IWH-Konjunkturbarometer Ostdeutschland:* Ostdeutsche Wirtschaft nahe an einer Rezession

(PresseBox) (Halle (Saale), ) Während sich die konjunkturelle Dynamik in Deutschland allmählich verlangsamt, folgt die Produktion in Ostdeutschland seit Mitte 2011 einem Waschbrettmuster. Auf das kleine Plus des Bruttoinlandsproduktes zu Beginn dieses Jahres folgten ein Minus im zweiten Quartal und eine Stagnation im dritten, die aller Voraussicht nach in ein Minus im Schlussquartal übergeht. Die im zweiten Quartal beobachtete Schwäche konnte zwar - dank der starken Expansion im Handel und der Tendenz­wende am Bau - vorübergehend gestoppt werden. Das Bruttoinlandsprodukt ver­harrte aber auf dem Niveau im zweiten Vierteljahr und blieb damit hinter dem deutschlandweiten Zuwachs von 0,3% zurück. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sank das Bruttoinlandsprodukt in Ostdeutschland um 0,8%.

Das Verarbeitende Gewerbe, ansonsten Taktgeber der Konjunktur, setzte seine Talfahrt fort. Im Gefolge der Umsatzrückgänge sank nach Ausschluss der Kalender- und Saisoneffekte auch die Wertschöpfung. Während die Konjunkturschwäche im Inland schon längere Zeit den Absatz der ostdeutschen Produzenten zügelte, nahm zuletzt auch das Ausland deutlich weniger Industrieprodukte ab. Hier schlägt die starke Orientierung auf die krisenanfälligen Märkte in Westeuropa negativ zu Buche. Auch die Zurückhaltung beim Kauf von Maschinen, Fahrzeugen und Gerä­ten in Deutschland traf die ostdeutschen Hersteller von Investitionsgütern. Dagegen wurde die Produktion von Konsumgütern ein wenig von der aufwärts­gerichteten Konsumkonjunktur mitgezogen. Die sinkenden Käufe der privaten Haushalte von Nahrungsgütern standen jedoch einer stärkeren Expansion des breit aufgestellten Ernährungsgewerbes im Wege. Die umsatzstarken Hersteller von Zuliefer­erzeug­nissen unterstrichen den Abwärtstrend. Das Baugewerbe profitierte von den günstigen Finanzierungsbedingungen für den Wohnungsbau und den Ein­kommens­zuwächsen der Privaten. Der Einzelhandel hatte teil an der gestiegenen Konsum­güter­nachfrage. Die wirtschaftsnahen Dienstleister blieben trotz der allge­meinen Konjunkturschwäche auf ihrem moderaten Entwicklungspfad.

Für das letzte Vierteljahr 2012 deuten die vorlaufenden Indikatoren nach ersten Schätzungen des IWH auf einen erneuten Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion hin. Die Industrie erhält seit geraumer Zeit deutlich weniger Aufträge, und die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte dämpft das Angebot an staatlich finanzierten Dienstleistungen. Das Baugewerbe und der Handel stemmen sich zwar der Abwärtstendenz entgegen, den erneuten Rückfall der gesamtwirtschaftlichen Produktionsaktivität in den Minusbereich können sie aber nicht vollständig aufhal­ten. Die vom IWH regelmäßig befragten Industrieunternehmen haben im November eine deutliche Verschlechterung der Geschäftslage gemeldet. Das Baugewerbe kann sich dagegen über steigende Auftragseingänge freuen, und die Bauumfragen des IWH berichten von zunehmend positiven Erwartungen.

Im Zuge der großen Revision der VGR hat das Statistische Bundesamt bereits im September 2011 die Ergebnisse für Deutschland auf die neue Wirtschaftszweigsystematik (WZ 2008) umge­stellt. Für die Bundesländer sowie die Großräume Ost- und Westdeutschland wurden Anfang Juli 2012 erste Ergebnisse in gleicher Klassifikation veröffentlicht. Die für Prognosen übliche Anwen­dung von Zeitreihenmodellen wird jedoch stark eingeschränkt, da nur für die Jahre 2008 und 2009 originär berechnete tief gegliederte nominale Wertschöpfungsgrößen vorliegen. In realer Rech­nung wurden keine Volumenswerte, sondern lediglich Veränderungsraten für die Jahre 2009 bis 2011 veröffentlicht. Regionale Prognosen sind bei dieser Datenlage noch unsicherer als sonst.

* Zur Berechnung des IWH-Konjunkturbarometers für Ostdeutsch­land siehe IWH, Wirtschaft im Wandel, Jg. 9 (16), 2003, 471 f.

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