Es bewegt sich was in der Druckindustrie

PERFECTA sieht auch in Zukunft Geschäftspotenzial in der Branche / Interview mit Dr. Thomas Kaulitz
(PresseBox) (Frankfurt, ) Dr. Kaulitz ist Geschäftsführer der PERFECTA Schneidmaschinenwerk GmbH. Das Unternehmen aus Bautzen stellt Schneidemaschinen und -systeme vor allem für die graphische Industrie her.

Herr Dr. Kaulitz, wie schätzen Sie die Stimmung in der Druckindustrie ein?


Dr. Kaulitz: Die Stimmung vor allem in den Industrieländern ist derzeit sicherlich nicht gut. Es gab schon deutlich bessere Zeiten. Aus meiner Sicht wird jedoch auch ein wenig zu viel negative Stimmung gemacht. Die Druckindustrie redet sich zum größten Teil selbst schlecht. Das ist nicht der richtige Weg. Eine Krise bietet immer auch Chancen für Veränderungen. Wir als weltweit agierender Zulieferer für die Druckindustrie gehen davon aus, dass global gesehen für das Druckprodukt noch Potential vorhanden ist.

Aber nicht in den angestammten Märkten in Nordamerika und Westeuropa.

Dr. Kaulitz: Die Volumina in den klassischen Märkten der Industrieländer sind noch immer recht groß. Aber es gibt Dämpfer, das ist richtig. Druckprodukte stehen hier in einem starken Wettbewerb mit digitalen Medien. Dafür sehen wir enormes Wachstum in großen Schwellenländern, in Indien und auch in China, beispielsweise. In der Branche gibt es einen großen Wandel, und für die Zulieferer der graphischen Industrie ist es von entscheidender Bedeutung, inwieweit sie sich dem Wandel anpassen können. Wir bei PERFECTA können das. Schon heute gehen 90 Prozent unserer Maschinen in den Export. Die graphische Industrie wird auch in Zukunft unser Kerngeschäft bleiben, denn wir glauben an das Potenzial dieser Branche. Aber wir passen natürlich auch unsere Produkte an die veränderten Anforderungen an.

In welchen anderen Branchen finden PERFECTA-Maschinen Anwendung?

Dr. Kaulitz: Unsere Schneidemaschinen eignen sich grundsätzlich dazu, flächige, bogenförmige Materialien auf definierte Formate zu schneiden. Das können neben Papier und Pappe natürlich auch Folien, Gummimatten, Aluplatten oder Holzfurniere sein. Üblicherweise ergänzen weitere Geräte unsere Maschinen zu kompletten Schneidsystemen. Dazu zählen beispielsweise Lufttische zum Fördern flächiger Materialien oder Stapelheber und Stapelwender. Diese Systeme können auch in vielen weiteren Branchen außerhalb der Druckindustrie eingesetzt werden. Hauptfokus liegt hier sicherlich im Bereich Logistik.

Welche Rolle spielt der Digitaldruck?

Dr. Kaulitz: Der Digitaldruck ist ganz klar ein Wachstumsmarkt. Aber auch dieser Markt hat sich gewandelt. Noch vor ein paar Jahren wurde recht vorschnell das Ende von Offsetdruck vorausgesagt. Es wurde prophezeit, dass der Digitaldruck alle Vorstufen und Weiterverarbeitungsstufen zu einer Inline-Lösung zusammenfassen würde. Das ist in der industriellen Druckproduktion so nicht gekommen. Heute sieht man vor allem entkoppelte Prozesse. Das kommt uns zugute, weil wir sowohl Stand-Alone-Maschinen anbieten, als auch modular aufgebaute Maschinensysteme. Wir sind also sehr flexibel. Der Digitaldruck hat seine Stärken ganz eindeutig in der Individualisierung von Druckprodukten und in der Veredlung.

PERFECTA bietet auch Gebrauchtmaschinen an. Wer sind die Abnehmer?

Dr. Kaulitz: Alle Gebrauchtmaschinen von PERFECTA werden bei uns im Werk generalüberholt, bevor wir sie weiter verkaufen. Auf Wunsch werden sie auch auf den neuesten technischen Stand gebracht. Die meisten dieser soliden Maschinen verkaufen wir ins Ausland, vor allem in Schwellenländer.

Welche mittelfristige Strategie verfolgt PERFECTA?

Dr. Kaulitz: Wir sehen uns als der Technologieführer bei Schneidsystemen und werden diese Position weiter ausbauen. Einer unserer Vorzüge ist dabei unsere Flexibilität. Gerade in einer Zeit, in der unsere Kunden oft nur kurz- oder gerade einmal mittelfristig planen können, ist es von Vorteil, dass wir unsere Systeme dank unserer modularen Bauweise jederzeit auf den Kunden anpassen können.

Welche Zukunft hat Druck und Papier?

Dr. Kaulitz: Ich persönlich gehe ganz fest davon aus, dass es weiterhin Papier- und Druckprodukte geben wird. Die Produkte sind praktisch, kostengünstig, recycelbar und bieten ein haptisches Erlebnis, das digitale Produkte derzeit und in der näheren Zukunft nicht bieten können.

Auf einen Blick

PERFECTA wurde 1896 im ostsächsischen Bautzen als "Maschinen und Kartonagen GmbH" gegründet. Das Unternehmen stellte zunächst Buchbinderei-Hilfsmaschinen und schon bald Schneidemaschinen her. Bis 1936 produzierte man auch Druckmaschinen. Heute arbeiten rund 120 Mitarbeiter am Firmensitz.

Neue Medien, neue Technologien und eine Verschiebung der Märkte haben die deutsche Druck- und Papiertechnik verändert. Die Unternehmen dieser Branche stellen sich den Herausforderungen und erkennen immer mehr auch die Chancen dieser Veränderung. Der VDMA stellt in einer Interview-Serie einige Unternehmen vor.

Kontakt

VDMA, Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.
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