T&E-Studie zum CO2-Ausstoß europäischer Neuwagen in 2011: Hersteller steuern bereits CO2-Ziel für 2020 von 95 Gramm an / VCD fordert Politik auf, die vom VDA geforderte Mehrfachanrechnung von Elektroautos abzuweisen

(PresseBox) (Berlin, ) Der CO2-Ausstoß von verkauften Neuwagen in der EU ist im letzten Jahr um 3,3 Prozent auf durchschnittlich 136 Gramm pro Kilometer gesunken, so das Ergebnis der neuesten Analyse von Transport & Environment (T&E) zum CO2-Ausstoß von Neuwagen in der EU. Der ökologische Verkehrsclub VCD, als nationales Pendant zu T&E, weist darauf hin, dass damit nur noch sechs Gramm bzw. 3,7 Prozent für den ab 2015 geltenden EU-Flottengrenzwert von 130 g CO2/km fehlen.

Insgesamt hat sich der CO2-Ausstoß seit 2007 um 14 Prozent verringert, was einer Verbrauchsminderung von knapp einem Liter entspricht. Besonders interessant ist dieses Ergebnis mit Blick auf die jährlichen Minderungen seit 2007. Durchschnittlich um 3,7 Prozent sank der CO2-Ausstoß. Demzufolge wäre der Grenzwert von 130 g/km schon im kommenden Jahr erreicht. Im Vergleich zu den jährlichen Minderungen im Zeitraum 2000 bis 2007 sind die CO2-Emissionen dreimal stärker gesunken. Das zeigt: Langfristig festgelegte Verbrauchsgrenzwerte sind eine der effektivsten Maßnahmen, um den Spritverbrauch von Pkw zu verringern und Herstellern Planungssicherheit zu geben.

Monika Ganseforth, stellvertretende VCD-Bundesvorsitzende: "Die Autoindustrie wird entgegen ihrer Behauptungen den CO2-Grenzwert für 2015 deutlich früher erreichen und steuert bereits das Ziel für 2020 von 95 Gramm an. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass die Autohersteller mit Hilfe von Rechentricks den Grenzwert für 2020 weichspülen wollen. Eine sogenannte "Mehrfachanrechnung" für Elektroautos, die schon allein als Null-Emissionsfahrzeuge angerechnet werden, ist nichts weiter als ein perfider Trick für Hersteller, um sich ihre CO2-Bilanz schön zu rechnen."

Die Analyse der T&E-Studie zeigt deutlich, dass die meisten Hersteller bei ähnlichem Reduktionstempo wie in den vergangenen vier Jahren den jüngst von der EU-Kommission vorgeschlagenen CO2-Grenzwert von 95 g/km mühelos erreichen können. Der VCD kann darüber hinaus mit einer Beispielflotte aufzeigen, dass bereits mit heutigen sparsamen Fahrzeugmodellen aus allen Fahrzeugsegmenten der vorgeschlagene Grenzwert für 2020 machbar ist.

Michael Müller-Görnert, VCD-Referent für Verkehrspolitik: "Die Vorgaben für 2020 erweisen sich jetzt als wenig ambitioniert. Eine Verschärfung auf 80 Gramm CO2 pro Kilometer ist machbar und notwendig. Dass die deutsche Autoindustrie den schwachen Grenzwert erneut aufweichen will und eine 2,5-fache Anrechnung für Elektroautos fordert, entbehrt jeglicher Grundlage. Die Politik darf dem Drängen der Autoindustrie nicht nachgeben. Schwächere Grenzwerte für konventionelle Fahrzeuge bedeuten letztlich einen höheren Verbrauch und damit höhere Spritkosten für die Autofahrerinnen und Autofahrer." Um auch langfristig die Weichen für eine weitere CO2-Minderung zu stellen, fordert der VCD, bereits jetzt einen Zielwert von 60 g/km für das Jahr 2025 festzulegen.

Die T&E-Analyse auf Länder- und Herstellerebene zeigt zudem, dass der CO2-Ausstoß der in Deutschland verkauften Neuwagen mit 3,7 Prozent zwar leicht überdurchschnittlich gesunken ist, beim absoluten Ausstoß liegen sie allerdings mit 146 g/km im Schnitt weiterhin auf einem der letzten Plätze im Länderranking. Volkswagen hat wie im letzten Jahr seine CO2-Emissionen überdurchschnittlich verringert und liegt wie BMW im Mittelfeld (Platz 9 bzw. 11). Daimler belegt nach wie vor den letzten Platz unter den 15 größten Autoherstellern, erzielte allerdings mit einem Minus von 4,6 Prozent eine der höchsten Minderungen im Vergleich zu 2010. Toyota, Peugeot-Citroën und Fiat haben ihre herstellerspezifischen Vorgaben bereits erreicht, vier Jahre früher als nötig.

Michael Müller-Görnert: "Deutschland ist der mit Abstand größte Automarkt in der EU, schafft es aber nach wie vor nicht, entscheidende Marktsignale für die CO2-Minderung zu liefern. Erneut machen es Länder wie die Niederlande und Schweden vor, deren CO2-Ausstoß um 7,1 bzw. 6,3 Prozent gesunken ist. Grund hierfür ist eine seit Jahren konsequent am CO2-Ausstoß ausgerichtete Steuerpolitik, die zu entsprechenden Anreizen für den Kauf besonders sparsamer Fahrzeuge führt."

In Deutschland fehlen entsprechend wirksame Vorgaben, obwohl es Empfehlungen gibt. Für den VCD steht fest: Eine CO2-basierte Dienstwagensteuer, eine noch stärker nach CO2 gespreizte Kfz-Steuer sowie ein Pkw-Label, das wirklich der Verbraucherinformation und dem Klimaschutz dient sind unumgänglich.

Die vollständige Studie "How clean are Europe's cars? An analysis of carmaker progress towards EU CO2 targets in 2011" kann auf der Internetseite von T&E heruntergeladen werden. Link: http://bit.ly/VjBIeE.

Tabellen über das Abschneiden der Hersteller beim CO2-Ausstoß von Neuwagen, die Rangliste der EU-Länder sowie die 95-Gramm-Beipielflotte gibt es als pdf zum Download unter www.vcd.org/co2grenzwert.html.

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