Nahe am Heimatland - Migranten in Deutschland

(PresseBox) (München, ) Migranten aus den Nachbarländern Deutschlands lassen sich überwiegend in Grenznähe zu ihrem Heimatland nieder. Zu diesem Ergebnis kommen die Dresdner ifo-Experten Robert Lehmann und Wolfgang Nagl nach einer Untersuchung der Bevölkerungszusammensetzung in Deutschland auf Kreisebene. Doch es gibt auch Ausnahmen.

Für acht der neun Nachbarländer Deutschlands gilt, dass Einwanderer sich vorzugs-weise in Grenznähe ihres Herkunftslandes niederlassen. Während sich z.B. Menschen aus Dänemark überwiegend in Schleswig-Holstein oder Hamburg ansiedeln, präferieren Migranten aus den Niederlanden Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Zuziehende aus Belgien lassen sich hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nieder, Luxemburger wiederum bevorzugen Rheinland-Pfalz und das Saarland. Das Saarland wird neben Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg auch von Migranten aus Frankreich verstärkt besiedelt. Weiterhin findet sich solch ein Muster auch für Einwanderer aus der Schweiz (Baden-Württemberg), Österreich (Bayern) und aus der Tschechischen Republik (Bayern und teilweise Sachsen).

Grenznähe nicht für alle Nationalitäten entscheidend

Für Einwanderer aus Polen scheint hingegen die Entscheidung zu einer Ansiedlung in Deutschland nicht durch die Grenznähe bestimmt zu sein. So findet sich eine überproportionale Repräsentanz polnischer Migranten insbesondere in Kreisen und kreisfreien Städten des Ruhrgebietes sowie in der Region Frankfurt am Main. Ostdeutschland ist offensichtlich auch für die Einwohner der anderen unmittelbaren Nachbarländer weniger attraktiv. Migranten aus der Tschechischen Republik gehen am liebsten nach Bayern. Nur einige Grenzgänger gehen nach Sachsen. Auch Dänen zieht es vermehrt in westdeutsche Städte.

Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler auch die Sonderrolle von großen Städten wie Berlin, München oder Frankfurt am Main bestätigen, die unabhängig von der Nationalität viele Einwanderer anziehen.

"Die Unterschiede zwischen west- und ostdeutschen Bundesländern und die Sonder-stellung von Großstädten erlauben auch einige Rückschlüsse in Bezug auf Maßnahmen, mit denen Fachkräfte für die Zukunft gewonnen werden sollen", so Robert Lehmann. "Denn Grenznähe ist nicht überall für die Wahl des Wohnortes ausschlaggebend. Das hat insbesondere Auswirkungen auf regionale Initiativen, die Fachkräfte vor dem Hintergrund des demografischen Wandels anziehen sollen. Man kann durchaus hinterfragen, ob sich die Lücke im Erwerbspersonenpotenzial so einfach durch Zuwanderung schließen lässt", ergänzt Lehmann.

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