DHV warnt vor "Helmholtzifizierung" des Wissenschaftssystems

Kempen: "Hegemonialphantasien sind ein Kollateralschaden der Föderalismusreform"
(PresseBox) (Bonn, ) Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat den Führungsanspruch der Helmholtz-Gemeinschaft innerhalb des Wissenschaftssystems nach Auslaufen der Exzellenzinitiatve im Jahre 2017 zurückgewiesen. Das Positionspapier "Helmholtz 2020 - Zukunftsgestaltung durch Partnerschaft" sehe vor, durch Netzwerke und Partnerschaften unter der Führung der Helmholtz-Gemeinschaft die Lösung drängender Forschungsfragen in den Kernbereich der achtzehn Helmholtz-Zentren zu verlegen. Aus der größten Forschungsträgerorganisation mit ca. 34.000 Mitarbeitern solle zudem eine Forschungsförderorganisation werden, die Projektmittel vergebe.

"Bei einer Umsetzung dieser Vorstellungen würde die Tektonik des bislang diversifizierten Wissenschaftssystems mit gleichberechtigten Partnern aus universitärer und außeruniversitärer Forschung Schaden nehmen", erklärte der Präsident des DHV, Professor Dr. Bernhard Kempen: "Die Dominanz der finanziell stärkeren Helmholtz-Gemeinschaft würde institutionell verankert und festgeschrieben. Kooperationen auf Augenhöhe wären nicht mehr möglich." Eine "Top-Down-Steuerung", die Forschungsinhalte vorgebe, vertrage sich nicht mit der universitären Forschungskultur, die auf dem "bottom up"-Prinzip basiere.

"Universitäten sind Mittelpunkt des Wissenschaftssystems und wollen sich nicht auf die Rolle des "Juniorpartners" eines Forschungsverbundes reduzieren lassen", so Kempen. Eine engere Verzahnung zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung schließe dies keineswegs aus. Allerdings dürften die Universitäten bei der Neutarierung im deutschen Wissenschaftssystem den "Fahrersitz und das Steuerrad" (Matthias Kleiner) beanspruchen. "Der DHV verwahrt sich gegen die Tendenz der Filetierung der Universitäten. Es droht ein Szenario, in dem der zahlungskräftige Bund aus den Universitäten die vermeintlich besten und ihm passenden Stücke herausbricht und sie sich nicht de jure, aber de facto einverleibt", erklärte Kempen. "Damit wäre die deutsche Universität dem Ausverkauf preisgegeben."

Der DHV begrüße daher die Bestrebungen der Bundesregierung, es durch eine Änderung des Artikels 91b des Grundgesetzes dem Bund zu ermöglichen, gemeinsam mit den Ländern nicht nur Vorhaben, sondern dauerhaft auch Forschung und Lehre an Hochschulen fördern zu dürfen. "Die Hegemonialphantasien der Helmholtz-Gemeinschaft sind ein Kollateralschaden der Föderalismusreform", so Kempen. "Ohne eine Änderung von Artikel 91b GG wird ihnen kaum mit Erfolg zu begegnen sein." Der DHV-Präsident erinnerte abschließend daran, dass sich die Länder auch nach einer Grundgesetzänderung nicht aus ihrer originären Verantwortung für die Hochschulen stehlen dürften.

Kontakt

Deutscher Hochschulverband
Rheinallee 18
D-53173 Bonn
Social Media