Von politischen Entscheidungen und Nicht-Entscheidungen

111.Vollversammlung der Handwerkskammer für Unterfranken
(PresseBox) (Würzburg, ) Am heutigen Donnerstag fand die 111. Ordentliche Vollversammlung der Handwerkskammer für Unterfranken statt. Präsident Hugo Neugebauer und Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer stellten dem Handwerkerparlament aktuelle politische Themen vor. Einen Meilenstein in Sachen Inklusion von behinderten Arbeitnehmern im Handwerk stellte der Beschluss dar, Ausbilder von behinderten Menschen zusätzlich zu schulen.

"900.000 Beschäftigte im bayerischen Handwerk, davon rund 10 % Auszubildende, das schafft kein anderer Wirtschaftszweig. Man muss es sagen: Ohne Handwerk stünden wir heute nicht so gut da", sagte der leitende Ministerialrat im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, Dr. Gert Bruckner, in seinem kurzen Grußwort vor den Vertretern des Handwerks. Zudem berichtete er über Anfragen anderer europäischer Länder, das deutsche duale Ausbildungssystem übernehmen zu wollen. Jedoch ohne die Meisterausbildung. "Man kann nicht das duale System übernehmen wollen und den Meister abschaffen. Das geht nicht. Nur durch den Meister ist das duale Ausbildungssystem so erfolgreich."

Handwerkskammer-Präsident Hugo Neugebauer ging in seinem Bericht des Präsidenten vor allem auf die regionale Lage des Handwerks ein. Er verwies auf die sehr gute konjunkturelle Stimmung im unterfränkischen Handwerk. So haben bei der Konjunkturumfrage zum 3. Quartal 2012 90 % aller unterfränkischen Handwerksbetriebe gesagt, dass sie mit ihrer Geschäftslage zufrieden seien. Für das kommende Jahr erwartet Hugo Neugebauer eine Konsolidierung der Lage. "Wenn die Arbeitslosigkeit weiter so niedrig bleibt, und damit die Kaufkraft bestehen bleibt, sowie die Zinsen nicht steigen, werden die Menschen auch weiterhin investieren."

Sorge bereitet dem Handwerk der Rückgang an Auszubildenden. Es wird für die Handwerksbetriebe aufgrund der sinkenden Anzahl an potenziellen Auszubildenden immer schwerer, geeigneten Berufsnachwuchs zu finden. Deshalb wirbt die Handwerkskammer mit unterschiedlichen Aktionen für eine Karriere im Handwerk.

Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer untermauerte die Aussagen des Präsidenten, indem er unter anderem über die Entwicklung des Fachkräftepotenzials im unterfränkischen Handwerk referierte. Anschaulich skizzierte er das Engagement der Handwerkskammer, Nachwuchs für das Handwerk zu gewinnen und Fachkräfte zu binden. Besonders erwähnte Rolf Lauer die sehr guten Erfolge der Initiative "Realschule trifft Handwerk", bei der die Handwerkskammer Realschullehrerinnen und -lehrern Fortbildungsmodule anbietet, um diese als Multiplikatoren für Schüler und Eltern über die Karrieremöglichkeiten im Handwerk zu informieren.

Zudem startet im Ausbildungsjahr 2013/2014 das Programm Abi + Auto, das Abiturienten die Möglichkeit bietet, mit einer verkürzten Ausbildung schnell ohne Studium in der Praxis durchzustarten. Teilnehmer können den Abschluss zum Kfz-Mechatroniker verkürzt abschließen. Bereits während der Ausbildungszeit absolvieren die Teilnehmer Fortbildungen, so dass sie im besten Falle bereits nach drei Jahren den Berufsabschluss sowie drei der vier Teile der Meisterprüfung erfolgreich bestanden haben. Ausführlich stellte Rolf Lauer auch das bundesweite Pilotprojekt "Karriereprogramm Handwerk" vor, mit dem Studienabbrecher eine Karriere im Handwerk in Angriff nehmen können. Derzeit absolvieren sieben Studienabbrecher die verkürzte Lehrzeit zum Schreiner, zwei zum Hörgeräteakustiker. "Insgesamt spricht die Handwerkskammer Jugendliche in und aus allen Bereichen an", so der Hauptgeschäftsführer.

"Energiewende nicht zu Lasten des Handwerks"

Einen großen Anteil im Bericht des Hauptgeschäftsführers nahm die Energiewende ein. Rolf Lauer zeigte auf, wie sehr die Energieeinsparung als Hauptfaktor der Energiewende zu sehen ist und fordert die Beteiligten des Vermittlungsausschusses, der in Kürze zum wiederholten Male über das Gesetz zur energetischen Gebäudesanierung berät, auf: "Unser Appell an die Beteiligten ist es, angesichts der Wichtigkeit des Themas, mit ihren politischen Winkelzügen aufzuhören und ihrer Verantwortung für Staat, Gesellschaft, Umwelt und Wohlstand endlich gerecht zu werden." Zudem verwies Rolf Lauer auf die Steigerung der EEG-Umlage im kommenden Jahr um fast 50 %. "Von uns wird grundsätzlich die Forderung gestellt, dass die EEG-Umlage und die Energiepreise nicht weiter steigen dürfen. Ganz gleich, ob dies Kraftstoffe, Heizkosten oder den Energieverbrauch im Allgemeinen betrifft. Für das Handwerk fordern wir einen umlagebefreiten Verbrauchssockel für die ersten 4.000 Kilowattstunden.

Bahnbrechende Richtlinie verabschiedet

Passend zur derzeitig stattfindenden "Woche der Menschen mit Behinderung" verabschiedete die Vollversammlung eine bahnbrechende Richtlinie, nach der Ausbilder im Handwerk für die Ausbildung von Menschen mit Behinderung speziell geschult werden. Demnach soll der Ausbilder in Zukunft als Ergänzung der fachlichen Eignung eine rehabilitationspädagogische Zusatzausbildung absolvieren oder eine unterstützende geeignete Einrichtung ins Boot holen, die mindestens einen Betriebsbesuch pro Woche durchführt. "Wir müssen unsere Ausbilder im Handwerk weiterbilden, um ihnen zu zeigen, wie sie behinderte Menschen ausbilden können", so Kammer-Präsident Hugo Neugebauer.

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