Madrid, Mumbai, Myanmar: Neue Herausforderungen für das Goethe-Institut

(PresseBox) (München, ) Auf der Jahrespressekonferenz des Goethe-Instituts zogen Präsident Klaus-Dieter Lehmann, Generalsekretär Johannes Ebert und der Kaufmännische Direktor Bruno Gross das Fazit eines bewegten Jahres. Die weltweiten Umbrüche stellen den größten deutschen Kulturmittler vor vielfältige Herausforderungen. Zugleich eröffnen sich in vielen Weltgegenden neue Chancen, etwa für die deutsche Sprache: Neben dem großen Ansturm auf die Deutschkurse der Goethe-Institute in Südeuropa bieten in Indien immer mehr nationale Schulen Deutsch als Fremdsprache an. In Myanmar wird 2013 ein neues Goethe-Institut gegründet.

2012 war ein ermutigendes Jahr für das Goethe-Institut und für die deutsche Sprache weltweit, betonte der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann: "Ich freue mich besonders, dass unsere Kampagnen für die deutsche Sprache im Ausland so wirkungsvolle Erfolge zeigen. In Südeuropa verzeichnen wir seit zwei Jahren Rekordeinschreibungen." Aber auch andernorts hat Deutsch Konjunktur: In Indien wird Deutsch an 1.000 Schulen eingeführt. Rund eine Million Schüler werden auf diese Weise in den nächsten Jahren erreicht. Zeitgleich konnte in Russland der jahrelange Abwärtstrend der Deutschlernerzahlen gestoppt werden. In China und Südkorea wurden 2012 neue Sprachlernzentren eröffnet. "Jetzt kommt es darauf an, die Erfolge auch langfristig zu sichern: Bildung braucht Kontinuität und Verbindlichkeit. Die Lehrer, Schüler und Bildungsbehörden, die sich weltweit für die deutsche Sprache einsetzen, bauen auf uns", mahnte der Präsident. Klaus-Dieter Lehmann dankte dem Auswärtigen Amt und dem Bundestag für die Unterstützung, die diese Erfolge durch Sondermittel für die deutsche Sprache 2011 und 2012 und die Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" erst möglich gemacht haben. In China und Südkorea konnten 2012 zudem neue Sprachlernzentren eröffnet werden. Ein Kooperationsabkommen zwischen dem Goethe-Institut und den führenden technischen Universitäten Deutschlands ermöglicht künftig besonders begabten indischen Absolventinnen und Absolventen den nahtlosen Übergang an eine deutsche Hochschule. 2013 richtet sich ein besonderer Fokus auf die Deutschförderung in den USA sowie auf Angebote für Deutschlerner in den neuen Medien.

"Gerade in Zeiten der Krise kann die Arbeit des Goethe-Instituts neue Prozesse in Gang setzen. Nur so kann ein europäischer Gedanke erfolgreich sein. Kein Europäer soll sich in einem europäischen Land als Fremder fühlen", betonte Lehmann. So biete der flexible Arbeitsmarkt innerhalb der EU vielen jungen Menschen Perspektiven in der Krise. Das Goethe-Institut fördere die europäische Mobilität mit seinen Bildungsangeboten. Maßgeschneiderte Programme in Kooperation mit den deutschen Außenhandelskammern, Wirtschaftsunternehmen und Kommunen sowie den Partnern der Gastländer seien stark nachgefragt. Hoch im Kurs seien auch berufsspezifische Sprachkurse, etwa für Medizinberufe oder Ingenieure. Wichtige Funktionen übernehmen die Goethe-Institute bei der Adaption des dualen Ausbildungssystems in den südeuropäischen Ländern und in der Sprachenpolitik für die Mehrsprachigkeit in den Lehrplänen der jeweiligen Schulsysteme.

Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, führte weiter aus: "Wir rechnen auch für das Jahr 2013 mit weiteren Zuwächsen im Sprachkursbereich vor allem in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland. Doch es ist nicht nur unsere Verantwortung, die europäische Mobilität zu fördern und unseren Kursteilnehmern die bestmögliche Unterstützung zu garantieren: Europa ist und bleibt in erster Linie ein kulturelles Projekt und hier ist das Goethe-Institut ganz besonders gefragt." Im kommenden Jahr werde das Goethe-Institut daher in zwanzig europäischen Ländern eine Umfrage zum europäischen Kulturkanon starten, die Anlass zu einer fundierten Auseinandersetzung über gemeinsame Werte, eine gemeinsame europäische Erinnerung, aber auch Unterschiede bieten werde. Die Entwicklung einer gemeinsamen europäischen auswärtigen Kulturpolitik beschäftigt das Goethe-Institut ebenfalls. So wird die Kooperation mit den Kulturinstituten der europäischen Nachbarstaaten weiter intensiviert. Ebert erläuterte: "Eine gemeinsame europäische Kulturpolitik kann nur wirken, wenn sie auch der kulturellen Vielfalt Europas gerecht wird. Besonders froh sind wir, dass das Goethe-Institut in Brüssel gerade eine Ausschreibung der EU gewonnen hat und sie in den nächsten zwei Jahren als Leiter eines Konsortiums in Sachen Außenkulturpolitik beraten wird - ein wichtiger Erfolg für uns und die deutsche Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik."

"In der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts ist Dialog so wichtig wie nie zuvor. Gerade die langfristig angelegte Arbeit des Goethe-Instituts schafft nachhaltiges Vertrauen", unterstrich Ebert. Hier leisteten die Institute gerade in Ländern mit politisch schwierigen Rahmenbedingungen einen besonderen Beitrag. "Wir freuen uns, dass wir 2013 mit einem eigenen Institut in Myanmar tätig werden können. Gerade in Ländern, in denen sich politische Umbrüche vollziehen, ist es wichtig, möglichst rasch als Ansprechpartner für die Akteure der Kultur- und Bildungslandschaft vor Ort zu sein", betonte der Generalsekretär. Auch der Dialog mit der islamischen Welt habe nicht an Bedeutung verloren, so Ebert. Es gelte die Transformationsprozesse in Nordafrika aktiv zu begleiten und Aufbauhilfe bei der Etablierung von Zivilgesellschaften zu leisten. Hierzu werde das Goethe-Institut 2013 auf nachhaltige Programme wie die Qualifizierung von Kulturmanagern und Kulturberufen setzen. Geplant sei unter anderem die Einrichtung einer tunesischen Frauenradiosendung. In Kairo werde man sich vor allem mit Fragen der politischen Bildung befassen.

Der Kaufmännische Direktor des Goethe-Instituts Bruno Gross führte aus: "Die Entwicklung der Einnahmen 2012 hat sich sowohl in Deutschland als auch im Ausland positiv gestaltet. So konnten die Goethe-Institute in Deutschland 2012 rund 55 Millionen Euro und die Goethe-Institute im Ausland rund 67 Millionen Euro einnehmen. Zusammengefasst mit der institutionellen Förderung durch das Auswärtige Amt und weiteren Projektfördermitteln kann die allgemeine Haushaltslage 2012 als stabil bezeichnet werden."

2013 sinken, so Gross, die Zuwendungen vom Auswärtigen Amt an das Goethe-Institut im Vergleich zu den Vorjahren. Insgesamt sei gegenüber dem Haushalt 2012 eine Kürzung von rund 3,7 Millionen Euro vorgenommen worden. Diese wirke sich im Bereich der institutionellen Förderung wie auch im Bereich der Investitionen aus. Der Haushaltsansatz für die Mittel zur Förderung der deutschen Sprache im Ausland sei mit einer Sperre von 5 Millionen Euro versehen worden. Aus diesem Ansatz seien bisher die Projekte der Bildungsoffensive Deutsch des Goethe-Instituts, etwa in Indien und Russland, aber auch in Südeuropa, finanziert worden.

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