Wochenausblick mit Video Marktgeflüster: Rücktritt Montis ein "game changer"?

Die Analysten der actior AG bieten ihre Expertise für den Handel mit Futures und der innovativen Software a.s.t. 2 - Sowie Wirtschaftsinformation der ganzen Bandbreite des Marktes für den actior Saxo-Trader
(PresseBox) (Hamburg, ) Die letzte Woche hat es bestätigt: die Ralley im EURUSD ist erst einmal vorbei. Dabei begann die letzte Handelswoche noch positiv für die Gemeinschaftswährung: nach einem Start knapp unter der 1,30 hangelte sich der Euro bis Mittwoch kontinuierlich nach oben und erreichte sein Hoch bei 1,3125. Vor der EZB-Sitzung setzten dann erste Gewinnmitnahmen ein, aber der richtige "Schlag" kam dann erst auf der Pressekonferenz Draghis nach der Sitzung mit seiner Aussage, dass man auf breiter Basis über das Zinsniveau diskutiert habe. Damit war die Büchse der Pandora geöffnet, denn "breite Basis" konnte nur meinen, dass nicht (nur) der Leitzins zur Diskussion stand, sondern eben auch der Einlagezins (also der Zins, den Banken dafür bekommen, wenn sie Geld bei der EZB parken). Insbesondere die Möglichkeit, dass der Einlagenzins gesenkt werden könnte, belastete den Euro schwer und sorgte für den heftigen Abverkauf, der dann nach den US-Arbeitsmarktdaten erst bei der wichtigen Unterstützung bei 1,2880 zum Stehen kam.

Mit der Spekulation um Zinssenkungen durch die EZB (ob Leitzins oder Einlagenzins) sowie dem angekündigten Rücktritt des italienischen Premiers Monti lasten nun zwei erhebliche Belastungsfaktoren auf dem Euro. Insbesondere die Senkung des Einlagezinssatzes würde amerikanische Geldmarktfonds fluchtartig aus dem Euro treiben und die Dollar-Leihe für europäische Banken deutlich erschweren. Das ist der tiefere Grund für den Abverkauf der Gemeinschaftswährung am Donnerstag, nicht eine ohnehin weitgehend wirkungslose Senkung des Leitzinses auf dann 0,5%.

Klar: Griechenland kauft seine Schulden günstiger zurück, juhu (sofern, woran man durchaus auch zweifeln kann, die Meldungen aus Athen über die hohe Quote stimmen). Aber Griechenland ist nicht mehr das eigentliche Thema, sondern Spanien, und seit dem Wochenende eben auch Italien. Noch sieht man in den Banktürmen die Sache mit Italien locker (weil man glaubt, Monti werde schon weiterhin irgendwie eine Rolle spielen), anders als die Italiener selbst, die sich massiv aus dem italienischen Aktienmarkt verabschieden heute Vormittag. Drastisch auch der Abverkauf der 10-jährigen italienischen Anleihe, die mit einem riesigen Down-Gap in den heutigen Tag startete. Klar ist: Monti hat, wenn er denn sich der Wahl stellen würde, keine Chance auf Wiederwahl, und selbst wenn auch Berlusconi keine Chance haben dürfte, bleiben als mögliche Wahlsieger nur Parteien übrig, die gegen Montis Sparkurs sind. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Lawine losgetreten wird...

Wir gehen davon aus, dass aus den oben genannten Gründen globale Investoren derzeit mit Engagements in der Eurozone nicht nur sehr zurückhaltend agieren dürften, sondern eher gut gelaufene Positionen im europäischen Markt nun liquidieren. Mit anderen Worten: Geld wird aus der Eurozone heraus fließen, und das ist natürlich nicht wirklich Euro-bullisch. Charttechnisch von großer Bedeutung ist nun der Bereich um 1,2880 - ein nachhaltiger Bruch sollte zügige Abgaben bis zum November-Verlaufstief bei 1,2660 nach sich ziehen. Erst ein Bruch der Zone 1,2980-1,3030 auf der Oberseite würde dieses Szenario ad absurdum führen, doch sehen wir darin eine recht geringe Wahrscheinlichkeit. Sagten wir bereits, dass wir skeptisch sind für den Euro?

Zunächst noch einmal nach oben ging in der letzten Handelwoche der Dax, nachdem der Index zunächst auf hohem Niveau seitwärts gelaufen war. Dann aber am Donnerstag stieg der Dax "wie von Geisterhand" von 7460 auf 7550, all das war natürlich purer Zufall, oder? Auffällig jedenfalls war, dass die Umsätze im Dax-Future bei dieser Bewegung sehr hoch waren, sprich der eher marktenge Dax-Future genutzt wurde, um den Kassa-Markt über die psychologisch wichtige 7500er-Marke zu ziehen. Die Folge war das Auslösen zahlreicher Verluststopps der Shorties, die den Markt dann noch einmal weiter nach oben zogen. In den letzten Tagen finden sich dementsprechend nur extrem bullische Kommentare und Analysen zum deutschen Aktienmarkt - was darauf schliessen lässt, dass so ziemlich alle schon long investiert sind (es gab ja natürlich ein Kaufsignal mit Bruch der 7500er-Marke...).

Zu diesem überbordenden Optimismus passt auch die Aufnahme der US-Arbeitsmarktdaten am Freitag. Da ist zunächst einmal die Arbeitslosenquote mit 7,7%, die sich jedoch aus einer extrem seltsamen Zunahme derjenigen speist, die nicht mehr sich um jobs bemühen. Und dann die Zahl von 146.000 neuen Stellen, was auf den ersten Blick erst einmal ganz toll aussieht. Doch ist zu bedenken, dass die beiden Vormonate nach unten revidiert wurden (um insgesamt 49.000 Stellen), und eben diese 49.000 Stellen wurden dann der November-Zahl zugeschlagen. Zieht man die 49.000 Stellen ab, so bleiben wir unter der 100.000er-Marke - mal ganz abgesehen vom Statistik-Trick des Birth/Death-Models, das schon per se zu Verzerrungen führt. Mit anderen Worten: eine Erholung am US-Arbeitsmarkt findet faktisch nicht statt, ebenso übrigens wie die viel beschworene Erholung am US-Immobilienmarkt.

Aber zum Jahresende zählen fundamentale Wahrheiten nicht sehr viel - es geht mehr um Boni und andere Selbstlosigkeiten. Insofern verblassen derzeit die Konjunkturdaten, das einzig relevante Thema zum Jahresende scheint "fiscal cliff" zu sein. Und an dieser Front scheint sich nicht wirklich eine Lösung abzuzeichnen, wenn man den Äusserungen des Chefs der Republikaner im US-Repräsentantenhaus Boehner glauben schenkt, der die Vorschläge Obamas am Freitag als "Witz" bezeichnet hat.

Charttechnisch wichtig ist nun das bisherige Hoch im Dax bei 7555 Punkten, das der Index nun mehrfach nicht überwinden konnte. Gelingt hier ein Bruch, liegt das nächste Ziel beim Hoch aus April/Mai 2011 bei 7600 Punkten. Auf der Unterseite liegt die maßgebliche Unterstützung bei 7450 Punkten.

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Markus Fugmann
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