Brauchen wir im Internet ethische Wegweiser - eine neue Netiquette?

Ethik und Moral im Internet, Vertreter der Weltreligionen und Wikipedia diskutieren
(PresseBox) (Hannover, ) Kirche und Internet ist kein Widerspruch. Die ältesten Netzwerke der Welt sind längst in der digitalen Welt angekommen. Es wird getwittert, gebloggt und gepostet - aber wie gehen die großen Weltreligionen mit extremistischen Positionen auf ihren Internet-Portalen um? Wie prüfen sie Online-Kommentare? Und ist eine Kontrolle im grenzenlos erscheinenden Internet überhaupt möglich und wünschenswert? Über diese Fragen diskutierten Vertreter der Weltreligionen und Wissenschaftler auf dem SUMA-EV Kongress "Positionen der großen Religionsgemeinschaften in der digitalen Welt" am vergangenen Dienstag in Hannover.

"Die technischen Fragen im Internet sind weitgehend gelöst. Jetzt sind die ethisch-moralischen Themen wichtig: Wie wollen wir im Internet miteinander umgehen? Wo gibt es Probleme? Welche Lösungen sind geeignet?", sagte Dr.

Wolfgang Sander-Beuermann, Vorstandsmitglied im Verein SUMA und Organisator des Kongresses.

Die Vertreter der Religionsgemeinschaften zeigten eine hohe gesellschaftliche Verantwortung für die Inhalte auf ihren Internet- Portalen. Kontrovers diskutierten sie die Anonymität im Internet. Hinter ihr könnten sich einerseits Internetnutzer verstecken, um radikale und menschenrechtsverletzende Meinungen zu verbreiten. Andererseits könne eine anonyme Identität für die User auch ein Gewinn an Freiheit und Schutz in Foren und Onlineportalen bedeuten. Festgestellt wurde auch, dass die Netiquette, die in den Anfangsjahren den Umgang im Internet regelte, keine Wirkung mehr zeige. In der Diskussion wurde einstimmig befürwortet, dass die Medienkompetenz dringend gefördert werden muss, auch und gerade unter den jungen Menschen.

Henriette Fiebig, Mitglied des Gründungsvorstand von Wikimedia Deutschland, sowie Autorin und Administratorin in Wikipedia, zeigte wie Wikipedia mit dem Problem von Extrempositionen umgeht; sie zeigte auch solche Wege, die in der Vergangenheit dazu zwar versucht wurden, die sich aber nicht bewährt haben - dann, wenn zu starre Strukturen den Workflow behinderten.

Podiums- und Plenumsdiskussion

In der Podiums- und Plenumsdiskussion, moderiert von dem international renommierten Religionswissenschaftlter Prof.Dr.Dr. Peter Antes, brachte Hanno Terbuyken, Portalleiter von evangelisch.de, das zentrale Anliegen seines Portals auf den Punkt:""Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen und Standpunkte diskutieren. Allerdings können wir es auch aushalten, eine andere Meinung als unsere Internetnutzer zu vertreten." In Extremfällen könne auch ein User-Kommentar gelöscht werden.

Dr. David Hober, Geschäftsführer des Portals katholisch.de: "Die Kirche als Institution reagiert mitunter zu langsam und zu kompliziert, deshalb haben wir uns derzeit noch gegen die Kommentarfunktion entschieden. Auch wenn diese Option den Klickzahlen zu Gute kommen könnte." Ein seriöses Internet-Angebot sei ohnehin nicht an der Höhe der Zugriffszahlen zu erkennen. So habe das kürzlich vom Netz genommen kreuz.net mehr Zugriffe, das Portal zeige aber "faschistoide Tendenzen".

Christian-Oliver Moser, Rechtsanwalt und Berater des Zentralrates der Juden in Deutschland: "Antisemitische Tendenzen sind im Internet weit verbreitet.

Aber es ist schwierig, die Urheber zu ermitteln." Verantwortlich für die Inhalte seien zwar die Plattformbetreiber, aber aufgrund der Anonymität im Internet und der unklaren Rechtslage sei es oft unmöglich, juristisch das Verbreiten von antisemitischen Botschaften durchzusetzen.

Dr. Kathrin Klausing, Islamwissenschaftlerin und Bloggerin: "Für die muslimischen Repräsentanten ist es eine Herausforderung, ihre Religion im Internet darzustellen. Viele engagieren sich ehrenamtlich." Da immer mehr traditionelle Printangebote verschwinden und auch kein Zugriff auf die Archive bestehe, sei es gerade mit Blick auf die muslimischen Jugendlichen wichtig, entsprechende Wissensangebote im Netz bereitzuhalten.

Schlußwort

In seinem Schlußwort betonte SUMA-EV Vorstand Dr. Wolfgang Sander-Beuermann die Herausforderung für alle Nutzer der digitalen Welt, diese für viele immer noch neue Welt zu einem Ort des Miteinanders zu machen - an dem Kontroversen und Konflikte ohne "digitale Waffengewalt" ausgetragen werden:

"Hierzu haben wir mit diesem Kongress Impluse gesetzt und Denkanstösse gegeben."

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