Klaus Fenster vor der IHK-Vollversammlung: "Verfestigte Arbeitslosigkeit erfordert noch mehr Bildungsanstrengungen"

(PresseBox) (Siegen, ) "Das Jobcenter Siegen-Wittgenstein kann zwar Beiträge zur regionalen Fachkräfteversorgung leisten, deren Relevanz sollte jedoch nicht überschätzt werden. Von den derzeit 10.754 erwerbsfähigen Leistungsbezieher sind nach unserer Einschätzung lediglich knapp 200 unmittelbar in das Beschäftigungssystem zu vermitteln." Dies betonte Klaus Fenster, der Geschäftsführer des Jobcenters Siegen-Wittgenstein jetzt in einem Vortrag vor der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK). Er stellte den Unternehmern zugleich den Instrumentenkasten vor, mit dem das Jobcenter versuche, SGB II-Bezieher beruflich zu bilden und betrieblich wieder einzugliedern. Die seiner Behörde zu diesem Zweck zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel wären in den vergangenen Jahren jedoch schrittweise reduziert worden. Fenster: "Im Jahre 2010 verfügten wir über 13,273 Millionen Euro, im kommenden Jahr werden es lediglich 6,985 Millionen Euro sein. Dies entspricht fast einer Halbierung".

Im Detail ging er auch auf die Struktur der Leistungsempfänger ein. Es sei gemeinhin wenig bekannt, dass von den 7.823 Arbeitslosen im Kreis Siegen-Wittgenstein das Jobcenter knapp 66 Prozent und die Agentur für Arbeit 34 Prozent betreue. Durchschnittlich meldeten sich pro Monat knapp 400 Personen im SGB II-Bezug an. Bemerkenswert sei, dass hiervon jedoch lediglich 46 Personen oder 11,5 Prozent nach vorherigem Arbeitslosengeldbezug nach ALG I von der Agentur für Arbeit in die Zuständigkeit des Jobcenters wechselten. Hierin zeige sich eine erhebliche Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit, die gesellschaftspolitisch ausgesprochen problematisch sei. Dass rund 57 Prozent aller ALG II-Empfänger zwei Jahre und länger im Leistungsbezug wären, verdeutliche dies zusätzlich. Diese Werte seien zwar landes- und bundesweit immer noch verhältnismäßig gut, dokumentierten aber mit Nachdruck, wie gespalten die Struktur der Arbeitslosen wäre. Erstaunlich sei zudem, dass sich unter den SGB II-Beziehern lediglich 16,4 Prozent über 55-jährige Personen befänden. An der Gesamtbevölkerung betrage der entsprechende Anteil 20,3 Prozent. Mit Nachdruck vertrat der Referent die These, dass allgemeine und berufliche Bildung die zentralen Schlüssel für eine verbesserte gesellschaftliche Teilhabe der Hartz IV-Empfänger sei. Je früher und intensiver hier angesetzt werde, desto geringer sei das Risiko, später über Jahrzehnte hinweg von Leistungen der Allgemeinheit leben zu müssen. Klaus Fenster: "Das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit ist ausgesprochen komplex. Daher verbieten sich hier auch einfache Antworten!"

Schon vor dem Vortrag hatte sich die IHK-Vollversammlung intensiv mit der Frage befasst, wie in den kommenden Jahren angesichts sinkender Schulabgängerzahlen und verhältnismäßig moderater Arbeitslosenquoten die Versorgung mit Fach- und Führungskräften sicherzustellen wäre. Die Unternehmer beschlossen, das "Regionale Haus der Berufsvorbereitung" in den kommenden vier Schuljahren mit weiteren 100.000 Euro zu unterstützen, um insbesondere Hauptschülern einen möglichst bruchlosen Übergang von der allgemein bildenden Schule in die betriebliche Erstausbildung zu ebnen. IHK-Präsident Klaus Th. Vetter: "Wir müssen früher ansetzen. Präventiv zu handeln ist allemal sinnvoller, als teuer zu reparieren." Das gelte auch bei der Problemstellung, junge Frauen stärker für die industriellen Metall- und Elektroberufe zu begeistern. Für die Umsetzung der Regionalinitiative "Mehr Frauen in die technischen Berufe" stellte die Vollversammlung deshalb ebenso Finanzmittel zur Verfügung wie für die Nachwuchssicherung in der Bauwirtschaft. Auch für die Schulen im Kreis Olpe brachte die Vollversammlung eine Initiative auf den Weg. Interessierte Schulen wurden vor wenigen Tagen umfänglich mit LEGO-Robotern ausgestattet, durch die im Unterricht Technikbegeisterung auf spielerischem Wege ausgelöst werden soll. Zugleich sollen im Kreis Olpe in den nächsten drei Schuljahren in umfangreichem Ausmaß Knigge-Schulungen umgesetzt werden, um die Bedeutung von Sekundär-Tugenden im Berufsleben zu unterstreichen. Hierfür gab die IHK-Vollversammlung allein 26.000 Euro Fördermittel frei.

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