt entwickelt sich trotz nahezu stabiler Nachfrage in der Menge mit minus 8 Prozent weniger Umsatz rückläufig. Großer Beliebtheit erfreuen sich hier die so genannten Soundbars. Sie gehen mit dem steigenden Absatz von Großbild-LED-Fernsehern einher und verzeichnen einen Umsatzanstieg von 25 Prozent.

Tragbare Audiogeräte: Konkurrenz durch Smartphone und Co

Im ersten Halbjahr dieses Jahres geben die westeuropäischen Konsumenten rund 17 Prozent weniger für tragbare Audiogeräte aus. Hauptursache dafür ist die sinkende Nachfrage nach MP3- und MP4-Playern, von denen 19 Prozent weniger verkauft werden. Derzeit bekommen die Audiospezialisten zunehmend Konkurrenz durch Smartphones und Handys, die standardmäßig ebenfalls Musik abspielen können. Besonders stark brach der Umsatz mit einem Minus von 29 Prozent im überaus wichtigen Markt Großbritannien ein, während er in Deutschland und Italien nur jeweils um 13 beziehungsweise 12 Prozent zurückging.

Ebenfalls schwierig ist die Situation für traditionelle tragbare Audiogeräte. Allerdings entwickeln sich einzelne Bereiche, wie Standalone-Internetradios, designorientierte Tischradios oder Radiorecorder an die tragbare Mediaplayer angeschlossen werden können, durchweg positiv. Eine Trendwende ist derzeit jedoch nicht in Sicht, da unter anderem der Markt für Digitalradios in den meisten europäischen Ländern mit Ausnahme von Großbritannien und der Schweiz noch in den Kinderschuhen steckt.

In-Car-Elektronik: Navis dienen der medialen Vernetzung im Auto

Der Umsatz mit In-Car-Elektronik muss im ersten Halbjahr 2011 in Westeuropa weitere Umsatzeinbußen in Höhe von 14 Prozent hinnehmen. Dabei zeigen sich Frankreich und Deutschland mit einem Minus von 9 Prozent beziehungsweise 12 Prozent deutlich robuster als Spanien (minus 17 Prozent), Italien (minus 23 Prozent), die Niederlande (minus 18 Prozent) und Großbritannien (minus 15 Prozent). Insgesamt verläuft der Rückgang jedoch weitaus weniger drastisch als im Vorjahr.

Bei tragbaren Navigationsgeräten gehen sowohl die Durchschnittspreise als auch die Nachfrage zurück. Dies hat zur Folge, dass der Umsatz um rund 15 Prozent schrumpft. Allerdings hat sich der Abwärtstrend im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich verlangsamt. Einen positiven Beitrag leisten Geräte mit einer Bildschirmgröße von fünf Zoll. Dieses Teilsegment kann sich deutlich gegen den allgemeinen Markttrend absetzen und wächst dynamisch. Ebenfalls vielversprechend ist die Entwicklung bei internetfähigen Geräten. Damit positionieren sich tragbare Navigationsgeräte als erschwingliche Lösung zur medialen Vernetzung des Autos.

Bei Autoradios sinken Nachfrage mit minus 8 Prozent und Umsatz mit minus 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Trend zu Produkten, die eine problemlose Einbindung von Handy, MP3-Player und USB-Stick ermög-lichen, kann den Preisverfall - insgesamt minus 9 Prozent - für den gesamten Autoradiomarkt nicht kompensieren. Der Rundfunkempfang im Auto, derzeit noch über den klassischen UKW-Empfang, wird mittelfristig durch die digitale Übertragung (DAB+) sowie Internetradio ergänzt und möglicherweise langfristig ersetzt werden. Mit diesen Technologien sind mehr Programme in einer besseren Qualität zu empfangen, was das Interesse der Konsumenten in Zukunft wieder steigen lassen könnte.

Ausblick: Spürbare Erholung im 2. Halbjahr

Obwohl das Marktumfeld derzeit schwierig ist, gibt es durchaus innovative Wachstumsbereiche. Dazu gehören unter anderem HDTV-, 3D- und internetfähige Fernseher, Blu-ray-Player, HD-Camcorder, Audio-Home-Systeme mit MP3-Dockingstation und Navigationsgeräte mit fünf Zoll Bildschirmen sowie Internetzugang. Insgesamt geht GfK Retail and Technology von einer spürbaren Erholung der Branche in der zweiten Jahreshälfte aus.

Zur Methode

GfK Retail and Technology erhebt im Rahmen des Handelspanels in mehr als 80 Ländern weltweit regelmäßig Daten zu Fernseh- und Videogeräten, tragbaren Audioprodukten, Camcordern, Hifi- und Home Cinema Systemen, In-Car-Elektronik und Speichermedien. Der vorliegenden Analyse liegen - falls nicht anders angegeben - Informationen aus den sechs westeuropäischen Ländern Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Niederlande zu Grunde.

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