SuperMUC im Fokus der Feierlichen Jahressitzung 2012 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Schelling-Preis für die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston / Bericht des Präsidenten mit Vorstellung neuer Ergebnisse aus der Grundlagenforschung / Festvortrag von Arndt Bode über den Höchstleistungsrechner SuperMUC
(PresseBox) (München, ) Akademiepräsident Prof. Dr. Karl-Heinz Hoffmann zog eine Bilanz des Jahres 2012. Er berichtete vom Stand der Strukturevaluierung, der sich die Bayerische Akademie 2012 als erste der deutschen Länderakademien unterzogen hat, "mit dem Ziel, die Arbeit unserer Akademie und ihre Stellung in der Wissensgesellschaft weiter zu stärken". Ferner erläuterte er das neue Forschungsvorhaben zu dem antiken Astronomen Claudius Ptolemäus, das im Herbst bewilligt wurde: Die Akademie wird ab 2013 die lateinischen und arabischen Übersetzungen seiner Hauptwerke edieren. Das Projekt wird mit mehr als 10 Mio. Euro im Akademienprogramm gefördert. "Die Erschließung der ptolemäischen Tradition", so Hoffmann, "lässt neue Erkenntnisse über die gemeinsamen Grundlagen islamischer und europäischer Kultur im Mittelalter erwarten." Er stellte auch die sechs neuen Mitglieder des Jungen Kollegs vor, die 2012 in das Programm der Akademie zur Förderung des exzellenten Nachwuchses in Bayern aufgenommen wurden.

Festvortrag über SuperMUC

"Warum braucht Bayern einen Rechner mit 3 Billiarden Operationen pro Sekunde?" Mit dieser Frage eröffnete Prof. Dr. Arndt Bode, Leiter des Leibniz-Rechenzentrums der Akademie, seinen Festvortrag über SuperMUC, der im Sommer 2012 als Europas leistungsfähigster Rechner in Garching in Betrieb ging. "Supercomputer sind heute für Wissenschaft und Wirtschaft unerlässlich", erklärte er, "weil neue Erkenntnisse und konkurrenzfähige Produkte auf Basis der numerischen Simulation auf dem Computer entstehen." Die Simulation ergänzt oder ersetzt dabei Theorie und Experiment, wie er im Vortrag am Beispiel des virtuellen PKW-Prototypen, von Erdbeben- und Tsunami-Forschung oder der Simulation von Blutgefäßen in der Medizin zeigte. "Gerade Bayern als Hightech-Standort benötigt dringend den direkten Zugriff auf Supercomputer für die numerische Simulation, die durch ihre Technologie-Vorreiterrolle auch neue Technik für den Alltag praktisch erproben", so Bode. "Der Reiz der neuen Technik kann vielleicht auch dazu beitragen, dass mehr Jugendliche ein Studium in den dringend benötigten MINT-Fächern ergreifen."

Preise und Auszeichnungen 2012

Die Akademie vergab 2012 Preise im Gesamtwert von über 40.000 Euro. Sie zeichnete damit herausragende Leistungen, insbesondere des wissenschaftlichen Nachwuchses in Bayern, aus.

Der Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling-Preis ging an Prof. Dr. Lorraine Daston (Jg. 1951), Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, für ihre herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Wissenschaftsgeschichte, insbesondere zur Frühen Neuzeit und zum Zeitalter der Aufklärung. Der Preis wird mit Unterstützung von E.ON Bayern vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Den Robert Sauer-Preis erhielt Dr. Ulrich Rant (Jg. 1975), wissenschaftlicher Mitarbeiter des Walter Schottky Instituts der TU München, für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Bio-Nano-Technologie und der Entwicklung von hochempfindlichen und molekülspezifischen Biosensoren. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wurde von Dr. Utta Bachmann-Morenz und ihrem Mann Dr. Ludwig Morenz gestiftet.

Der Max Weber-Preis ging an Dr. Lisa Dittrich (Jg. 1977), Akad. Rätin a.Z. am Historischen Seminar der LMU München, für ihre Dissertation "Antiklerikalismus als europäisches Phänomen. Skandalisierungen in Frankreich, Spanien und Deutschland (1850-1914)". Der Preis ist mit 4.000 Euro dotiert und wird aus Mitteln der Stiftung zur Förderung der Wissenschaften in Bayern finanziert.

Mit dem Arnold Sommerfeld-Preis zeichnete die Akademie den wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Harvard Medical School Dr. Franz Hagn (Jg. 1977) aus, und zwar für seine bahnbrechenden NMR-Untersuchungen zur Struktur und Funktion von Proteinen, insbesondere auf dem Gebiet der Spinnenseidenproteine und Chaperone. Der Preis ist mit 4.000 Euro dotiert und wird aus Spenden finanziert.

Den Akademiepreis, der an Personen verliehen wird, die nicht hauptamtlich in der Forschung tätig sind, erhielt der Augenarzt Dr. Hartmut Mehlitz für sein Werk "Richard Lepsius. Ägypten und die Ordnung der Wissenschaft". Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird aus Mitteln der Stiftung zur Förderung der Wissenschaften in Bayern finanziert.

Der Akademiepreis der Karl Thiemig-Stiftung für Nachwuchsförderung ging an Dr. Hans Hübl (Jg. 1976), wissenschaftlicher Mitarbeiter des Walther-Meißner-Instituts, für seine herausragenden Leistungen bei der Erforschung von festkörperbasierten Quantensystemen als Basis für zukünftige Quanteninformationssysteme. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.

Die Medaille "Bene merenti" in Silber für besondere Verdienste um die Akademie erhielten Dr. Wolfgang Sprißler, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Akademie, und Dr. Hugo Beikircher, ehemaliger Generalredaktor des Thesaurus linguae Latinae.

Ausführliche Würdigungen aller Preisträger, den Bericht des Akademiepräsidenten, die Vorstellung der neuen Mitglieder und den Festvortrag finden Sie unter www.badw.de/...

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