Stressbewältigung durch Achtsamkeit

Nehmen Sie Ihre körperlichen und seelischen Befindlichkeiten bewusst wahr und entscheiden Sie, wie Sie damit umgehen wollen
(PresseBox) (Hiddenhausen, ) Im Zusammenhang mit dem Thema Glück stößt man immer wieder auch auf den Begriff Achtsamkeit. Im Wort selbst schwingt schon ein gewisses Gefühl und eine Ahnung mit, was es bedeuten könnte, nämlich "auf etwas achten" oder auch "vorsichtig sein". Achtsam zu sein heißt, innere und äußere Vorgänge mit ungeteilter und entspannter Aufmerksamkeit zu beobachten und diese gelassen zu betrachten. Was Achtsamkeit ganz genau bedeutet und wie man es schaffen kann, achtsam zu leben und damit Stresssituationen zu bewältigen, erfahren Sie von Albrecht und Marion Aupperle, Leiter des Institutes für Gesundheit, Beratung und Schulung iprevent.de.

Kennen Sie Sätze wie: "Sitz nicht rum, tu was, beweg dich!" "Du musst die Zähne zusammenbeißen!" "Gut ist nicht gut genug!" "Ich möchte es allen recht machen!" "Ich muss allein damit fertig werden!" "Los, du schaffst das!"?

Kommen Ihnen diese Sätze bekannt vor? Oder gibt es ähnlich klingende Sätze, die Sie antreiben und in vielen Situationen Ihr persönliches Stresserleben puschen?

Wir alle haben Sätze verinnerlicht, die unser persönliches Bewertungssystem bestimmen. Sie helfen uns, alles was passiert zuzuordnen und schnell zu reagieren.

Wir haben diese Sätze verinnerlicht, eine oft unbewusste Haltung daraus entwickelt und glauben, ihnen entsprechend handeln zu müssen. Und das kann sehr anstrengend sein. Diese Anweisungen wirken als Antreiber und verstärken das Stresserleben enorm. Sie vermitteln keine hilfreiche Orientierung, sondern machen nur Druck, da sie kein Maß vorgeben.

Ein 45-jähriger Geschäftsmann, Herr W., schläft um 23:30 Uhr total erschöpft ein, schreckt um 03:00 wieder hoch und kann nicht wieder einschlafen, da das Gedankenkarussell sofort aktiv wird und sich kaum stoppen lässt. So wälzt er sich im Bett hin und her, plant den nächsten Tag in einer Endlosschleife und fühlt sich am Morgen völlig gerädert.

In unserer westlichen Leistungsgesellschaft erleben viele Menschen, wie Herr W., erhebliche Stresssymptome. Die Weltgesundheitsordnung (WHO) warnt seit einigen Jahren davor, dass im Jahr 2020 die Depression die Volkskrankheit Nr. 1 sein wird. Bei vielen Menschen führt Erschöpfung zu depressiven Verstimmungen. Und wer sich nicht wieder erholt, kann daran erkranken.

Wir haben eine Stresskultur entwickelt, mit allen Vor- und Nachteilen. "Puh, ich habe viele Termine," heißt, "ich bin wichtig, ich werde gebraucht." Leistungsträger haben automatisch Stress. Wer keinen Stress hat, kann der ein Leistungsträger sein?

Wir haben jedoch noch keine Stressbewältigungskultur entwickelt. Dabei gibt es gute Antworten und Möglichkeiten dazu. Eine Antwort ist die Achtsamkeit. Achtsamkeit wird häufig mit Buddhismus in einen Topf geworfen. Das kommt daher, dass die Achtsamkeitselemente, die es auch im Christentum seit 1.700 Jahren, seit der Zeit der Wüstenväter, gibt, nicht in unserer Alltagskultur angekommen sind. Über Amerika kommen nun seit 20 Jahren Achtsamkeitsimpulse zu uns.

Der emeritierte Professor der University of Massachusetts, Jon Kabat-Zinn (*44), der in seiner Stressreduktionsklinik lange mit Schmerzpatienten gearbeitet hat, stellte fest, dass viele seiner Patienten ihre Schmerzen verschlimmerten, in dem sie das Schmerzerleben durch ihre Bewertung verstärkten. Er entwickelte die Achtsamkeitsmeditation und inspirierte mit diesem Konzept die Medizin und Psychologie auch in Europa.

Der Begriff Meditation mag Sie vielleicht aufschrecken lassen. Meditation war in den 70er und 80er Jahren mit der Hippiekultur verknüpft und wurde in die Esoterikecke gedrängt. Das hat sich glücklicherweise gewandelt. Hirnforscher weisen nach, dass Meditation sehr entlastend für das Gehirn ist. Gefühl und Verstand verknüpfen sich besser, wenn Sie eine Zeit lang wach und ruhig ihren Körper spüren und die Gedanken "wie Wolken am Himmel" weiterziehen lassen.

Mit Achtsamkeit können Sie Stressauslöser im Innen und Außen identifizieren und im achtsamen Umgang auch leichter neutralisieren. Sie spüren Ihre körperliche und seelische Befindlichkeit, können sich bewusst entscheiden, wie Sie damit umgehen wollen und sind so viel eher vor dem Ausbrennen geschützt. Menschen mit Burn-out erzählen immer wieder, wie heftig die Phase des "sich-nicht-mehr-Spürens" gewesen sei. Wer sich achtsam wahrnimmt, kann seine Körpersignale verstehen und nutzen lernen. Sie leben in diesem Augenblick und können nur diesen Augenblick gestalten! Das ist die Grundlage für das Achtsamkeitstraining.

Achtsamkeit, wie funktioniert das?

Im Augenblick präsent sein Mit unseren Gedanken sind wir meist auf die Zukunft ausgerichtet, planen und kalkulieren oder grübeln über die Vergangenheit. Und dieses Gedankenkarussell hindert uns daran im Moment präsent zu sein.

Wenn ich wirklich den Augenblick wahrnehmen will, im Augenblick präsent sein will, kann ich das nur, indem ich meine Sinne bewusst gebrauche:

- beim Spaziergang höre ich auf das Zwitschern der Vögel, nehme den erdigen Geruch des Waldbodens wahr, bewundere das frische Frühlingsgrün an den Bäumen, spüre den weichen Waldboden unter meinen Füßen, fühle den Wind in meinen Haaren und auf der Haut...
- beim Gespräch achte ich auch auf den Klang der Stimme meines Gegenübers, registriere einen ängstlichen Gesichtsausdruck oder ein Lächeln, horche auch in mich hinein und nehme meine Körperempfindungen wahr: "Spüre ich im Magen ein Unwohlsein? Schlägt mein Herz ruhig? ..."
- beim Essen schmecke ich bewusst und spüre auch die Konsistenz der Nahrung im Mund, weich, hart, knusprig...
- beim Duschen am Morgen spüre ich das Wasser auf der Haut, höre dem Wasserplätschern zu, erlebe die Aufrichtung meines Körpers ...

Erleben Sie durch diese Achtsamkeit, wie Zeiträume sich in der eigenen Wahrnehmung vergrößern und dadurch wenige Augenblicke zu einer echten Pause werden.

Annehmen und loslassen

Ärger, Angst, Wut - auch diese Gefühle sind da und dürfen sein. Ich erlaube mir, dies zu fühlen, ohne mich hinein zu steigern.

Vielleicht haben Sie einen cholerischen Chef, dann sagen Sie sich: "Ich registriere meine Wut oder Ohnmacht, spüre meine Körperreaktionen und lasse los. Ich akzeptiere mein Gefühl, es darf sein, ich bewerte es nicht."

Wenn Sie nicht einschlafen können ist das Akzeptieren, das Annehmen des Wachseins das wichtigste Hilfsmittel zum Einschlafen. Ich erlaube mir wach zu sein. Ich halte nicht fest sondern, ich lasse los.

Nicht bewerten

Normalerweise nehmen wir bei allem, was wir erleben sofort und automatisch eine Bewertung vor. Das haben wir so gelernt. Wir teilen ein in "gut oder schlecht", "schön oder hässlich", "mag ich oder mag ich nicht". Das passiert in Bruchteilen von Sekunden und geschieht meistens unbewusst.

Durch ein achtsames Gewahr sein im Augenblick können wir lernen immer häufiger aus diesem "Bewertungszwang" auszusteigen. Das führt langfristig zu einer Erweiterung des eigenen Handlungsspielraums und ermöglicht Veränderung. Leider fehlt uns in unserer deutschen Sprache ein Wort, das 'nicht bewerten' positiv ausdrückt. 'Akzeptieren' ist zu schwach, 'begrüßen' trifft es eher, 'zustimmen' geht auch in diese Richtung. Wie lautet Ihr Begriff dafür? möglich los. Ich spüre in die körperlichen Verspannungen hinein und löse sie mit jeder weiteren Ausatmung langsam immer mehr auf."

Achtsamkeit - ein Übungsweg Um in Stresssituationen inne zu halten, schwierige Situationen so anzunehmen, wie sie sind, brauchen Sie Übung. So wie ein Kind das Fahrradfahren oder das Schreiben durch regelmäßiges Üben erlernt, so erlernen Sie Achtsamkeit.

Mit dem sogenannten "Bodyscan" (eine Reise durch den eigenen Körper) können Sie wieder lernen Ihren Körper zu spüren. Wie mit einer Lupe richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Teil Ihres Körpers und nehmen z. B. ihre Fußsohlen war, spüren wie das Gewicht Ihres Körpers darauf ruht oder Sie konzentrieren sich auf Ihre Atmung und beobachten, wie sich Brustkorb oder Bauchdecke heben und senken. Dazu gibt es eine ausführliche Anleitung in unserem Tascheninfo "Stressbewältigung durch Achtsamkeit", das demnächst im Blaukreuz-Verlag erscheint.

Wenn Sie neugierig geworden sind, können Sie auch ein Tagesseminar zum Thema bei iprevent buchen. Wir kommen gerne zu Ihnen und bereichern Ihren Mitarbeitertag oder stricken ein Angebot, dass zu Ihrer Situation vor Ort passt. Nehmen sie Kontakt zu uns auf! www.iprevent.de oder telefonisch 05223 4930970 .

Marion und Albrecht Aupperle

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